Nur wenige Tage nach dem Palmsonntagsmassaker in Jos, bei dem mindestens 30 Christen getötet wurden, erschütterten neue, koordinierte Angriffe am Osterwochenende mehrere Bundesstaaten Zentralnigerias. In Benue, Kaduna und Nasarawa berichteten Gemeinden von Tod, Entführungen und weitreichender Zerstörung. Die Gewalt verdeutlicht erneut die anhaltende Bedrohung christlicher Gemeinden in der Region.
Kirchen und Dörfer angegriffen und zerstört
Die Angriffe auf Christen während der Karwoche haben in Nigeria erneut Entsetzen ausgelöst. Shawn Wright, Präsident der Hilfsorganisation International Christian Concern (ICC), erklärte am Ostermontag: „Dutzende unserer Brüder und Schwestern wurden getötet, während sie des Opfers Christi am Kreuz gedachten und die Hoffnung seiner Auferstehung feierten. Wir beten für die Überlebenden und die Familien, die ein unfassbares Leid erfahren.“
Im Bundesstaat Benue kam es am frühen Morgen des Ostersonntags zu einem verheerenden Überfall auf die Gemeinde Mbalom im Gwer-East-Distrikt. Bewaffnete drangen vor Tagesanbruch ins Dorf ein, eröffneten das Feuer auf Zivilisten und setzten Häuser in Brand. Mindestens 17 Menschen verloren dabei ihr Leben, wie sowohl The Pillar als auch die ICC berichten. Überlebende flohen in nahegelegene Buschgebiete, während weitere Leichen in der Umgebung entdeckt wurden.
Auch im Bundesstaat Kaduna wurden Gläubige am Ostersonntag Opfer von Gewalt. In Ariko richteten Angreifer zunächst ihre Schüsse auf eine Kirche der Evangelical Church Winning All (ECWA) und anschließend auf eine benachbarte Kirche des Heiligen Augustinus, wobei weitere Todesopfer und Entführungen gemeldet wurden.
Lage nach Angriffen in Kaduna weiter unübersichtlich
Noch Tage später bleibt die Situation nach den Angriffen auf zwei Kirchen im Dorf Ariko im Bundesstaat Kaduna unübersichtlich. Meldungen zu Opferzahlen und über die Freilassung von entführten Christen gehen weit auseinander. Unmittelbar nach dem Vorfall meldeten die Behörden fünf Tote, später korrigierte ein lokaler Kirchenvertreter die Zahl auf sieben. Auch über den Verbleib der Geiseln herrscht Unsicherheit: Während die nigerianische Armee von der Befreiung von 31 Verschleppten berichtete, widersprechen Anwohner diesen Angaben. Ein Gemeindevorsteher erklärte gegenüber BBC Africa, dass nach aktuellem Kenntnisstand alle Entführten weiterhin in der Gewalt der Angreifer seien.
Die Region Kaduna ist seit Jahren von Gewalt geprägt. Bewaffnete Gruppen überfallen regelmäßig Dörfer, wobei Entführungen zur Lösegelderpressung und gezielte Tötungen häufige Folgen sind. Hintergrund der Konflikte ist ein komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren: Religiöse und ethnische Spannungen führen immer wieder zu Zusammenstößen zwischen überwiegend muslimischen Gemeinschaften und christlichen Bauern, während Streit um Weideflächen und Landrechte – insbesondere zwischen Fulani-Hirten und sesshaften Bauern – die Lage zusätzlich befeuert. Hinzu kommen kriminelle Aktivitäten bewaffneter Banden, die unabhängig von ideologischen Motiven agieren.
