Angesichts der sich zuspitzenden Sicherheitslage in Nigeria und der jüngsten Massenentführungen hat Präsident Bola Tinubu eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit den USA gebilligt, um die Sicherheitskrise im Land wirksamer zu bekämpfen. Während weiterhin Hunderte Menschen – darunter überwiegend Kinder – in der Gewalt bewaffneter Gruppen sind, üben Kirchenvertreter scharfe Kritik an der Regierung und warnen vor einer nationalen Krise. Zu der schwerwiegenden Unsicherheit in Nigeria verfasste die nigerianische Bischofskonferenz eine Erklärung unter dem Titel „Frieden in Nigeria, vom Zerbrechlichen zur Stabilität übergehen“.
Bischofskonferenz prangert fehlenden politischen Willen an
Bischof Bulus Yohanna betonte, dass die jüngste Erklärung der nigerianischen Bischofskonferenz ein realistisches Bild der Gewalt zeichne, die das Land seit Jahren erschüttert. Als zentrale Ursache für das anhaltende Scheitern staatlicher Maßnahmen nennt er den mangelnden politischen Willen der Verantwortlichen. „Ich denke, es mangelt an politischem Willen seitens derer, die die Autorität haben, diese Probleme wirksam anzugehen“, so der Bischof wörtlich. Die Bischofskonferenz zeigt sich in der Erklärung besorgt. Sie bezeichnete die Sicherheitslage als „beklagenswert“, das zunehmend fragile gesellschaftliche und religiöse Klima als „wahrlich beunruhigend“.
Mit einem Blick auf die jüngsten Ereignisse beschreibt sie die Situation im Land als „nationale Krise“. Immer neue Übergriffe belegten das Ausmaß der Gewalt – von Entführungen in Kwara, Kebbi und Borno über die Geiselnahme von Hunderten Schülern in Kontagora bis hin zu Massakern wie jenem in Taraba. Die Bischöfe forderten die Regierung daher eindringlich auf, ihrer verfassungsmäßigen Pflicht zum Schutz der Bürger endlich nachzukommen.
Nigeria und USA: Gemeinsam gegen die Sicherheitskrise
Nur wenige Tage nach Veröffentlichung der Erklärung der Bischöfe genehmigte Nigerias Präsident Bola Tinubu eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit Vertretern der USA und Nigerias, um die Sicherheitslage in dem westafrikanischen Staat zu verbessern. Wie das Präsidialamt mitteilte, unterzeichnete Präsident Tinubu in der Nacht auf Freitag das Dokument zur Einrichtung der Arbeitsgruppe mit den USA. Zuvor war eine nigerianische Delegation zu Gesprächen nach Washington gereist. Für zusätzliche Spannungen hatte Ende Oktober US-Präsident Donald Trump gesorgt, der Nigeria mangelnden Einsatz gegen die Verfolgung von Christen vorwarf und erklärte, die USA könnten angesichts der anhaltenden Gewalt nicht untätig bleiben.
In Nigeria, wo Christen und Muslime nahezu gleich stark vertreten sind, stießen Trumps Äußerungen zunächst auf deutliche Kritik. Tinubu – selbst Muslim und mit einer evangelikalen Pastorin verheiratet – betonte die religiöse Toleranz im Land und verwies darauf, dass die zunehmende Unsicherheit Menschen aller Glaubensrichtungen treffe. Nach mehreren Massenentführungen im November rief er dennoch den Sicherheitsnotstand aus.
Währenddessen bleiben Hunderte Entführte, überwiegend Kinder und Jugendliche, weiterhin in der Gewalt bewaffneter Gruppen. Erst vor wenigen Tagen griff eine bewaffnete Gruppe die katholische St.-Mary-Schule im Bundesstaat Niger an und hält seither mehr als 300 Menschen fest. Bischof Yohanna erklärte gegenüber dem Hilfswerk „missio Aachen“, dass bislang kein direkter Kontakt zu den Entführern bestehe. Noch immer würden 265 Schüler sowie zwölf Lehrkräfte festgehalten. Der Bischof warf den Behörden vor, trotz der angespannten Lage keine Warnungen herausgegeben zu haben. Frühere Hinweise auf mögliche Angriffe hätten zwar zu zeitweiligen Schulschließungen geführt, doch die meisten Sicherheitsmaßnahmen seien in den vergangenen Jahren aus Eigeninitiative ergriffen worden.
