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Kardinal Hollerich beim Karlsamt in Frankfurt: Kein Staat ist „wichtiger“ als ein anderer

Beim traditionellen Karlsamt im Frankfurter Dom hat der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich in einer politisch betonten Predigt die Bedeutung des Völkerrechts und der Gleichheit aller Staaten hervorgehoben. In diesem Zusammenhang verwies er auf aktuelle internationale Konflikte wie den Krieg Russlands gegen die Ukraine sowie auf die umstrittene US-Militäraktion in Venezuela. Zugleich kritisierte er, dass die internationale Rechtsordnung zunehmend infrage gestellt werde, und warnte vor einem Rückfall in Zeiten, in denen „der Stärkere diktiert, was Recht ist“.

Kardinal Hollerich fordert Verteidigung des Völkerrechts

Hollerich betonte eindringlich, dass kein Staat auf der Welt „wichtiger“ sei als andere und es ein internationales Recht gebe, das Gerechtigkeit im Zusammenleben der Staaten gewährleisten müsse. Das bedeute, dass „kein Land das Recht hat, andere Länder zu überfallen“ oder „ein Recht auf die Ölreserven anderer Länder“ zu beanspruchen. Damit bezog sich der Kardinal offenbar sowohl auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine als auch auf Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der mehrfach das Interesse der USA an den venezolanischen Ölvorkommen betont hatte.

Zugleich warnte Hollerich davor, dass die internationale Rechtsordnung derzeit zunehmend infrage gestellt werde. Er stellte die Frage, wie sich dies mit der christlichen Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen vor Gott vereinbaren lasse. „Wo ist da die Gleichheit aller Menschen vor Gott?“, fragte er und gab selbst die Antwort: Als Christ wisse man, dass „alle Menschen von Gott erschaffen, von Gott gewollt und von Christus erlöst sind – alle!“

Der Luxemburger Kardinal betonte zudem, dass jeder Mensch Teil einer internationalen Gemeinschaft sei, und appellierte an die Verantwortung der Politik. Diese müsse „Sorge tragen für das Wohl aller“. Für ihn seien Recht und Gerechtigkeit untrennbar mit der europäischen Friedensordnung verbunden.

Karl der Große als Vorbild für Rechtsstaatlichkeit

Kardinal Hollerich erinnerte daran, dass Kaiser Karl der Große (um 748–814) den Grundstein für den Rechtsstaat gelegt habe. „Wenn die internationale Rechtsordnung infrage gestellt wird, fallen wir zurück in die Zeit zwischen Völkerwanderung und Karl dem Großen“, mahnte der Erzbischof von Luxemburg.

Hollerich, der 2019 von Papst Franziskus zum Kardinal erhoben wurde, gilt als einflussreiche Stimme in der weltweiten Kirche. Bis 2023 leitete er die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE). 2021 wurde er Vizepräsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen und zum Generalrelator der Bischofssynode „Für eine synodale Kirche“ ernannt.

Das Karlsamt, der feierliche Gottesdienst im Bartholomäusdom zu Ehren Karls des Großen, findet in Frankfurt seit 1332 statt. Die katholische Kirche erinnert am letzten Samstag im Januar an den Gründer Europas, der am 28. Januar 814 starb und zugleich Patron der Stadt Frankfurt sowie des Kaiserdoms ist.

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1 Kommentar

  1. Es sollte nie ein Unterschied gemacht werden.
    Egal welcher Staat oder welche Herkunft.
    Welche Hautfarbe oder Welche Sprache.

    Wir sind alles Menschen.

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