StartGlaubenKardinal Müller: Kirche ist letzte glaubwürdige Moralinstanz

Kardinal Müller: Kirche ist letzte glaubwürdige Moralinstanz

Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat vor einem liberalen Staat gewarnt, der seine weltanschauliche Neutralität aufgebe und sich selbst zur moralischen Instanz erhebe. In einem Interview kritisierte Müller eine technokratische Entwicklung, bei der politische und wissenschaftlich etikettierte Ideologien ethische und religiöse Fragen dominieren, und sieht dadurch Freiheit, Demokratie und die Legitimation staatlichen Handelns gefährdet.

Moralische Leitplanken in einer technokratischen Welt

Mit Blick auf aktuelle technologische und wirtschaftliche Entwicklungen kritisierte Kardinal Müller, bis 2017 Präfekt der Glaubenskongregation, eine neue Form sozialer Ungleichheit. Müller warnte vor einer neuen „Klassentheorie“, nach der Wohlhabende und Mächtige ein höheres Lebensrecht für sich beanspruchen. Effizienz und Profit dürften dabei nicht über die Würde des einzelnen Menschen gestellt werden, betonte der Kardinal. Technik, so der deutsche Kardinal eindringlich, müsse dem Menschen dienen und nicht umgekehrt.

Kardinal Müller widersprach der Vorstellung, technischer Fortschritt führe automatisch zu moralischem Fortschritt. Moralisches Handeln hänge „immer vom einzelnen Menschen ab“, betonte er. Technik sei auf Ethik angewiesen, jedes Mittel könne missbraucht werden. Vor diesem Hintergrund fragte Müller provokant: „Wer definiert in einer Welt der technokratischen Vorherrschaft einiger Selbst-Auserwählter, was gut und böse ist?“

Nach katholischer Lehre seien die meisten Menschen durch ihr Gewissen zum Guten befähigt. Der Rückgang religiöser Orientierung begünstige jedoch „eine neue Art von Staatsomnipotenz“. Müller sprach vom „postdemokratischen Zeitalter“, in dem Politiker zunehmend die Deutung des Lebenssinns beanspruchen.

Moral und Ethik: Kardinal nimmt Staat in die Pflicht

Kardinal Müller kritisierte, dass ein staatlich erklärter religiös-neutraler Rechtsstaat sich oft in ethische und moralische Fragen einmische, obwohl ihm dazu weder Legitimation noch Kompetenz zustehe. Nach Müllers Ansicht überschreite die Politik diese Grenze zunehmend. Dies geschehe für ihn besonders deutlich in der staatlichen Ehegesetzgebung. Ein demokratischer, weltanschaulich neutraler Rechtsstaat dürfe sich nicht in private Lebensformen einmischen, etwa wenn zwei Männer zusammenleben, als wären sie Mann und Frau, betonte der Kardinal. Gleichzeitig habe der Staat niemandem seine eigene Definition von Ehe aufzuzwingen.

Zugleich kritisierte er einen Liberalismus, der moralische Freiheit mit Profitmaximierung gleichsetze, und forderte generationenübergreifende Verantwortung: „Wir können nicht noch mehr Schulden zulasten der Enkel machen.“

Müller sprach sich für ein volksnahes Christentum aus und warnte vor „Superchristen“ in abgeschotteten Milieus. Dabei warnte er vor einem bloßen Kulturchristentum ohne gelebten Glauben, das er für unzureichend hält. Ohne Gott gebe es keine tragfähige Moral, warnte der Kardinal: „Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt.“ Ein reduziertes Christentum könne nur neue Götzen hervorbringen, so Müller weiter. Historisch habe man beispielsweise Hitler „zum Messias gemacht“.

Heute sei der Papst mit seiner Kirche weltweit „die einzige moralische Instanz, die glaubwürdig ist“. Müller erwartet von der Kirche neue sozialethische Impulse, etwa im Umgang mit Künstlicher Intelligenz und zunehmender Machtkonzentration.

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