Nachdem der Limburger Bischof Georg Bätzing bekannt gab, dass er für eine Wiederwahl als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) nicht zur Verfügung steht, beginnt hinter den Kulissen bereits die Diskussion um seine Nachfolge – und damit um die mögliche neue inhaltliche Ausrichtung des Gremiums. Während der Frühjahrsvollversammlung vom 23. bis 26. Februar in Würzburg wählen die Bischöfe einen Nachfolger. Zur Wahl berechtigt sind die 27 Diözesanbischöfe. Die Weihbischöfe, die ebenfalls Teil der 59 Mitglieder der Vollversammlung sind, dürfen zwar selbst wählen, jedoch nicht kandidieren. Da die Bistümer Eichstätt und Münster derzeit vakant sind, kommen theoretisch 25 Kandidaten infrage.
Sechs Jahre Reformk(r)ampf
Nach Bekanntwerden des Verzichts auf eine erneute Kandidatur Bischof Bätzings entfachten Spekulationen über die Gründe seiner Entscheidung. Fakt ist: Sechs Jahre Synodaler Weg haben deutliche und tiefe Spuren in der DBK hinterlassen. Der von Bätzing – fast partnerschaftlich mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) – vorangetriebene Reformprozess ist nicht nur innerhalb Deutschlands umstritten, sondern führt auch zu Spannungen mit der römischen Kurie. Bereits Papst Franziskus distanzierte sich von den deutschen Sonderwegen – auch wenn es bislang keine direkten Konsequenzen gab. Fakt ist jedoch auch, dass der deutsche Reformweg unter strenger Beobachtung von Papst Leo XIV. steht. Der Pontifex stellte sich in kritischen Schreiben entschiedener gegen den sogenannten „Synodalen Weg“ und könnte so eine Rolle bei Bätzings Entscheidung gespielt haben.
Zudem lastete Bätzing der Reformweg wie ein Rucksack voller Steine auf – zusätzlich zu den Herausforderungen, die andere europäische Bischofskonferenzen ebenfalls bewältigen müssen, wie die Aufarbeitung der Missbrauchskrise, die Säkularisierung und die knapper werdenden Finanzen. Besonders jüngere Mitglieder der Konferenz sehen sich nun mit den Erwartungen und Fehlentscheidungen früherer Weichenstellungen konfrontiert: enttäuschte Gläubige, unerfüllbare Reformforderungen und ein Gremium, das in vielen Bereichen polarisiert.
Dies führte schließlich zu leer bleibenden Stühlen bei den Sitzungen des Synodalen Ausschusses. Nach wie vor gibt es Bischöfe und Gläubige, denen die Einheit mit Rom und die Bewahrung der kirchlichen Lehre wichtiger sind als die einseitige Durchsetzung von Reformideen zur Selbstprofilierung. Diese Stimmen werden in der öffentlichen Debatte oft als konservativ, rückwärtsgewandt oder gar fundamentalistisch dargestellt – doch es sind jene Stimmen, die dem Wort Gottes folgen.
Nachfolge Bätzings: Neuer Kurs nach missglückten Reformjahren?
Vor diesem Hintergrund scheint klar: Die DBK benötigt einen Vorsitzenden, der nach den konfliktgeladenen Jahren des Synodalen Wegs weniger polarisiert, stärker moderiert und den Dialog innerhalb der Kirche wieder in den Vordergrund stellt. Ein klarer, offiziell bestätigter Favorit ist zwar nicht bekannt, jedoch gilt der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz als einer der aussichtsreichsten Kandidaten. Bentz wird als ausgleichende, konsensorientierte Persönlichkeit wahrgenommen, die den Reformkurs Deutschlands zwar nicht grundsätzlich in Frage stellt, jedoch auf innerkirchliche Einheit und einen versöhnlichen Ton gegenüber Rom setzt. Dadurch könnte er sowohl bei Reformern als auch bei konservativen Bischöfen Unterstützung finden.
Nicht zuletzt warnte Bentz bei der Vollversammlung im vergangenen Herbst, sich „nicht im Krisenmodus zu verrennen“, und warb für eine „synodale Kultur, die der wirklichen Vielfalt dieses Gottesvolkes entspricht, um prophetische Stimmen wahrnehmen und zu Wort kommen zu lassen“. Kritisch hinterfragte er zudem, ob der Synodale Weg „wirklich mehr Tiefe und Zeugnis unserer Christusbeziehung als Organisation und Funktion“ im Blick habe. Ist Erzbischof Bentz die Kompromisslösung für die hausgemachten Probleme des deutschen Synodalen (Irr-)Wegs?
