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Stolz und seine tödlichen Folgen

Lesung 1: Sir 3, 17-18.20.28-29; Lesung 2: Hebr 12,18-19.22-24a; Evangelium: Lk 14,1.7 14

Liebe Schwestern und Brüder, vor einigen Jahren flog eine vollbesetzte Passagiermaschine mit einem Kapitän, der schon viele Berufsjahre an Erfahrung hatte, und einem frischgebackenen Co-Piloten los. Nach dem Start, der problemlos lief, bemerkte der Co-Pilot, dass das Fahrwerk der Maschine noch nicht eingezogen war. Aber aus Respekt vor dem erfahrenen Kapitän, der auch noch ein sehr selbstbewusstes Auftreten an den Tag legte und den Jungspund mehr als einmal vorher zurechtgewiesen hatte bei anderen Fehlern, traute sich der junge Co-Pilot nicht, etwas zu sagen. Dadurch verbrauchte die Maschine mehr Treibstoff als sie brauchte, um ihr Ziel zu erreichen und wäre um ein Haar abgestürzt. Gott sei Dank f iel dem Piloten irgendwann selber sein Fehler auf. Seitdem gibt es in jedem Flugzeug eine Routine und eine flache Hierarchie, um solche Vorkommnisse nicht mehr zu begünstigen.

Diese Geschichte ist ein Beweis, wie gefährlich Stolz sein kann, der in dem Fall nicht nur den Piloten befallen hat, sondern durch sein arrogantes Auftreten den Co-Piloten zum Schweigen gebracht hat, der eigentlich etwas hätte sagen müssen. Aber kommen wir weg vom Flugzeug und nähern wir uns lieber dieser tödlichen aller schweren Sünden: dem Stolz. Ja, Stolz ist die gefährlichste aller Sünden, da sie den Menschen in sich selbst gefangen sein lässt. Nicht umsonst wird in Dantes Göttlicher Komödie beim Berg der Reinigung der Stolz als erste und schwerste Stufe beschrieben. Dante und Vergil, sein Begleiter, müssen, nachdem sie der Hölle entstiegen sind, den Berg der Reinigung, dem Fegefeuer, besteigen. Dieser ist in sieben Stufen eingeteilt, entsprechend der sieben Todsünden. Je höher sie kommen, um so leichter wird der Aufstieg und auch die Schwere der Sünde. Es ist spirituelle Physik.

Was aber macht den Stolz zu einer so schweren Sünde? Stolz ist, der Definition eines großen Theologen folgend, eine übertriebene Liebe zu sich selbst. Sie ist eine Reaktion des Menschen auf die Angst vor der Welt. Die Sorge, dass man nicht genügen könnte. So baut sich der Mensch eine Art Schutzwall aus einer Ich bezogenen Weltsicht. Man sieht nur noch sich selbst. Man kann sich das Verhalten eines stolzen Menschen so vorstellen wie ein schwarzes Loch, dass alles um sich herum anzieht und auf sich selber ummünzt. Und hier wird es nun richtig spannend, denn genau in diesem selbstbezogenen Verhalten wird das deutlich, was der heilige Augustinus als die Haltung des Senders bezeichnet hat: Incurvatus in se. Das sich selbst Beschauen und Bewundern, ohne mit der Welt in Kontakt zu sein. Ständig sich selbst sehen und in den Mittelpunkt stellen. Wer so lebt, der braucht auch keine Beziehung mit Gott, weil er sich ja selbst, wie Münchhausen, am Schopf aus dem Sumpf ziehen könnte. Und darin liegt die große Gefahr dieser Sünde: Sie macht uns blind gegenüber der Gnade und dem Heil Gottes.

Gegen den Stolz hilft nur ein Gegenmittel: Demut. Wer das Wort heute hört, hat meist eher eine Karikatur der Demut vor Augen als die Wirklichkeit. Demut, lateinisch humilitas, kommt vom lateinischen Wort Humus, Erde. Die Demut führt uns in Kontakt mit der Wirklichkeit, sie erdet uns! Wie ein Bauer, der das Feld mit den Händen umpflügt, so hilft uns die Demut mit der Erde in Kontakt zu kommen. Die Demut holt uns aus unserem Gefängnis heraus und führt uns dazu, unseren Blick auf die anderen zu richten. Und nur das macht uns wirklich glücklich. Überlegen Sie einmal kurz, wann Sie das letzte Mal so richtig glücklich waren? Und sie werden feststellen, dass das nur in Gemeinschaft mit anderen gelingt. Hier merken Sie, wie sehr uns der Stolz eigentlich traurig und einsam macht.

Wie oft am Tag hängen Sie und ich vermutlich solchen Gedanken nach wie: Was muss ich tun, damit der und die gut von mir denken? Hoffentlich merkt der nicht, dass ich das gar nicht hinbekomme… Das ist der Stolz, das ist die Traurigkeit, die uns gefangenhält, denn eigentlich macht es uns nicht glücklich. Auch die Bibel kennt dieses Problem und so greift Jesus dieses Problem in seiner Geschichte vom Hochzeitsfest und der Tafel auf. So eine Hochzeit war auf den Dörfern ein gesellschaftliches Event und was versucht der Stolze? Richtig! Er muss was darstellen, also rauf auf die hohen Plätze. Die Lektion Jesu aber ist: Vergiss es! Das Spiel mit dem Stolz ist es nicht wert, dass du es spielst. Denn es kommt noch eine erschreckende Erkenntnis dazu: Oscar Wild hat es so beschrieben: „Das Schlimmste neben der Tatsache, nicht das zu bekommen, was man will, ist es, es zu bekommen!“ Ja, wie Recht hat er. Stellen Sie sich einmal vor, sie streben nach etwas, was Sie unbedingt haben wollen. Sie lügen, Sie kämpfen und dann haben Sie es auf einmal. Sie wissen: Es hält nicht lange und außerdem wollen Sie dann spätestens was anderes. Der Stolz ist unersättlich.

Deshalb gilt für den Stolz das gleiche, wie für alle anderen Versuchungen: Nicht mit verhandeln und nicht damit anfangen zu spielen, denn das Spiel verlieren wir tot sicher!

Amen.

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