Nach einem Treffen im Vatikan hat Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen große Erwartungen an Papst Leo XIV. als moralische Stimme für Frieden und internationale Verständigung formuliert. In Gesprächen mit dem Kirchenoberhaupt sowie führenden Vertretern der vatikanischen Diplomatie standen aktuelle Konflikte, die Rolle der Kirche im Einsatz für Dialog sowie gesellschaftliche Entwicklungen in Europa im Mittelpunkt.
Papst als moralische Stimme für Frieden
Nach der Privataudienz bei Papst Leo XIV. traf Bundespräsident Alexander Van der Bellen auch den vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sowie den für die Beziehungen zu Staaten und internationalen Organisationen zuständigen Erzbischof Paul Richard Gallagher zu weiteren Gesprächen. Dabei betonte Van der Bellen seine Erwartungen an die Rolle des Papstes als globale Stimme für Frieden und Dialog. Er verwies auf das multilaterale Verständnis der Kirche, das auf Verständigung mit vielen Partnern setze. Frieden entstehe in der Regel nicht durch Gewalt, sondern durch Verhandlungen und die Bereitschaft, die Perspektive des Gegenübers zu verstehen, griff er eine Botschaft des Papstes auf. Ziel müsse letztlich ein „vernünftiger, guter Kompromiss“ sein.
Zugleich unterstrich der Bundespräsident die besondere moralische Autorität des Papstes. Ein Kirchenoberhaupt verfüge zwar über keine weltliche Macht, könne aber durch seine Worte und Botschaften großen Einfluss ausüben. Gerade deshalb sei er überzeugt, dass Papst Leo XIV. diese Friedensbotschaft auch an kommende Generationen weitergeben könne. Van der Bellen betonte zudem, dass die seelsorgerische Erfahrung von Papst Leo XIV. für dessen Rolle als Friedensstimme von Vorteil sei. Anders als ein reiner Verwaltungsbeamter bringe der Papst praktische Erfahrungen aus der pastoralen Arbeit mit, die ihm in einem so anspruchsvollen Amt helfen könnten.
Der Papst sei nicht nur Oberhaupt der katholischen Kirche, sondern auch ein wichtiges Sprachrohr der christlichen Botschaft in der Welt, so Van der Bellen. Zugleich zeigte sich der Bundespräsident überzeugt, dass mit der Wahl von Leo XIV. im vergangenen Jahr eine sehr gute Entscheidung getroffen worden sei.
Konflikte, Gesellschaft und Religionsfreiheit im Zentrum
Der österreichische Bundespräsident war bereits in den vergangenen Jahren zweimal im Vatikan mit dem früheren Papst Franziskus zusammengetroffen. Bei den Gesprächen im vatikanischen Staatssekretariat mit Diplomaten der Kurie standen laut Van der Bellen vor allem aktuelle internationale Konflikte im Mittelpunkt. Diskutiert wurden unter anderem der Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie die Situation im Nahen Osten nach dem amerikanischen Angriff auf den Iran.
Darüber hinaus seien auch gesellschaftliche Entwicklungen in Europa thematisiert worden. Laut Kultusministerin Claudia Bauer (ÖVP), die Teil der österreichischen Delegation war, ging es dabei unter anderem um die niedrige Geburtenrate, Fragen der Religionsfreiheit und die multikulturelle Gesellschaft in Österreich. Das kürzlich beschlossene Kinderkopftuchverbot sei in den Gesprächen hingegen nicht zur Sprache gekommen, sagte Bauer gegenüber Vatican News.
Van der Bellen nutzte das Treffen zudem, um Papst Leo XIV. offiziell zu einem Besuch nach Österreich einzuladen. Er habe den Papst „aufs Wärmste“ eingeladen, erklärte Van der Bellen. Ein solcher Besuch werde zwar nicht kurzfristig stattfinden, er hoffe jedoch, noch während seiner Amtszeit als Bundespräsident einen Besuch des Kirchenoberhaupts in Österreich zu erleben.
