Mit einer Ausstellung im norditalienischen Pordenone haben die Gedenkfeierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Benedikt XVI. begonnen. Unter dem Titel „An Benedikt XVI. erinnern. Auf dem Weg zum 100. Geburtstag“ zeichnet die Ausstellung im Diözesanmuseum für Sakralkunst ein menschlich-intellektuelles Porträt des 2022 verstorbenen Papstes. Begleitet wird die Ausstellung, die in der deutschen Botschaft vorgestellt wurde, von Vorträgen und Debatten zur Theologie Joseph Ratzingers.
Erinnerungsstücke und intellektuelles Porträt
Anlässlich des 100. Geburtstags von Benedikt XVI. sind in den kommenden Monaten weitere Veranstaltungen geplant – unter anderem an seinem Geburtsort Marktl am Inn sowie in Passau. Den Auftakt bildet die Ausstellung im norditalienischen Pordenone, die zentrale Stationen seines Lebens und Wirkens beleuchtet.
Gezeigt werden dort unter anderem Kelche, Paramente und persönliche Kleidungsstücke des 2013 zurückgetretenen Papstes, die er testamentarisch dem Ratzinger-Studienzentrum im polnischen Bydgoszcz vermacht hat. Zu den besonderen Ausstellungsstücken zählen die mit Hermelin besetzte rote Mozetta, die Benedikt XVI. bei winterlicher Kälte im Vatikan trug, sowie seine maßgefertigten roten Schuhe aus Rom.
Doch die Schau versteht sich nicht als reine Sammlung von Erinnerungsstücken. Vielmehr will sie ein menschlich-intellektuelles Porträt Joseph Ratzingers zeichnen und sein Denken neu ins Gespräch bringen – als Theologe, Papst und „großer Europäer“. Unter dem Titel „An Benedikt XVI. erinnern. Auf dem Weg zum 100. Geburtstag“ („Ricordando Benedetto XVI. Verso il centenario della nascita“) ist die Ausstellung vom 21. Februar bis 12. April im Diözesanmuseum für Sakralkunst zu sehen.
Die Präsentation verbindet chronologische Wegmarken mit persönlichen Einblicken. Fotografien, Kunstwerke, ein Videodokumentarfilm sowie liturgische Gewänder und private Gegenstände zeichnen den Lebensweg Ratzingers nach, dessen 100. Geburtstag am 16. April 2027 begangen wird. „Wir wollen ein langes und intensives Leben des Menschen darstellen – Priester, Professor, Bischof, Kardinal, Papst und emeritierter Papst“, sagt Luca Caruso von der Stiftung „Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.“ gegenüber den Vatikanmedien.
Papst Benedikt XVI.: Auf den Spuren des „Theologenpapstes“
Ratzingers Botschaft und sein wissenschaftliches Werk hätten sich „an die ganze Welt“ gerichtet, betont Luca Caruso. Seine Überlegungen seien weit über die Theologie hinausgegangen und hätten sich auch mit Fragen von Gesellschaft, Europa, Geschichte und dem Phänomen des Relativismus auseinandergesetzt. Die Ausstellung solle daher „ein Anstoß sein, die Aufmerksamkeit“ neu auf das Denken von Benedikt XVI. zu lenken und das Interesse wecken, einzelne Aspekte seines umfangreichen Werkes weiter zu vertiefen.
Bei der Präsentation zeichnete zudem Giovanni Maria Vian, Historiker und emeritierter Direktor des L’Osservatore Romano, ein differenziertes Profil des deutschen Pontifex. Der Großteil der ausgestellten Exponate stammt aus der Stiftung „Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.“ sowie aus dem Ratzinger-Studienzentrum im polnischen Bydgoszcz. Einen besonderen Blick wirft der Leiter des Studienzentrums, Mariusz Kucinski, auf die berühmten roten Schuhe. Diese hätten einen Auftrag, so Kucinski. Benedikt XVI. würde sagen: „Schau, ich habe diesen Weg genommen. Dieses Symbol für meinen Weg überlasse ich euch, diesem Teil Europas: Tragt es weiter, zieht diese Schuhe an und tragt weiter, was ich gelehrt habe. Ihr seid Teil desselben Einsatzes für das Evangelium.“
Würdigend äußert sich auch der deutsche Botschafter Bruno Kahl über Benedikt XVI. In seinem Vorwort zum Ausstellungskatalog bezeichnet er den früheren Papst als „großen Europäer“. Gegenüber den Vatikanmedien hebt Kahl hervor, Benedikt sei weit über kirchliche Kreise hinaus ein respektierter und geschätzter Gesprächspartner gewesen – auch für säkulare Intellektuelle.
Der „Theologenpapst“ habe gezeigt, dass selbst bei tiefgreifenden weltanschaulichen oder intellektuellen Gegensätzen eine vernunftgeleitete Auseinandersetzung zu tragfähigen Ergebnissen und damit letztlich auch zum Frieden führen könne. Von Benedikt XVI. könne man deshalb bis heute viel lernen.
