StartVatican„Ein prophetisches Innehalten“ – Papst Leo XIV. zum Kardinalskonsistorium

„Ein prophetisches Innehalten“ – Papst Leo XIV. zum Kardinalskonsistorium

Papst Leo XIV. hat die in Rom versammelten Kardinäle bei einer Heiligen Messe im Petersdom zu geistlicher Unterscheidung, Gebet und gemeinsamem Innehalten aufgerufen. Zum Auftakt eines außerordentlichen, zweitägigen Konsistoriums betonte er am Donnerstag die Verantwortung des Kardinalskollegiums als geistliche Gemeinschaft, die nicht eigenen Agenden folgen, sondern gemeinsam prüfen solle, was Gott zum Wohl der Kirche und der Welt verlange. Am Donnerstagabend gingen die Beratungen der Kardinäle zu zentralen Fragen der kirchlichen Zukunft zu Ende.

Kardinalskonsistorium: Ein Innehalten als geistlicher Auftrag

Vor der Beratung am Donnerstag hielt Papst Leo XIV. einen Gottesdienst; 155 Kardinäle konzelebrierten. Zu Beginn seiner Predigt blickte Papst Leo XIV. auf das Konsistorium, das er als einen „Moment der Gnade“ beschrieb, in dem die Einheit der Kirche im gemeinsamen Dienst sichtbar werde. Dabei erinnerte er an den lateinischen Ursprung des Wortes Konsistorium, der „Halt machen“ bedeute. Genau dazu seien die Kardinäle in Rom zusammengekommen: innezuhalten, um gemeinsam zu prüfen, was Gott zum Wohl seines Volkes erwarte.

Dieses bewusste Anhalten sei, so der Papst, eine „bedeutungsvolle und prophetische Geste“ in einer von Hektik geprägten Welt. Es gehe darum, Raum für Gebet, Zuhören und Nachdenken zu schaffen und eigene Vorhaben einer geistlichen Unterscheidung zu unterwerfen. Das Konsistorium diene nicht dazu, persönliche Interessen oder Gruppenprogramme voranzubringen, betonte Leo XIV.

Zugleich machte der Papst deutlich, dass das Kardinalskonsistorium in erster Linie kein Treffen von Experten sein solle, sondern eine Glaubensgemeinschaft, getragen von einer trinitarischen und auf Beziehung gegründeten Liebe. Aus dieser Haltung wachse eine „Spiritualität der Gemeinschaft“, so Leo XIV.

Das gemeinsame Innehalten bezeichnete Leo XIV. als einen Akt der Liebe zu Gott, zur Kirche und zu den Menschen weltweit. Wichtig sei dabei neben Gebet und Stille auch das aufmerksame Zuhören untereinander. Die Kardinäle seien aufgerufen, den Anliegen der Menschen Gehör zu verschaffen, die ihnen in den unterschiedlichen Regionen der Welt anvertraut seien.

„Fünf Brote und zwei Fische“ als Auftrag für die Kirche

Mit Blick auf die weltweite Not griff Papst Leo XIV. in seiner Predigt die Speisung der 5000 auf. Angesichts einer hungernden Menschheit fühlten sich viele auch heute „unzulänglich und mittellos“. Dennoch bleibe Jesu Frage aktuell: „Wie viele Brote habt ihr?“ Dieser Aufforderung könne man nur gemeinsam nachkommen, betonte der Papst vor den Kardinälen. Nicht immer ließen sich sofort Lösungen finden, doch unter allen Umständen sei es möglich, einander zu unterstützen und insbesondere den Papst bei seiner Aufgabe zu stärken. Es gehe darum, die „fünf Brote und zwei Fische“ zu finden, sie anzunehmen, sie zu übergeben, zu empfangen und zu verteilen, angereichert durch den Segen Gottes sowie durch den Glauben und die Liebe aller, sodass es niemandem am Nötigen mangele.

Zum Abschluss der Messe dankte Leo XIV. den Kardinälen für ihren Dienst, den er als etwas zutiefst Persönliches und zugleich für die ganze Kirche Unverzichtbares beschrieb. Die mit dem Papst geteilte Verantwortung sei schwer und eine große Last, so der Pontifex.

An der Eucharistiefeier am Kathedra-Altar des Petersdoms nahmen 155 Kardinäle teil. Zum außerordentlichen Konsistorium lud der Heilige Vater alle 245 Kardinäle der Weltkirche ein, rund 170 folgten der Einladung. Die Beratungen, die synodal an runden Tischen in der Audienzhalle stattfanden, legten sich am Mittwochabend per Abstimmung auf zwei von vier vom Papst vorgeschlagenen Schwerpunktthemen fest: Mission und Synodalität. Das zweitägige Konsistorium ging am Donnerstagabend gegen 19.00 Uhr mit einer Zusammenfassung durch Papst Leo XIV. und einem gemeinsamen Gebet zu Ende.

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