Zum dritten Mal beginnt das Schuljahr im Gazastreifen nicht wie gewohnt. Für Hunderttausende Kinder bedeutet das den anhaltenden Verlust ihres grundlegenden Rechts auf Bildung, warnen UN und Kirche. Die Vereinten Nationen schlagen angesichts der katastrophalen Lage im Bildungssektor Alarm: Zerstörte Schulen, geschlossene Klassenzimmer und ein zum Erliegen gekommener Unterricht bedrohen die Zukunft einer ganzen Generation, mahnt UN-Sprecher Stéphane Dujarric und fordert sofortige Maßnahmen. Auch der Lateinische Patriarch, Kardinal Pierbattista Pizzaballa ruft eindringlich zum Schutz der Kinder auf und warnt davor die Hoffnung zu verlieren.
UN fordern Schutz des Rechts auf Bildung in Gaza
Kurz vor dem Schulstart in Gaza warnten die Vereinten Nationen eindringlich vor den Folgen des anhaltenden Krieges im Gazastreifen für die Bildungschancen palästinensischer Kinder. Zum dritten Mal in Folge können Schülerinnen und Schüler im Gazastreifen zum Schuljahresbeginn nicht in ihre Klassenzimmer zurückkehren. „Das neue Schuljahr steht vor der Tür, doch für die Kinder in Gaza wird es keine Rückkehr in die Schulen geben“, erklärte UN-Sprecher Stéphane Dujarric am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in New York. Bildung sei jedoch ein Grundrecht – und kein Kind sollte davon ausgeschlossen werden. Angesichts der dramatischen Lage appellierte Dujarric an alle Konfliktparteien und die internationale Gemeinschaft, das Recht der Kinder auf Bildung zu schützen und sofortige Maßnahmen zur Wiederherstellung des Schulbetriebs zu ergreifen. Die Krise, so der Sprecher weiter, könnte die Zukunft einer ganzen Generation bedrohen.
„Mit tiefem Schmerz erfüllt uns, dass unsere Kinder dort ihres Rechts auf Bildung beraubt sind“, so der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, in seiner emotionalen Botschaft an Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer der katholischen Schulen. Ihre Schulen sind zerstört, ihre Klassenzimmer geschlossen, klagt der Kardinal und erklärt: „Wir tragen sie im Gebet, in der Hoffnung, dass bald Frieden herrscht.“
Kardinal Pizzaballa: Bildung in Schulen ein „heiliger Auftrag“
Während im übrigen Heiligen Land zehntausende christliche und muslimische Schülerinnen und Schüler ins neue Schuljahr starten, herrscht für die Kinder im Gazastreifen weiter Stillstand – der Unterricht bleibt ausgesetzt. Der Lateinische Patriarch unterstrich in diesem Zusammenhang die besondere Rolle kirchlicher Bildungseinrichtungen. In Zeiten der Not, so Pizzaballa, müssten die Schulen der Kirche Orte des Dialogs, der Zuversicht und des Miteinanders sein. „Unsere Schulen sind berufen, Häuser des Lernens, der Begegnung und des Dialogs zu bleiben – Felder, die Frieden säen, die Würde schützen und jedem Schüler die Türen zur Zukunft öffnen, unabhängig von seiner Herkunft“, betonte der Patriarch.
Zugleich dankte er den Lehrkräften, Ordensleuten und Mitarbeitenden, die trotz der großen Herausforderungen im Heiligen Land an ihrer Aufgabe festhielten. Durch ihr Engagement werde deutlich, dass Bildung in den Schulen der Kirche „kein bloßer Beruf, sondern ein heiliger Auftrag“ sei. Würdigende Worte fand er auch für die Eltern der Kinder, die für deren Zukunft unersetzlich seien. Sie legten den Grundstein für Werte und Verantwortung, die die Schulen vertiefen. Die Kinder und Jugendlichen sollten auch in Zeiten der Unsicherheit die Hoffnung bewahren und sich von der Einsatzbereitschaft prägen lassen, appellierte Pizzaballa.
Im Gazastreifen sind nach Angaben der Vereinten Nationen über 90 Prozent aller Schul- und Hochschulgebäude durch israelische Angriffe beschädigt oder zerstört worden. Wie eine UN-Untersuchungskommission im Juni 2025 mitteilte, konnten seit Beginn der Kampfhandlungen mehr als 650.000 Kinder keinen regulären Unterricht mehr erhalten. Der Bildungsbetrieb in der Region sei faktisch zum Erliegen gekommen.