Am internationalen Holocaust-Gedenktag hat Papst Leo XIV. die unmissverständliche Ablehnung der katholischen Kirche gegenüber jeder Form von Antisemitismus bekräftigt. In einer Botschaft auf der Plattform X rief das Kirchenoberhaupt dazu auf, das Gedenken an die Opfer der Shoah wachzuhalten, und erinnerte an die bleibende Aktualität der Konzilserklärung Nostra Aetate als Fundament für den Einsatz gegen Diskriminierung, Hass und Ausgrenzung.
Päpstliche Stimmen gegen Antisemitismus
In einer Mahnung auf der Social-Media-Plattform X erinnerte Papst Leo XIV. an die bleibende Bedeutung der Konzilserklärung Nostra Aetate. Die katholische Kirche stehe unverrückbar zu ihrer Ablehnung jeder Form von Diskriminierung oder Belästigung aufgrund ethnischer Herkunft, Sprache, Nationalität oder Religion. Mit seiner Botschaft schließt sich Papst Leo den historischen päpstlichen Mahnungen an. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ließ Papst Pius XI. den Entwurf einer Enzyklika gegen den Antisemitismus ausarbeiten, die jedoch aufgrund seines Todes unvollendet blieb. Während des Krieges beklagte Papst Pius XII. in seiner Weihnachtsansprache vom 24. Dezember 1942 das Schicksal von Hunderttausenden Menschen, die „allein aufgrund ihrer Nationalität oder Abstammung dem Tod geweiht sind“.
Mit einem klaren Bezug auf die Deportation und Vernichtung der Juden würdigte Papst Benedikt XVI. im Jahr 2008 die Worte Pius’ XII. Zugleich betonte er, dass Pius XII. vielfach „im Stillen und Verborgenen“ gehandelt habe, um unter den schwierigen historischen Umständen möglichst viele Menschenleben zu retten. Für dieses Engagement erhielt der Papst nach dem Krieg Anerkennung von verschiedenen Persönlichkeiten, darunter auch die israelische Premierministerin Golda Meir. Später jedoch entfachte das Theaterstück Der Stellvertreter eine kontroverse Debatte über die Rolle und Haltung Pius’ XII. während der NS-Zeit, die bis heute nicht abgeschlossen ist.
Erinnerung als Auftrag
Die Erinnerung an die Shoah ist im kirchlichen Gedenken auch eng mit den persönlichen Erfahrungen von Papst Johannes Paul II. verbunden. Der aus Polen stammende Papst bezeichnete 1996 Berlin als das frühere Zentrum der „unmenschlichen Pläne der Konzentrationslager“ und der nationalsozialistischen „Endlösung“. Für seine Generation seien die von dort ausgehenden Verbrechen und die Wunden des Holocaust lebenslang gegenwärtig geblieben.
Prägend für das kollektive Gedächtnis sind zudem die päpstlichen Besuche in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, beginnend mit Johannes Paul II. im Jahr 1979. Bereits 1971 hatte Papst Paul VI. an das Opfer des Franziskaners Maximilian Kolbe erinnert, der in Auschwitz sein Leben für einen Familienvater hingab. Solche Zeugnisse christlicher Nächstenliebe, so betonte Papst Leo XIV., ließen selbst in „finsteren Szenarien“ die Hoffnung auf den Sieg der Liebe über das Böse aufscheinen.
Beim Besuch der Synagoge von Rom im Jahr 2016 mahnte Papst Franziskus, die Shoah lehre die Notwendigkeit „höchster Wachsamkeit“. Die Ermordung von sechs Millionen Juden durch eine barbarische Ideologie, die den Menschen an die Stelle Gottes habe setzen wollen, sei eine bleibende Warnung, frühzeitig für die Verteidigung von Menschenwürde und Frieden einzutreten.
Für Papst Leo XIV. ist das Gedenken am 27. Januar daher kein bloßes Erinnern, sondern ein Appell an das Gewissen jedes Einzelnen. Angesichts eines erneuten Erstarkens von extremem Nationalismus und Hassrede verstehe sich die Stimme des Vatikans weiterhin als wichtiges Korrektiv im Einsatz für die „Geschwisterlichkeit der Menschheitsfamilie“.
