StartVaticanStiller Begleiter dreier Päpste: Kammerdiener Angelo Gugel mit 90 Jahren gestorben

Stiller Begleiter dreier Päpste: Kammerdiener Angelo Gugel mit 90 Jahren gestorben

Er diente drei Päpsten mit Diskretion und Treue. Papst Johannes Paul II. stand er sogar am Tag des Attentats von 1981 zur Seite: Angelo Gugel, langjähriger Kammerdiener von Johannes Paul I., Johannes Paul II. und Benedikt XVI., ist am Donnerstagabend im Alter von 90 Jahren in Rom gestorben.

Aus der Bauernfamilie in den Vatikan

Angelo Gugel wurde am 27. April 1935 im norditalienischen Miane in der Provinz Treviso geboren. Der Sohn einer Bauernfamilie schlug zunächst einen geistlichen Weg ein und verbrachte zwei Jahre im Seminar, bevor er 1955 in den Dienst des Vatikans trat und als Gendarm eingestellt wurde. Seit 1964 war er mit Maria Luisa Dall’Arche verheiratet; aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Raffaella, Flaviana, Guido und Carla Luciana Maria. Eine schwere Tuberkuloseerkrankung zwang Gugel zu einer langen Genesung und führte schließlich zu seiner Versetzung in die Verwaltung des Governatorats. Dort blieb er, bis Albino Luciani, sein früherer Bischof von Vittorio Veneto, 1978 als Johannes Paul I. zum Papst gewählt wurde.

Den größten Teil seines Berufslebens verbrachte er jedoch an der Seite von Johannes Paul II., dessen Pontifikat er über Jahrzehnte hinweg miterlebte. Auch den Beginn der Amtszeit von Benedikt XVI. begleitete Gugel noch, bevor er sich im Alter von 70 Jahren aus dem Dienst zurückzog. Gugel starb am Abend des 15. Januar 2026 im Alter von 90 Jahren in Rom, im Kreis seiner Familie.

Diskretion und Vertrauen

Diskretion und Zurückhaltung – Eigenschaften, die der langjährige Kammerdiener Angelo Gugel lebte. Das bestätigte er selbst in einem Interview für eine Sonderausgabe des Osservatore Romano anlässlich des 100. Geburtstags von Johannes Paul II. Rückblickend auf die 27 Jahre an der Seite des polnischen Papstes erzählte Gugel, er habe selbst gegenüber seiner Familie konsequent Stillschweigen über seine Arbeit bewahrt. „Wenn wir mit dem Heiligen Vater privat unterwegs waren, erfuhren sogar meine Familienangehörigen davon aus der Zeitung“, verriet er.

Innerhalb der päpstlichen Familie habe die von Johannes Paul II., Monsignore Stanislao und den Ordensschwestern geprägte Atmosphäre des Vertrauens ihm stets das Gefühl gegeben, zu Hause zu sein. Unvergessen blieben für Gugel die dramatischen Bilder des Attentats vom 13. Mai 1981: das Einschussloch, der schwer verletzte Papst am Boden vor dem vatikanischen Sanitätsgebäude und die endlos scheinende Fahrt ins Gemelli-Krankenhaus.

Persönliche Nähe zu Johannes Paul II.

In einem Interview mit dem Corriere della Sera berichtete Gugel 2018, dass Johannes Paul II. ihn auch um sprachlichen Rat bat. Am Morgen des 22. Oktober 1978, zu Beginn seines Pontifikats, habe der Papst ihm die Predigt vorgelesen und ihn gebeten, falsche Aussprachen zu korrigieren. Zwei Monate später scherzte Johannes Paul II. gegenüber Gugels ehemaligen Kollegen der Gendarmerie: „Wenn ich bei einem Wort den Akzent falsch setze, ist das zu 50 Prozent Angelos Schuld“, und lächelte dabei. „Habt keine Angst! Öffnet, ja, öffnet weit die Türen für Christus! Habt keine Angst! Christus weiß, was im Menschen ist. Nur er weiß es!“, erinnerte sich Gugel an die erste Predigt des polnischen Papstes.

Gugel erinnerte sich zudem an die Schwangerschaft seiner Frau Maria Luisa mit ihrer vierten Tochter, die sie zu Ehren der beiden Päpste Albino Luciani und Karol Wojtyła Carla Luciana Maria nennen wollten. Die Schwangerschaft verlief jedoch schwierig. Eines Tages sei der Papst zu ihm gekommen und habe erzählt, dass er an diesem Tag eine Messe für seine Frau gefeiert habe. Am 9. April wurde Gugels Frau die Tochter per Kaiserschnitt entbunden. Der zuständige Arzt Dr. Villani kommentierte die Geburt mit den Worten: „Jemand muss sehr viel gebetet haben.“ Den Geburtszeitpunkt notierte er mit 7:15 Uhr, dem Zeitpunkt der Morgenmesse des Papstes beim Sanctus.

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