StartVaticanPapst Leo betont menschliche und göttliche Dimension der Heiligen Schrift

Papst Leo betont menschliche und göttliche Dimension der Heiligen Schrift

Bei der Generalaudienz am Mittwoch warnte Papst Leo vor „fundamentalistischen oder spiritualistischen Lesarten“ der Heiligen Schrift und rief die Kirche dazu auf, das Wort Gottes in einer Sprache zu verkünden, die die Lebenswirklichkeit der Menschen erreicht. In der Fortsetzung seiner Katechese zur dogmatischen Konstitution Dei Verbum betonte das Kirchenoberhaupt, dass die Bibel als Wort Gottes in menschlichen Worten nur dann wirksam sei, wenn sie historisch verantwortet ausgelegt und verständlich, zeitgemäß und vom Glauben getragen verkündet werde.

Zwischen göttlichem Ursprung und menschlicher Autorschaft

In seiner Katechese bei der Generalaudienz am Mittwoch, die Teil seiner fortlaufenden Auslegung der Konzilskonstitution Dei Verbum war, ging Papst Leo zunächst auf das Verständnis der Heiligen Schrift in der Kirchengeschichte ein. Dabei erinnerte er daran, dass sich die Kirche über Jahrhunderte hinweg mit dem Verhältnis zwischen dem göttlichen Verfasser der Bibel und ihren menschlichen Autoren auseinandergesetzt habe. Lange Zeit hätten Theologen vor allem die göttliche Inspiration der Heiligen Schrift betont und die menschlichen Verfasser dabei nahezu ausschließlich als „passive Werkzeuge des Heiligen Geistes“ verstanden, erklärte Leo.

Erst in jüngerer Zeit sei der Beitrag der menschlichen Autoren stärker in den Blick geraten. Das Zweite Vatikanische Konzil habe diese Entwicklung aufgegriffen, indem es Gott weiterhin als den hauptsächlichen „Verfasser“ der Heiligen Schrift bezeichnet, zugleich aber die menschlichen Autoren ausdrücklich als „wahre Verfasser“ der biblischen Bücher anerkennt.

Der Papst unterstrich, dass die Heilige Schrift nicht in einer „himmlischen oder übermenschlichen Sprache“ verfasst worden sei. Wie auch die „tägliche Realität“ zeige, seien Verständigung und Beziehung nur möglich, wenn man sich dem Gegenüber verständlich mache – ein Schritt, den er als „ersten Akt der Liebe“ bezeichnete. Gerade deshalb habe Gott sich entschieden, in menschlichen Sprachen zu sprechen und die biblischen Texte durch unterschiedliche Autoren verfassen zu lassen, die vom Heiligen Geist inspiriert waren.

Auslegung und Verkündigung müssen lebensnah bleiben

Wer eine der beiden Dimensionen – den göttlichen Ursprung oder die menschliche Gestalt der Schrift – ausblende, greife zu kurz, betonte Leo. Eine verantwortete Auslegung müsse daher sowohl das historische Umfeld der Texte als auch ihre literarischen Formen berücksichtigen. Der Verzicht auf diese Auseinandersetzung berge die Gefahr „fundamentalistischer oder spiritualistischer Lesarten“, die den Sinn der Schrift verfälschten.

Dieser Maßstab gelte ebenso für die Verkündigung des Wortes Gottes, unterstrich der Papst. Verliere sie den Bezug zur Lebenswirklichkeit, zu den Hoffnungen und Leiden der Menschen oder bediene sich einer unverständlichen, wenig kommunikativen oder anachronistischen Sprache, bleibe sie wirkungslos. Deshalb sei die Kirche in jeder Epoche neu dazu gerufen, das Evangelium in einer Sprache zu verkünden, die die Herzen der Menschen erreichen könne.

Weiter verdeutlichte Leo, dass die Heilige Schrift insbesondere in der liturgischen Verkündigung zu den Gläubigen von heute sprechen wolle. Sie solle „ihr gegenwärtiges Leben mit seinen Problemen berühren, die zu unternehmenden Schritte und die zu treffenden Entscheidungen erhellen“. Dies sei jedoch nur möglich, wenn man die biblischen Texte unter der „Führung desselben Geistes“ lese und auslege, der sie inspiriert habe.

Wirklich gegenwärtig werde die Schrift nach den Worten des Papstes nur dann, wenn sie in ihrem historischen Kontext wahrgenommen, im Glauben interpretiert und im Alltag der Gläubigen fruchtbar werde. Zugleich erinnerte Leo daran, dass der göttliche Ursprung der Bibel davor bewahre, das Evangelium zu verkürzen: Zwar durchdringe es alle Bereiche des menschlichen Lebens, lasse sich jedoch nicht auf eine rein soziale oder philanthropische Botschaft reduzieren. Vielmehr sei es die „freudige Verheißung des ewigen Lebens“, des Lebens in Fülle, das Gott den Menschen in Jesus Christus geschenkt habe.

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