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Konflikt geht in die nächste Runde – Piusbruderschaft lehnt Dialog mit dem Vatikan ab

Die traditionalistische Priesterbruderschaft des Heiligen Pius X. (SSPX) will trotz klarer Warnungen des Vatikans am 1. Juli neue Bischöfe ohne päpstliches Mandat weihen. Der Heilige Stuhl bezeichnet diesen Schritt als „entscheidenden Bruch“ der kirchlichen Gemeinschaft und droht mit „schwerwiegenden Folgen“ für die Bruderschaft. Einen vom Heiligen Stuhl angebotenen Dialog lehnt die Piusbruderschaft mit Verweis auf unüberbrückbare Differenzen ab.

SSPX und der Vatikan im Streit

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (SSPX) ist eine international aktive, traditionalistische katholische Gemeinschaft, die auf ausschließlich alte Formen des Gottesdienstes beharrt und viele Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnt. Am 2. Februar gab die SSPX bekannt, dass sie am 1. Juli ohne päpstliches Mandat neue Bischöfe weihen will.

Der Vatikan warnte, dass die geplanten Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat einen „entscheidenden Bruch“ der kirchlichen Gemeinschaft darstellen und „schwerwiegende Folgen“ für die SSPX haben könnten. Die Erinnerung an die Krise von 1988 wird dadurch wieder wach: Damals konsekrierte Erzbischof Marcel Lefebvre vier Bischöfe ohne Zustimmung von Papst Johannes Paul II., was zu deren Exkommunikation führte. Papst Benedikt XVI. hob 2009 die Exkommunikationen der überlebenden Bischöfe als Zeichen der Versöhnung auf. Zwar räumte Papst Franziskus den Priestern der Bruderschaft unter bestimmten Bedingungen sakramentale Befugnisse ein, ihr offizieller Status in der Kirche bleibt jedoch unklar.

Heiliger Stuhl bereitet Bruderschaft Dialogangebot

Am vergangenen Donnerstag empfing Kardinal Víctor Manuel Fernández Pater Davide Pagliarani, den Generaloberen der SSPX, überraschend im Vatikan. Dabei schlug der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre einen klar strukturierten theologischen Dialog vor, der offene Fragen klären soll. Dazu gehörten etwa der Unterschied zwischen persönlichem Glaubensakt und „religiöser Ehrerbietung des Verstandes und des Willens“ sowie die unterschiedlichen Grade der Zustimmung zu den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils. Zugleich bot Fernández an, die in einem Brief der SSPX von Januar 2019 aufgelisteten Themen zu behandeln. Ziel des vorgeschlagenen Dialogs sei es, ein Mindestmaß an Übereinstimmung zu erreichen, das für die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche notwendig ist, und auf dieser Basis ein kanonisches Statut für die Bruderschaft zu entwickeln, heißt es in der offiziellen Mitteilung des Vatikans.

Zugleich bekräftigte der Vatikan, dass die Weihe von Bischöfen ohne Zustimmung des Papstes einen „entscheidenden Bruch“ der kirchlichen Gemeinschaft darstellen und schwerwiegende Folgen für die SSPX haben würde. Der Heilige Stuhl erinnerte zudem daran, dass allein der Papst über die höchste, universale und unmittelbare Vollmacht in der Kirche verfügt. Ein theologischer Dialog mit der Bruderschaft sei nur möglich, wenn die angekündigten Bischofsweihen zunächst ausgesetzt werden.

SSPX lehnt Dialog ab und drängt auf eigene Bischofsweihen

Nach Beratungen des fünfköpfigen Generalrats der SSPX wies Generalobere Davide Pagliarani in einem Brief vom 18. Februar das Dialogangebot von Kardinal Víctor Manuel Fernández zurück. Zwar begrüßte Pagliarani grundsätzlich die Einladung zu einer „lehrmäßigen Diskussion“ und verwies darauf, dass er selbst bereits 2019 ein solches Gespräch angeregt hatte. Gleichzeitig machte er jedoch deutlich, dass weder die Perspektive noch die Ziele des Dikasteriums in der aktuellen Situation akzeptabel seien – dies gelte auch für die von Fernández vorgeschlagene Verschiebung der geplanten Bischofsweihen am 1. Juli.

In dem Schreiben betont Pagliarani zudem: „Wir beide wissen im Voraus, dass wir uns auf lehrmäßiger Ebene nicht einigen können, insbesondere bezüglich der grundlegenden Orientierungen, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeschlagen wurden.“ Er machte deutlich, dass sich der Dissens durch die theologischen und pastoralen Entwicklungen der vergangenen Pontifikate noch verschärft habe. Nach Jahren des Schweigens habe der Vatikan erst mit der Ankündigung neuer Bischofsweihen die Wiederaufnahme eines Dialogs angeboten. Zugleich kritisierte der Generalobere, dass „die ausgestreckte Hand der Dialogbereitschaft“ leider von „einer anderen Hand, die schon bereit ist, Sanktionen zu verhängen“, begleitet werde. Die Androhung eines Schismas übe Druck aus, der kaum mit einem ernsthaften Wunsch nach brüderlichem Austausch und konstruktivem Dialog vereinbar sei.

Am Ende seines Schreibens bittet Pagliarani den vatikanischen Glaubenspräfekten, die geplanten Bischofsweihen der SSPX doch zu genehmigen. Die Bruderschaft wolle damit vor allem ihre Seelsorge fortsetzen und die Gläubigen weiterhin mit den Sakramenten versorgen, betont der Generalobere. Die Weihen seien ein dringendes, kurzfristiges Mittel zum Erhalt der eigenen Tradition im Dienst der katholischen Kirche. Pagliarani beschreibt dies als einzigen gangbaren „Weg der Nächstenliebe“ angesichts der aktuellen Situation.

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