Nach den schweren russischen Bombardierungen auf Ternopil zwischen dem 18. und 19. November haben die katholischen Bischöfe der Ukraine ihr Jahrestreffen unterbrochen, um den Überlebenden und Hinterbliebenen beizustehen. Gemeinsam mit dem apostolischen Nuntius Visvaldas Kulbokas reisten sie an die Schauplätze der Zerstörung, beteten mit den Angehörigen der Opfer und hörten erschütternde Berichte der Verletzten. Der Nuntius sprach gegenüber den vatikanischen Medien von einer „Pilgerfahrt der Umarmung“ zu den Ärmsten der Armen.
Bewegende Momente in Ternopil
Während ihres Treffens im Marienwallfahrtsort Sarwanyzja reisten die katholischen Oberhirten des lateinischen und griechisch-katholischen Ritus in die Regionalhauptstadt Ternopil. Die Stadt, die rund 800 Kilometer von der Frontlinie entfernt liegt, wurde zwischen dem 18. und 19. November Opfer eines brutalen russischen Angriffs. Die Bischöfe besuchten das Kriegsgebiet, um den Opfern beizustehen und Trost zu spenden.
Besonders Erzbischof Visvaldas Kulbokas berichtete von berührenden Momenten und zeichnete das dramatische Bild der Region. Die Bischöfe beteten an den Orten, an denen Menschen ihr Leben verloren, und hörten die erschütternden Geschichten von Schwerverletzten, viele mit Brandwunden, entstellten Gesichtern oder Erblindungen. „Wir haben die Opfer und Überlebenden umarmt, das war für uns eine wahre Pilgerfahrt“, sagte der Nuntius. In diesem Zusammenhang verwies er auf das Apostolische Schreiben „Dilexi te“ von Papst Leo XIV., das die Bedeutung der Umarmung eines Armen mit der Umarmung des Herrn gleichsetzt.
Besonders bewegend war die Begegnung mit einer Großmutter, die das Foto ihres bei dem Angriff getöteten Enkels hielt. Kulbokas betete für ihn und den trauernden Vater.
Die Angriffe seien brutal gewesen, schilderte der Apostolische Nuntius gegenüber den vatikanischen Medien. Viele Opfer seien nicht durch die Explosion selbst gestorben, sondern durch die durch Raketen entfachten Brände in den Häusern. Gleichzeitig berichtete der Nuntius von einem kleinen Wunder, denn ein junger Mann namens Bohdan überlebte, weil er sich beim Einsturz des Gebäudes in der Nähe eines Kühlschranks befand, der ihm Schutz und Luft verschaffte. Nur dank der täglichen Schweigeminute um 9 Uhr morgens konnten die Rettungskräfte in der Stille seine Hilferufe wahrnehmen.
Nuntius ruft zu Frieden und Gebet auf
Angesichts der anhaltenden Angriffe, darunter zwei heftige Angriffswellen auf Kiew mit Toten und Verletzten, betonte Erzbischof Kulbokas die Bedeutung diplomatischer Bemühungen zur Beendigung des Krieges. Ebenso erinnerte er auch an die Worte von Johannes Paul II., der einen Waffenstillstand als Chance sah, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen und den Verantwortlichen Zeit zur Reflexion zu geben.
Gleichzeitig machte Kulbokas deutlich, dass echte Lösungen nur möglich seien, wenn die Wurzel des Konflikts erkannt wird. Zugleich machte er deutlich, dass Schuldige die Schwere ihrer Taten verstehen und offen für Umkehr und Barmherzigkeit sein müssen. Abschließend appellierte er: Menschliche Anstrengungen allein genügen nicht, um den Krieg zu stoppen. „Es braucht die Gnade des Herrn. Deshalb bestehe ich darauf: Beten wir gemeinsam.“
