Tausende Pilger versammelten sich zur Generalaudienz auf dem Petersplatz. Am Mittwoch nahm Papst Leo XIV. in seiner Katechesenreihe über das Zweite Vatikanische Konzil die dogmatische Konstitution Lumen Gentium in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. In seiner Botschaft blickte der Papst auf das Mysterium, das Geheimnis, der Kirche und beschrieb die Kirche als Sakrament der Einheit und Versöhnung. Dabei betonte der Pontifex, dass das „Geheimnis“ nicht Dunkelheit oder Undurchsichtigkeit bedeute, sondern die Offenbarung von Gottes Plan sei, alle Menschen durch Christus zu vereinen.
Lumen Gentium: Die Kirche als Sakrament
In seiner Ansprache erläuterte Papst Leo XIV. den Begriff des „Geheimnisses“ (mysterium), wie ihn das Zweite Vatikanische Konzil unter Bezug auf den Apostel Paulus verwendet. Dabei betonte er, dass „Geheimnis“ nicht für Undurchsichtigkeit oder Unverständliches stehe. Vielmehr zeige es eine zuvor verborgene Realität, die nun offenbart werde. Ziel dieses göttlichen Plans sei es, alle Menschen durch Christus zu vereinen. „Für den heiligen Paulus ist das Geheimnis die Manifestation dessen, was Gott für die gesamte Menschheit erreichen wollte“, so der Papst, „und es wird in lokalen Erfahrungen bekannt gemacht, die sich allmählich auf alle Menschen und sogar auf den Kosmos ausweiten.“
Ein zentrales Thema von Papst Leo XIV. war die Definition der Kirche als „Sakrament“. In Lumen Gentium beschreibt das Zweite Vatikanische Konzil die Kirche als sichtbares Zeichen und Werkzeug für die Vereinigung mit Gott und für die Einheit der Menschheit. „Die Kirche ist das Geheimnis, das wahrnehmbar wird“, erklärte der Papst. Sie wirke als aktives Zeichen, durch das Gott die Menschen miteinander und mit sich selbst versöhne.
Ekklesía: Zeichen der Einheit
Vor diesem Hintergrund hob Leo XIV. hervor, dass die Menschheit in einem Zustand der Zersplitterung lebe, den sie aus eigener Kraft nicht überwinden könne, obwohl die Sehnsucht nach Einheit in ihren Herzen wohne. Das gemeinsame Feiern des Evangeliums wirke wie eine Anziehungskraft des Kreuzes Christi, der höchsten Manifestation der Liebe Gottes. „Es ist das Gefühl, von Gott zusammengerufen zu sein“, so der Papst. Deshalb verstehe sich die Kirche auch als ekklesía – eine Versammlung der Gläubigen, die erkenne, dass sie gemeinsam zu Gott gehören und auf dem Weg des Glaubens unterwegs sind.
Zum Abschluss seiner Katechese brachte Papst Leo XIV. seine Dankbarkeit dafür zum Ausdruck, dass die Gläubigen Teil des „Leibes des auferstandenen Christus“ sein dürfen. Die Kirche pilgere als Volk Gottes durch die Geschichte und trage den Auftrag, ein „wirksames Zeichen der Einheit und Versöhnung zwischen den Völkern“ zu sein.
Angesichts der gegenwärtigen Spaltung in der Welt sei es wichtiger denn je, dass die Kirche ihrer Berufung als „allumfassendes Heilssakrament“ gerecht werde. Sie solle die Menschen enger mit Christus verbinden und ihnen Teilhabe an seinem Leben ermöglichen. „Die Vereinigung mit Gott spiegelt sich in der Vereinigung der Menschen wider“, erklärte der Papst. Jesus wirke „zur Rechten des Vaters sitzend ununterbrochen in der Welt, um die Menschen durch die Kirche mit sich zu vereinen und sie an seinem Leben teilhaben zu lassen, indem er sie mit seinem Leib und Blut nährt.“
