Bei der Eröffnung einer neuen Dialyseabteilung im römischen Kinderkrankenhaus Ospedale Pediatrico Bambino Gesù hat Pietro Parolin die Organspende als „höchste Form der christlichen Nächstenliebe“ bezeichnet. Der Kardinalstaatssekretär würdigte sie als Akt der Liebe, der den Tod überwindet. Mit der Eröffnung der modernen Dialysestation erhalten viele junge Patienten eine lebensnotwendige Behandlung, die das Warten auf das „größte aller Geschenke“ – das Spenderorgan – überbrückt.
Organspende – ein Akt der Liebe, der den Tod überwindet
In seiner Ansprache anlässlich der Eröffnung der Dialysestation hob Kardinal Parolin drei Formen des Gebens hervor: finanzielle Spenden, Organspende und das Geschenk der Zeit, das in der schnelllebigen Welt häufig übersehen wird. Die Organspende, so der Kardinal, sei ein Akt der Liebe, der den Tod überwindet. Dabei verwies er auf das Evangelium: „Niemand hat eine größere Liebe als die, dass er sein Leben für seine Freunde hingibt.“
In der Spende von Organen spiegele sich die christliche Kernbotschaft wider, dass das menschliche Leben seinem Wesen nach „Beziehung und Gemeinschaft“ sei, erklärte Parolin vor Medizinern, Gästen und Spendern. Dementsprechend sei das gespendete Organ weit mehr als bloß biologisches Material. Es sei ein Träger der Hoffnung, denn in jedem gespendeten Körper schlage eine Liebe weiter, die sich dem Tod nicht geschlagen gebe, betonte der Kardinalstaatssekretär.
Mit Blick auf Geldspenden widersprach Kardinal Parolin dem Vorurteil, sie seien die am wenigsten spirituelle Form des Gebens. Dabei verwies er auf die biblische Witwe, die ihre letzten Groschen gab. Wenn eine finanzielle Spende aus einem „aufmerksamen Herzen“ komme, sei auch sie eine „konkrete Form der Liebe“. „Jeder Beitrag, der dazu bestimmt ist, Kranke zu unterstützen, den Schwächsten zu helfen oder die Forschung zu fördern, wird zur Vorsehung. Gott wirkt durch die Menschen“, so der Kardinal wörtlich.
Eltern als Zeichen gelebter Solidarität
Besonders stellte der Kardinal die Eltern in den Mittelpunkt, die trotz des Verlustes eines Kindes die Größe finden, das Leben eines anderen Kindes zu fördern. In dieser Entscheidung, trotz des „unermesslichen Schmerzes über den Verlust des eigenen Kindes“ einem anderen Kind „die Chance auf Leben zu geben“, zeige sich außerordentliche Solidarität.
Pietro Parolin bezeichnete die Entscheidung zur Organspende im Angesicht tiefster Trauer als einen Akt der Verwandlung: Aus persönlichem Verlust werde neue Lebenskraft für andere. Darin liege ein „stummes, aber beredtes Zeugnis von Menschlichkeit und Glauben“. Zugleich kritisierte Parolin eine Gesellschaft, in der vieles nach Profit und Effizienz bewertet werde. Das Schenken hingegen spreche eine „stille, aber mächtige Sprache“ und lasse Menschen über sich selbst hinauswachsen. Wer gebe, öffne sich für andere.
Geschenkte Zeit: Dank an Personal und Ehrenamtliche
Neben der materiellen und finanziellen Spende stellte Pietro Parolin auch das Geschenk der Zeit in den Mittelpunkt. In einer von Hektik und Effizienz geprägten Gesellschaft sei freiwillige Zuwendung – etwa durch Ehrenamtliche, die Kranke begleiten – eine besonders wertvolle Form gelebter Nächstenliebe.
Zugleich dankte er dem medizinischen Personal des Kinderkrankenhauses Bambino Gesù. Der Dienst von Ärzten und Pflegenden sei dort nicht nur Beruf, sondern Berufung. In dem „Krankenhaus des Papstes“ müssten fachliche Exzellenz und menschliche Wärme gleichermaßen sichtbar werden – höchste Qualität ebenso wie Mitgefühl und echte Anteilnahme. Abschließend betonte Parolin, das Niveau einer Zivilisation zeige sich daran, wie sie mit den Schwächsten umgehe. Sein Dank galt den Spendern, Freiwilligen und Mitarbeitenden, die gemeinsam eine Kultur der Hoffnung und Heilung tragen.
