Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin rief angesichts wachsender Spannungen zwischen den USA und Europa zu Besonnenheit und sachlichem Dialog auf. Am Rande der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des „Osservatorio for Independent Thinking“ in Rom äußerte sich Parolin am Mittwoch besorgt über die jüngsten diplomatischen Reibereien und betonte die Notwendigkeit, internationale Regeln einzuhalten.
Vatikanbeteiligung am „Board of Peace“ offen
Angesichts der jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat Kardinalstaatssekretär Parolin die Bedeutung eines sachlichen Dialogs und die Einhaltung internationaler Regeln erneut unterstrichen. „Spannungen sind nicht gesund und verschärfen die ohnehin schon angespannte internationale Lage“, sagte Parolin gegenüber Journalisten und blickte dabei auf die aktuellen diplomatischen Spannungen zwischen Washington und Brüssel. Es sei von entscheidender Bedeutung, „kontroverse Punkte zu diskutieren, ohne in Polemik oder Spannungen zu verfallen“.
Vor diesem Hintergrund richtete Parolin den Blick besonders auf eine konkrete Initiative der USA: die Einladung an den Heiligen Stuhl, sich am sogenannten „Board of Peace“ für den Gazastreifen zu beteiligen. Der Kardinalstaatssekretär bestätigte, dass Papst Leo XIV. eine entsprechende Anfrage erhalten habe, betonte jedoch, dass die Entscheidung sorgfältig geprüft werde: „Wir nehmen uns die Zeit, die nötig ist, um die Angelegenheit angemessen zu bewerten und zu beantworten.“ Zugleich stellte Parolin klar, dass es sich dabei nicht um finanzielle Unterstützung handele, denn dazu sei der Vatikan nicht in der Lage. Vielmehr gehe es den USA nach Parolins Einschätzung um eine moralisch-diplomatische Unterstützung.
Parolin mahnt Sachlichkeit und verantwortungsvollen Journalismus
In Reaktion auf Trumps Aussagen in Davos, wonach er Europa schätze, zugleich aber dessen politische Ausrichtung kritisiere, rief Parolin zu Sachlichkeit auf. „Das ist seine Sichtweise“, erklärte er nüchtern. „Wesentlich ist, das Völkerrecht zu respektieren. Über persönliche Empfindungen hinaus müssen die Regeln der internationalen Gemeinschaft eingehalten werden.“
Darüber hinaus unterstrich Parolin die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Pressefreiheit. Vertrauen in die Medien sei unverzichtbar, müsse jedoch von einem Journalismus begleitet werden, der „aufbaut und nicht polarisiert oder zerstört“.
