Bischof Mark Maigida Nzukwein warnt in einem Interview anlässlich einer Protestaktion seiner Diözese Wukari davor, dass die anhaltenden Angriffe auf Christen als Völkermord verstanden werden könnten. In diesem Zusammenhang beschrieb er das Wiederaufleben der Gewalt im Süden des nigerianischen Bundesstaates Taraba als „vorsätzliche“ und „organisierte“ Ermordung von Christen. Weiter kritisierte er, dass die Gewalt durch bewaffnete Fulani-Milizen gezielt christliche Gemeinden treffe, Lebensgrundlagen zerstöre und oft ungestraft bleibe.
Gezielte Gewalt gegen Christen in ganz Nigeria
Am Rande einer vom Klerus der Diözese Wukari organisierten Protestaktion betonte Bischof Mark Maigida Nzukwein, dass die anhaltenden Morde an Christen in seiner Region als Völkermord bezeichnet werden könnten. „Für mich handelt es sich um eine systematische und vorsätzliche Ermordung von Christen, nicht nur in meiner Diözese, sondern landesweit“, erklärte der Bischof gegenüber ACI Africa, der Partneragentur von CNA Deutsch. Nach seiner Einschätzung erfüllt die Lage die Definition von Völkermord als gezielte und organisierte Auslöschung einer bestimmten Gruppe.
Nach Angaben von Bischof Nzukwein ist die Zerstörung von Leben und Lebensgrundlagen gezielt geplant. Das Hauptziel seien Christen. Wenn Nicht-Christen von Angriffen betroffen seien, sei dies als Kollateralschaden zu bewerten. „Der organisierte Plan richtet sich gezielt gegen Christen und ihre Gemeinden in ganz Nigeria“, betonte er.
Protestaktion infolge ungestrafter Überfälle
Als Ursachen machte der Bischof die frühen 2000er Jahre verantwortlich. Dabei erklärte er, dass sich der Süden von Taraba seit 2001 in einer „ständigen Krise“ befinde. Die aktuelle Gewaltwelle bezeichnete er jedoch als besonders verheerend. Immer wieder stürmen bewaffnete Fulani-Milizen ungestraft in Dörfer ein, vertreiben große Teile der Bevölkerung, zerstören Felder, rauben Ernten für ihre Herden und übernehmen Häuser, Kirchen sowie Priesterwohnungen, beklagte der Bischof.
Er räumte zwar ein, dass Sicherheitsbehörden und die Landesregierung versucht hätten einzugreifen, kritisierte jedoch deren Reaktion als unzureichend. Die ergriffenen Maßnahmen stünden in keinem Verhältnis zur Gewalt gegen das Volk, prangerte Nzukwein an. Fast täglich würden Menschen getötet, und es gebe keine ernsthaften Sicherheitsvorkehrungen, zeichnete er ein düsteres Bild.
Die Protestaktionen, betonte er, seien aus Frustration über jahrelange Untätigkeit der Regierung entstanden. „Wir haben keine andere Wahl, als auf die Straße zu gehen und zu protestieren, weil es zu einem Punkt gekommen ist, an dem nichts mehr passiert“, verdeutlichte er die angespannte Lage in Nigeria.
Eindringlicher Appell: Die Regierung muss aufwachen
In einer Botschaft an die Behörden erinnerte Bischof Nzukwein die Regierung an ihre verfassungsmäßige Pflicht, Leben und Eigentum zu schützen. „In einem demokratischen System, das Freiheit und das Recht auf Leben garantiert, ist es erschreckend, dass die Zivilbehörden ihre Verantwortung offenbar nicht wahrnehmen. Die Regierung muss aufwachen“, mahnte er.
Maigida warnte zugleich vor den möglichen Folgen weiterer Untätigkeit: „Man darf die Bevölkerung nicht so weit treiben, dass sie das Gefühl bekommt, die Regierung habe keine Kontrolle mehr über das Land.“
Er forderte dringend staatliche Hilfe für die vertriebenen Menschen in Taraba, etwa mit Lebensmitteln, Unterkünften, medizinischer Versorgung und Bildung für Kinder, die derzeit nicht zur Schule gehen können. „Das Leid ist groß. Bleibt die Unterstützung aus, wird die Regierung das Vertrauen der Bevölkerung verlieren“, warnte er. Trotz des Ausmaßes der Gewalt betonte Maigida, dass der Glaube der Christen in seiner Diözese ungebrochen bleibe: „Sie geben die Hoffnung nie auf; dies sind Menschen, die an die Auferstehung glauben.“
