Zu Beginn der neuen Katechesenreihe zum Zweiten Vatikanischen Konzil blickte Papst Leo XIV. auf die dogmatische Konstitution Dei Verbum – über die göttliche Offenbarung. Vor Tausenden Pilgern, die sich in der vatikanischen Audienzhalle eingefunden hatten, hob er das Verhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpfen als einladende Freundschaft hervor. Das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen sei keine Beziehung der Macht, sondern eine Beziehung, die von der Liebe getragen ist.
Wort, das Beziehung stiftet
Papst Leo XIV. stellte in seiner Ansprache Jesus Christus als den entscheidenden Wendepunkt im Verhältnis zwischen Gott und Mensch heraus. Vor den Gläubigen erinnerte er mit Verweis auf das Johannesevangelium („Ich nenne euch Freunde“), dass die einzige Bedingung für diesen neuen Bund die Liebe sei. Zwar sei Gott der Schöpfer und „wir sind Geschöpfe“, dennoch habe Gott die „asymmetrische Distanz“ in seinem Sohn überbrückt, „um uns ihm ähnlich zu machen“.
In seiner Katechese lenkte Papst Leo XIV. den Blick besonders auf die Bedeutung von Kommunikation. Er unterschied klar zwischen einem oberflächlichen Reden, das er als bloßes „Geschwätz“ kritisierte, und dem echten Wort, das Gemeinschaft entstehen lasse. Wahre Rede, so der Pontifex, bleibe nicht an der Oberfläche stehen, sondern offenbare das eigene Innerste. In der göttlichen Offenbarung begegne der unsichtbare Gott den Menschen aus „überströmender Liebe“ und trete mit ihnen in einen Dialog auf Augenhöhe. Dieser Austausch lebe von wahrhaftigen Worten und verlange als erste Haltung ein waches, aufmerksames Zuhören.
Gebet als Schule der Aufmerksamkeit
Papst Leo XIV. unterstrich, dass die Freundschaft mit Gott der Pflege bedürfe und ohne Gebet nicht bestehen könne. Dabei unterschied er zwischen dem gemeinsamen liturgischen Gebet der Kirche und dem persönlichen Gespräch mit Gott im Inneren des Menschen. Beten bedeute nicht, Gott mit Informationen zu versorgen, sondern sich selbst vor ihm ehrlich zu öffnen. Der Pontifex erinnerte daran, dass im Alltag eines Christen feste Zeiten für Gebet, Meditation und Besinnung unverzichtbar seien. Nur wer diese Beziehung im Dialog lebendig halte, könne auch glaubwürdig von Gott Zeugnis geben.
Zum Abschluss seiner Ausführungen griff Papst Leo XIV. ein Bild aus dem menschlichen Alltag auf. Freundschaften, so der Pontifex, scheiterten selten an einem einzelnen Bruch, sondern würden häufig durch fortgesetzte Nachlässigkeit und fehlende Aufmerksamkeit ausgehöhlt. Vor diesem Hintergrund mahnte er die Gläubigen, den Ruf Jesu zur Freundschaft ernst zu nehmen und die Beziehung zu Gott bewusst zu pflegen. „Pflegen wir diese Beziehung, und wir werden entdecken, dass gerade die Freundschaft mit Gott unser Heil ist“, appellierte Leo.
