Vor dem Hintergrund eskalierender weltweiter Krisen und zunehmender Gewalt hat die Ständige Vertretung des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf am Mittwochabend rund 300 Diplomaten, Botschafter und Religionsvertreter zu einem interreligiösen Friedensgebet in der Kirche St. Nikolaus von Flüe versammelt. Unter dem Leitmotiv von Papst Leo XIV. zum Weltfriedenstag 2026 – „Der Friede sei mit euch allen: Auf dem Weg zu einem ‚unbewaffneten und entwaffnenden‘ Frieden“ – mahnte der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, zu Hoffnung und Gerechtigkeit inmitten globaler Kriege.
Kardinal Pizzaballa mahnt: Frieden ohne Gerechtigkeit ist illusorisch
Ein besonderer Höhepunkt des Abends war die Anwesenheit des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, der direkt aus dem Heiligen Land angereist war. In eindringlichen Worten zeichnete er ein realistisches Bild der Konfliktsituation in seiner Diözese: „Den Frieden aufzugeben würde bedeuten, den Krieg als ‚normale Sprache‘ in menschlichen und internationalen Beziehungen zu akzeptieren“, warnte Pizzaballa. Er mahnte zu einer „anspruchsvollen Hoffnung“ und betonte, dass Waffenstillstände allein nicht ausreichten. Dazu sagte der Patriarch wörtlich: „Es gibt keinen dauerhaften Frieden ohne Gerechtigkeit – aber es gibt keine wirkliche Gerechtigkeit, solange der Andere nicht als Person, sondern nur als Werkzeug oder Hindernis wahrgenommen wird.“
Entwaffnender Frieden als Schlüssel zu globaler Stabilität
Den Ernst der globalen Lage unterstrich auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Vizepräsident Giles Carbonnier übermittelte eine Botschaft der Präsidentin Mirjana Spoljaric und wies auf alarmierende Zahlen hin: Weltweit gibt es derzeit 130 aktive bewaffnete Konflikte – doppelt so viele wie noch vor 15 Jahren. Carbonnier betonte die zentrale Rolle des humanitären Völkerrechts: „Wenn es 100 Schritte zum Frieden gibt, sind die ersten humanitär. Das Völkerrecht rettet Leben und sichert Wege zurück zum Frieden, indem es zeigt, dass Menschlichkeit nicht endet, wenn der Krieg beginnt.“
Erzbischof Ettore Balestrero, päpstlicher Nuntius und Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls in Genf und Gastgeber des Abends, erinnerte an die Worte von Papst Leo XIV. und plädierte für einen „entwaffnenden Frieden“ als Gegenmodell zur weltweiten Gewaltspirale. Ein solcher Friede „siegt ohne Eroberung und bereitet nicht auf Schlachten vor, sondern auf Versöhnung und Zusammenarbeit“, erklärte Balestrero. Gleichzeitig appellierte er an die anwesenden Diplomaten, der „Bewaffnung“ von Gedanken und Worten zu widerstehen und so ein Klima des Friedens aktiv zu fördern.
