In seiner ersten Fastenbotschaft als Pontifex hat Papst Leo XIV. zu einer tiefgreifenden Umkehr aufgerufen, die über den klassischen Verzicht auf Nahrung hinausgeht. Statt Aktionismus betont er die Bedeutung von Stille und Zuhören als Ausgangspunkt für echte Beziehung und christliches Handeln. Wie er in der am Freitagmittag veröffentlichten Botschaft hervorhebt, mache das Fasten bereit „für die Aufnahme des Wortes Gottes“. Zugleich mahnt der Papst, auf verletzende Äußerungen zu verzichten und Sprache zu einer Quelle von Hoffnung und Frieden zu machen.
Fastenzeit als Weg tiefgreifender Umkehr
Für Papst Leo XIV. beginnt die christliche Umkehr nicht mit Aktionismus, sondern mit Stille. Dabei sei das Zuhören „das erste Anzeichen für den Wunsch, mit anderen in Beziehung zu treten“, so der Pontifex. Zur Erklärung zieht er einen Vergleich zur biblischen Exoduserzählung: So wie Gott das Elend seines Volkes in Ägypten hörte, müsse auch die Kirche heute lernen, die Stimmen derjenigen wahrzunehmen, „die unter Ungerechtigkeit leiden“.
Mit Blick auf das Fasten verweist der Papst auf den heiligen Augustinus: Der Verzicht auf Nahrung sei „kein Selbstzweck, sondern eine asketische Übung, um die eigenen Appetites zu ordnen“. Er helfe, den „Hunger und Durst nach Gerechtigkeit“ wachzuhalten, vor Resignation zu bewahren und so zu lenken, dass er zu Gebet und Verantwortung für den Nächsten führt, führte der Papst aus.
Damit das Fasten nicht nur eine äußere Übung sei, sondern seine „dem Evangelium entsprechende Wahrheit“ bewahre, müsse es nach den Worten von Papst Leo XIV. in Glaube und Demut gelebt werden. In diesem Zusammenhang warnte er vor der „Versuchung eines stolzen Herzens“ und betonte, wer sich nicht vom Wort Gottes nähren lasse, „fastet nicht wirklich“. Entscheidend sei die Verwurzelung in der Gemeinschaft mit dem Herrn.
Erneuter Appell zu entwaffnender Sprache
Wiederholt legte der Heilige Vater auch zur Fastenzeit einen besonderen Schwerpunkt auf die Kommunikation im digitalen und politischen Raum. Den Verzicht auf verletzende Worte bezeichnete Leo als „wenig geschätzte Form“ des Verzichts. Konkret rief er dazu auf, die eigene Sprache zu „entwaffnen“ und auf „scharfe Worte, voreilige Urteile, schlechtes Reden über Abwesende, die sich nicht verteidigen können, und Verleumdungen“ zu verzichten.
Dieser Verzicht solle alle Lebensbereiche prägen: die Familie ebenso wie Freundeskreis und Arbeitsplatz, soziale Medien, politische Debatten, Medien und kirchliche Gemeinschaften. Statt verletzender Rede gelte es, Worte „besser abzuwägen“ und „Freundlichkeit zu pflegen“. Ziel sei es, dass eine von Hass geprägte Rhetorik zunehmend von einer Sprache der Hoffnung und des Friedens abgelöst werde.
An die Gläubigen gewandt appellierte er eindringlich: „Liebe Brüder und Schwestern, bitten wir um die Gnade einer Fastenzeit, die unser Ohr aufmerksamer macht für Gott und die Geringsten.“ Zum Abschluss seiner Botschaft rief Papst Leo XIV. dazu auf, um die Kraft eines Fastens zu bitten, das auch die eigene Sprache einschließt. Verletzende Worte müssten weniger werden, damit der Stimme anderer mehr Raum gegeben werde. Zugleich ermutigte er die Gläubigen, ihre Gemeinschaften zu Orten zu machen, an denen der „Schrei der Leidenden“ Gehör findet und echtes Zuhören befreiende Wirkung entfaltet. So könne man entschlossen am Aufbau einer „Zivilisation der Liebe“ mitwirken.
