Zwischen dem 28. Dezember 2025 und dem 3. Januar 2026 haben schwer bewaffnete Banden in der Region zwischen dem Verwaltungsbezirk Borgu im Bundesstaat Niger und dem südlichen Teil des Verwaltungsbezirks Shanga im Bundesstaat Kebbi mindestens 49 Menschen getötet. Die Angriffe, bei denen Dörfer geplündert, Kirchen verwüstet und Menschen entführt wurden, haben insbesondere bereits traumatisierte Kinder und Jugendliche erneut in Angst und Unsicherheit gestürzt, warnt Bischof Bulus Dauwa Yohanna von Kontagora.
Erneute Serie von Überfällen schockiert Nordnigeria
Wie der Bischof von Kontagora, Bulus Dauwa Yohanna, mitteilte, kamen zwischen dem 28. Dezember 2025 und dem 3. Januar 2026 49 Menschen nach Angriffen von rund 60 Bandenmitgliedern ums Leben. Die Angriffe erstreckten sich über die Region zwischen dem Verwaltungsbezirk Borgu im Bundesstaat Niger und dem südlichen Teil des Verwaltungsbezirks Shanga im Bundesstaat Kebbi. Besonders dramatisch: Die Diözese war bereits am 21. November erschüttert worden, als 265 Schüler der katholischen Grund- und Sekundarschule „St. Mary’s Catholic School“ in der Gemeinde Papiri entführt wurden.
Durch den neuerlichen Überfall seien die Kinder und Jugendlichen, die nach der Entführung schrittweise aus der Hand der Entführer befreit wurden, nun erneut traumatisiert worden, betont Bischof Yohanna. „Die Kinder der Schule von Papiri, die erst kürzlich aus der Gefangenschaft befreit wurden, sind jetzt noch stärker verängstigt“, erklärt der Bischof. Viele Familien seien gezwungen gewesen, Tag und Nacht im Busch Schutz zu suchen, um den neuen Überfällen der Banden zu entgehen, verdeutlichte er die dramatische Lage vor Ort.
Laut einer Mitteilung von Bischof Yohanna, die der Nachrichtenagentur Fides vorliegt, begann der erste Überfall am 28. Dezember. Demnach verließen schwer bewaffnete Bandenmitglieder auf 30 Motorrädern ihre Verstecke im Wald des Borgu-Reservats. Der Angriff, bei dem fünf Menschen ums Leben kamen, richtete sich gegen das Dorf Kaiwa. Dort plünderten sie Häuser und Scheunen und setzten die Gebäude in Brand. Anschließend zogen die Angreifer weiter in Richtung des Dorfes Gebe, wo sie zwei weitere Menschen töteten.
Täter verwüsten katholische Kirche und richten Massaker an
Die Angriffe der Banden hielten auch zu Beginn des neuen Jahres an. Am 1. Januar überfielen die Täter das Dorf Shafaci und griffen die örtliche Polizeistation an, wobei sie Akten und Unterlagen zerstörten.
Einen weiteren Angriff führten sie am 2. Januar aus. Hier nahmen die Angreifer die katholische Kirche von Sokonbora ins Visier. Unter anderem zerstörten sie das Kreuz, die Bilder der Kreuzwegstationen sowie Musikinstrumente. Außerdem stahlen sie zwei Motorräder, mehrere Mobiltelefone und Bargeld aus der Pfarrei. Danach besetzten sie einen Wohnkomplex im nahegelegenen Dorf Kambari.
Nur einen Tag später erreichten die Banden am 3. Januar das acht Kilometer entfernte Dorf Kusuwan Daji, wo sie den örtlichen Markt überfielen. Auch hier setzten sie Gebäude – überwiegend Geschäfte – in Brand. Das Feuer war so gewaltig, dass es aus Papiri, rund 15 Kilometer entfernt, sichtbar war, so Yohanna. Zudem richteten sie 42 Männer hin, nachdem ihnen die Arme auf den Rücken gebunden worden waren. „Die Opfer waren sowohl Christen als auch Muslime“, berichtet Bischof Yohanna.
Bischof Yohanna sprach sein Mitgefühl für die Opfer des Überfalls auf den Markt von Kusuwan Daji aus und rief die lokale Bevölkerung verschiedener ethnischer Gruppen – darunter Kambari, Bussawa, Fulani und Hausa – dazu auf, nicht in Feindschaften zu verharren, sondern geschlossen gegen Gewalt vorzugehen. Er betonte die Notwendigkeit, die Banden gemeinsam zu bekämpfen. Darüber hinaus richtete der Bischof einen dringenden Appell an die nigerianischen Behörden, die Verantwortlichen für „dieses abscheuliche Verbrechen“ zur Rechenschaft zu ziehen und die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.
