StartWeltNach Auslaufen des New-START-Vertrags: Sorge vor Wettrüsten steigt

Nach Auslaufen des New-START-Vertrags: Sorge vor Wettrüsten steigt

Kurz vor dem offiziellen Auslaufen des Atomwaffenabkommens zwischen den USA und Russland am 5. Februar 2026 forderten führende Vertreter der katholischen Kirche entschlossen diplomatische Lösungen. Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Erzbischof Paul S. Coakley, bezeichnete das Ende des New-START-Vertrags angesichts wachsender globaler Spannungen, insbesondere des Ukraine-Kriegs, als „inakzeptabel“. Auch Papst Leo XIV. rief eindringlich zur Verlängerung des Abkommens auf, um ein neues Wettrüsten und die Eskalation nuklearer Bedrohungen zu verhindern.

New-Start-Vertrag ausgelaufen– Unsicherheit über künftige Abrüstung

Der New-START-Vertrag, das einzige noch bestehende bilaterale Atomwaffenabkommen zwischen den USA und Russland, trat 2010 unter den Präsidenten Barack Obama und Dmitri Medwedew in Kraft. Er begrenzte die Zahl strategischer Atomwaffen beider Staaten, darunter einsatzbereite Sprengköpfe, Raketen und Bomber, und sah gegenseitige Kontrollen und Inspektionen vor, um Transparenz und Vertrauen zu schaffen. Ziel war es, nukleare Aufrüstung zu verhindern und die strategische Stabilität zu sichern. Nach einer ersten Verlängerung vor drei Jahren lief der Vertrag am 5. Februar 2026 offiziell aus. Laut den Bestimmungen konnte New START nur einmal verlängert werden; ein neues Abkommen hätte jedoch parallel in Kraft treten können.

Bereits im vergangenen September hatte Russland angeboten, die im Vertrag festgelegten Obergrenzen für ein weiteres Jahr einzuhalten, sofern die USA dasselbe täten. Gleichzeitig warnte Moskau, dass das Auslaufen des Vertrags die globale Sicherheit erheblich gefährden könnte. Aus Washington selbst gab es bislang keine formelle Reaktion auf das russische Angebot, auch weil US-Beamte offenbar derzeit alternative Abrüstungsansätze prüfen, darunter Gespräche, die potenziell weitere Staaten wie China einbeziehen könnten.

Sicherheitsexperten sehen im Auslaufen von New START eine historische Zäsur: Erstmals seit mehr als 50 Jahren gibt es keine vertraglichen Beschränkungen mehr für die Atomwaffenarsenale der USA und Russlands, die gemeinsam rund 90 Prozent aller Nuklearwaffen weltweit besitzen. Die frühere US-Rüstungsunterhändlerin Lynn Rusten sprach von einem drohenden „ungehemmten nuklearen Wettbewerb“ und warnte vor einem deutlich erhöhten Risiko eines Atomkriegs.

US-Bischöfe und Papst warnen vor neuem Wettrüsten

Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Erzbischof Paul S. Coakley, rief die politischen Entscheidungsträger eindringlich dazu auf, die diplomatischen Verhandlungen fortzusetzen und zumindest die bisherigen Begrenzungen für Atomwaffen beider Staaten zu wahren. Internationale Konflikte dürften nicht als Vorwand für Blockaden dienen, sondern müssten zu verstärktem Dialog führen, betonte er.

Darüber hinaus wandte sich Coakley an Gläubige und Menschen guten Willens weltweit und forderte zum Gebet für Frieden und Abrüstung auf. Nur durch mutige politische Entscheidungen und internationale Zusammenarbeit könne ein dauerhafter und gerechter Frieden erreicht werden, erklärte der Erzbischof.

Coakley erinnerte an das kirchliche Leitbild einer Abrüstung, die auf gegenseitigem Vertrauen und nicht auf Abschreckung beruht. In seiner Stellungnahme verwies Coakley zudem auf Papst Leo XIV., der erst zuletzt bei der Generalaudienz die Verlängerung des New-START-Abkommens forderte und vor einer neuen Rüstungsdynamik warnte. Besonders besorgt äußerte sich der Papst über moderne Waffensysteme, die zunehmend auf künstlicher Intelligenz basieren.

Er betonte, dass die gegenwärtige Lage alles erfordere, um ein neues Wettrüsten zu verhindern, das den internationalen Frieden bedrohe. Notwendig sei es, die Logik von Angst und Misstrauen durch eine gemeinsame ethische Orientierung zu ersetzen, die politische Entscheidungen am Gemeinwohl ausrichtet und den Frieden als kollektives Gut schützt.

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