Mit einem stillen, aber symbolträchtigen Besuch der Sultan-Ahmed-Moschee begann Papst Leo XIV. am Samstag seinen dritten Tag in der Türkei. Der Besuch der zwischen 1609 und 1617 von Sultan Ahmed I. erbauten „Blauen Moschee“ war ein Zeichen des Respekts gegenüber der islamischen Welt und ein Beitrag zum interreligiösen Dialog. Eine Einladung zum Gebet des Muezzins der Moschee, Aşkın Musa Tunca, schlug Papst Leo jedoch aus und erkundete die heilige Stätte in kontemplativem Schweigen. Damit unterschied er sich von Papst Benedikt XVI. sowie Papst Franziskus, die bei ihren Türkeibesuchen jeweils in der Blauen Moschee beteten.
Historischer Ort des Dialogs zwischen Christentum und Islam
Papst Leo XIV. hat seinen dritten Tag in der Türkei am Samstag mit einem Besuch der Sultan-Ahmed-Moschee in Istanbul begonnen. Begleitet wurde er dabei vom türkischen Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy, dem Istanbuler Mufti Emrullah Tuncel sowie Muezzin Aşkın Musa Tunca. Die berühmte „Blaue Moschee“, eines der bedeutendsten islamischen Bauwerke der Stadt, beeindruckt durch ihre kunstvolle Architektur, ihre gewaltigen Ausmaße und ihre reiche Geschichte. Gleichzeitig spielt sie eine besondere Rolle im Verhältnis zwischen Christentum und Islam: Mehrere Päpste haben diesen Ort bereits in respektvollem Schweigen betreten.
Benedikt XVI. besuchte die Moschee im Jahr 2006 – nur wenige Monate nach seiner umstrittenen Regensburger Rede, in der ein mittelalterliches Zitat über den Islam als „böse und unmenschlich“ sowie „mit dem Schwert verbreitet“ heftige Reaktionen in der muslimischen Welt ausgelöst hatte. Wie sein damaliger Sprecher, Pater Federico Lombardi SJ, erklärte, verharrte Benedikt während seines Besuchs in stiller Meditation.
Auch Papst Franziskus betrat 2014 die Blaue Moschee. Der Vatikan sprach anschließend von einem „Moment der stillen Anbetung“ Gottes, der den Respekt des Pontifex gegenüber dem heiligen Ort unterstrich.
Stiller Besuch in der Blauen Moschee
Nach dem Besuch von Papst Leo XIV. am Samstag teilte die Pressestelle des Heiligen Stuhls mit, der Pontifex habe die Sultan-Ahmed-Moschee „in Stille, im Geist der Besinnung und des aufmerksamen Zuhörens“ betreten – mit tiefem Respekt für den Ort und den Glauben der dort Betenden. Von einem Gebet war ausdrücklich nicht die Rede.
Muezzin Aşkın Musa Tunca berichtete anschließend, er habe dem Papst angeboten, in der Moschee zu beten. Leo jedoch habe höflich abgelehnt und erklärt, er wolle sich lediglich umsehen.
Für Aufmerksamkeit sorgt zugleich eine auffällige Lücke im Reiseprogramm: die Hagia Sophia. Die einst byzantinische Kirche, später Moschee und im 20. Jahrhundert zum Museum für alle Besucher geöffnet, wurde 2020 wieder in eine Moschee umgewandelt – sehr zum Bedauern von Papst Franziskus, der sich über die Entscheidung „zutiefst betrübt“ zeigte. Während frühere Päpste wie Paul VI., Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus das Gebäude besuchten, fehlt es auf Leos Liste. Auf Nachfrage begründete Vatikansprecher Matteo Bruni dies knapp: „Es stand einfach nicht auf dem Programm.“
