StartWeltBischof Meier schlägt Alarm: Schleichende Islamisierung in Syrien?

Bischof Meier schlägt Alarm: Schleichende Islamisierung in Syrien?

Nach seiner viertägigen Solidaritätsreise nach Syrien zeigt sich Bertram Meier, Vorsitzender der Weltkirche-Kommission der Deutsche Bischofskonferenz, tief besorgt über die politische Entwicklung des Landes. Zwar erlebte der Augsburger Bischof eine „kleine, aber profilierte“ christliche Minderheit mit bemerkenswertem Durchhaltewillen, zugleich warnt er vor einer schleichenden Islamisierung und einem gesellschaftlichen Klima, in dem sich Christen zunehmend an den Rand gedrängt fühlen.

Schrumpfende Gemeinschaft und wachsende Unsicherheit

Nach seiner Rückkehr aus Syrien zeichnete Bischof Meier das Bild einer vielschichtigen und widersprüchlichen Situation im Land. Trotz massiver Abwanderung habe er eine Kirche erlebt, die weiterhin „mitten unter den Menschen“ präsent bleiben und wirken wolle. Die harte Realität spricht jedoch eine andere Sprache: Lebten vor Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 noch rund 1,5 Millionen Christen in Syrien, sind es heute nach Schätzungen nur noch etwa 300.000.

Im Zentrum der Gespräche mit Kirchenführern wie dem melkitischen Patriarchen Joseph I. stand die Unsicherheit über den Kurs der neuen Machthaber. Für Meier ist entscheidend, welche Freiräume der christlichen Minderheit in einem Staat bleiben, der nun von einer Bewegung geprägt wird, deren Wurzeln im Islamismus liegen. Zwar betonen Regierungsvertreter ihre Gesprächsbereitschaft gegenüber allen Religionsgemeinschaften, doch berichten Kirchenvertreter zugleich von nicht eingehaltenen Zusagen. Insgesamt, so ihr nüchternes Fazit, habe sich die konkrete Lage der Christen bislang nicht grundlegend geändert.

Sorge vor schleichender Islamisierung

Nach Einschätzung des Augsburger Bischofs bleiben die kirchlichen Selbstorganisationen – insbesondere im Ehe-, Familien- und Erbrecht – von der neuen Regierung bislang unangetastet. Dennoch beschreibt Bischof Meier einen wachsenden kulturellen Spannungsbogen zwischen der vergleichsweise offenen Atmosphäre in Damaskus und dem streng religiös geprägten Idlib, der Herkunftsregion der neuen Führung. In diesem Zusammenhang wachse die kirchliche Besorgnis, ob sich das gesellschaftliche Leitbild Idlibs landesweit durchsetzen könnte.

Beobachter verweisen auf Entwicklungen wie strengere Kleidervorschriften, stärkere Geschlechtertrennung im öffentlichen Raum oder Einschränkungen beim Alkoholausschank. Auch wenn solche Maßnahmen häufig auf lokaler Ebene oder aus Teilen der Gesellschaft heraus angestoßen werden, wertet Meier sie als Signal für einen schleichenden Wandel. Das gesellschaftliche Klima verändere sich spürbar, Minderheiten fühlten sich zunehmend an den Rand gedrängt, warnt er eindringlich. Insgesamt bewege sich die Gesellschaft, so Meier, immer mehr in Richtung einer „islamischen Republik“.

Christen in Syrien zwischen Auswanderung und Durchhaltewillen

Auch wenn kaum einer der Kirchenvertreter an eine Rückkehr der Emigranten glaubt, machte Bischof Meier eine klare Zusage aus Deutschland: „Wir lassen euch nicht allein. Wir sind eine riesige Gebetsgemeinschaft“, verbreitet der Weltkirche-Bischof Hoffnung. Die Verbundenheit zeige sich nicht nur im Gebet, sondern auch in konkreter Unterstützung, etwa durch die Förderung von Schulen oder karitativen Einrichtungen, die mit großer Dankbarkeit angenommen werden.

Wie prekär die Lage tatsächlich ist, wurde ihm bei einem Besuch in Maalula deutlich. Dort begegnete Meier einer christlichen Familie, deren Jugendliche offen ihre Auswanderungspläne schilderten. „Die Christen in Syrien sind eine Elitegruppe – gut ausgebildet, sprachbegabt. Wenn sie gehen, wird die Gesellschaft ausgedünnt“, bewertet er die Situation besorgt.

Wie das Beispiel der Familie zeigt, sei bei den Erwachsenen zwar Trauer über die Entwicklung, zugleich aber auch Durchhaltewillen erkennbar. An die Jugendlichen gewandt äußerte Meier einen Wunsch: „Ich wünsche mir, dass es gelingt, dass die jungen Christen in ihrem Heimatland bleiben und ihm ihr Gesicht geben.“ Auch die Kirchenvertreter äußerten sich geschlossen zur Lage in Syrien und fordern eine gemeinsame Stimme – sowohl innerhalb der Gesellschaft als auch im politischen Dialog.

VERWANDTE ARTIKEL

1 Kommentar

  1. Super schade wenn unser Glaube dort Rückgängig ist, aber Menschen sollten immer dran denken wer für sie in schweren Zeiten da war.
    Allerdings bedenke ich dabei immer das Menschen in Kriegsgebieten oder generell in 3 Ländern, immer einer kleinen Gehirnwäsche unterzogen werden.
    Meist können die Menschen nicht anderst und müssen sich anpassen.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

- Advertisment -

Beliebteste

GodMag

Kostenfrei
Ansehen