StartVaticanKardinal Joseph Zen kritisiert Synodalitätsprozess scharf: „Beleidigung der Würde der Bischöfe“

Kardinal Joseph Zen kritisiert Synodalitätsprozess scharf: „Beleidigung der Würde der Bischöfe“

Beim außerordentlichen Kardinalskonsistorium Anfang Januar hat der 93-jährige emeritierte Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen, den synodalen Prozess der Kirche als „eiserne Manipulation“ verurteilt. Zen warnte, dass die Synodalität nicht nur die beratende Freiheit der Bischöfe untergrabe, sondern durch ständige Anrufung des Heiligen Geistes „lächerlich“ sei und an „Blasphemie“ grenze.

Kardinal Zen übt Kritik am Ablauf der Synodalitätssynode

Während des Konsistoriums am 7. und 8. Januar betonte der 93-jährige Kardinal Joseph Zen, dass der synodale Prozess der Synodalitätssynode 2021–2024 nicht nur fehlerhaft, sondern streng gesteuert gewesen sei. Dadurch seien die Bischöfe ihrer beratenden Freiheit und ihrer rechtmäßigen Autorität als Nachfolger der Apostel beraubt worden. Zen kritisierte besonders die wiederholte Berufung auf den Heiligen Geist, die seiner Ansicht nach dazu diene, vorab festgelegte Ergebnisse zu legitimieren. „Sie erwarten Überraschungen vom Heiligen Geist. Welche Überraschungen? Dass er ablehnen soll, was er in der zweitausendjährigen Tradition der Kirche inspiriert hat?“, so der Kardinal wörtlich.

Kardinal Zen weitete seine Kritik auf die gesamte Kirche aus und äußerte Bedenken über den widersprüchlichen Status des Abschlussdokuments der Synodalitätssynode. Zwar werde das Dokument offiziell als Teil des Lehramts anerkannt, zugleich setze es jedoch keine verbindlichen Normen fest. Die Betonung der Einheit von Lehre und Praxis werde relativiert, da deren Umsetzung je nach „unterschiedlichen Kontexten“ variieren könne. Zudem ermögliche das Dokument, dass jedes Land oder jede Region „Lösungen suchen kann, die besser zu seiner Kultur passen und sensibel für seine Tradition und Bedürfnisse sind“.

Warnung vor Spaltungen

Vor diesem Hintergrund warnte Kardinal Zen, dass der flexible Ansatz der Synodalität die Einheit der Kirche gefährde und Parallelen zur Spaltung im Anglikanismus aufweise. Besonders im ökumenischen Dialog – etwa mit den orthodoxen Kirchen, für die Synodalität die echte Autorität der Bischöfe bedeutet – könnte die katholische Glaubwürdigkeit leiden. „Wenn die Bischöfe sich für kompetenter halten, führen dann die unterschiedlichen Auslegungen und Entscheidungen nicht zu einer Spaltung wie in der anglikanischen Gemeinschaft?“, fragte Zen.

Zudem kritisierte er, dass Papst Franziskus das Konzept der Synode zwar instrumental nutze, zugleich aber die Bischofssynode – ursprünglich von Paul VI. als bischöfliches Beratungsgremium gegründet – faktisch abgeschafft habe, indem nun auch Nichtbischöfe formal beteiligt würden.

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