Zum dritten Todestag von Papst Benedikt XVI. haben am 30. Dezember und am Silvesterabend im Vatikan zwei Gedenkmessen stattgefunden. Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Präfekt der Glaubenskongregation, feierte im Petersdom eine Messe in englischer Sprache am Cathedra-Altar, während am Todestag selbst der Schweizer Kardinal Kurt Koch eine deutschsprachige Messe in den Vatikanischen Grotten unweit des Grabes Papst Benedikts leitete. Hunderte Gläubige erinnerten sich dabei an das Leben und Wirken des deutschen Papstes, der 2022 im Alter von 95 Jahren verstorben war.
Benedikt XVI.: Großer Theologe und „Diener des Wortes“
Hunderte Gläubige nahmen am Dienstagabend an einer Gedenkmesse für Papst Benedikt XVI. am Cathedra-Altar des Petersdoms teil. Joseph Ratzinger, der von 2005 bis zu seinem Rücktritt 2013 als Bischof von Rom das Oberhaupt der katholischen Kirche war, verstarb am 31. Dezember 2022 im Alter von 95 Jahren im Vatikan – neun Jahre nach seinem Rücktritt. „Seine Theologie ist ein Geschenk an die ganze Kirche, auch an die kommenden Generationen“, sagte Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der emeritierte Präfekt der damaligen Glaubenskongregation, in seiner auf Englisch gehaltenen Predigt über Benedikt XVI. Der Verstorbene sei „einer der größten Theologen auf der Cathedra Petri“ gewesen, ein lebenslanger „Diener des Wortes“.
Müller würdigte Benedikt XVI. als herausragenden Theologen und „Mitarbeiter der Wahrheit“. Sowohl in seiner Lehrtätigkeit als Professor der Theologie als auch als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre habe er Maßstäbe intellektueller Präzision, Sorgfalt und Integrität gesetzt. Selbst während seines Pontifikats habe er die Kirche mit profundem theologischen Wissen geprägt und ein umfassendes geistiges Werk hinterlassen. Kardinal Müller, Herausgeber der Gesammelten Schriften Joseph Ratzingers/Benedikts XVI., betonte in seiner Predigt, dass das Christentum keine bloße Theorie oder Kulturleistung sei, sondern die Begegnung mit Jesus Christus. „Joseph Ratzinger hat uns immer wieder neu aufmerksam gemacht, dass das Christentum mit all seinen großartigen kulturellen Leistungen in Soziallehre, Musik und Kunst, Literatur und Philosophie keine Theorie und keine Weltanschauung ist, sondern die Begegnung mit einer Person“, so Kardinal Müller wörtlich. Benedikt XVI. habe immer wieder daran erinnert, dass das Christentum das Leben selbst transformiere und Orientierung gebe.
Gedenkmesse mit früheren Weggefährten
Weiter bezeichnete der Kardinal den verstorbenen Benedikt XVI. als einen der bedeutendsten katholischen Intellektuellen seiner Zeit. Selbst Philosophen wie Jürgen Habermas, Vertreter der Frankfurter Schule, suchten den Dialog mit ihm, um gemeinsam mit Gläubigen über die Herausforderungen der modernen Welt zu diskutieren und ethische Fragen rund um Antihumanismus und Transhumanismus zu reflektieren, erinnerte er in der Gedenkmesse zum dritten Todestag. Die Messfeier konzelebrierten mehrere Dutzend Priester, darunter Benedikts ehemaliger Sprecher Federico Lombardi SJ.
Für die musikalische Gestaltung sorgte festliche Begleitung, unter anderem erklang das Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“ auf Deutsch – ganz im Geist des verstorbenen Papstes. Unter den Gläubigen in der Apsis von St. Peter waren auch Weggefährten aus Benedikts Pontifikat anwesend, unter anderem sein früherer Reisemarschall Alberto Gasbarri.
