Papst Leo XIV. kehrt zu einer alten Tradition zurück, von der sein Vorgänger Papst Franziskus abwich: die Fußwaschung am Gründonnerstag in der Lateranbasilika. Während Franziskus die Zeremonie in Gefängnissen und sozialen Einrichtungen feierte, vollzieht Leo XIV. sie wieder in der Bischofskirche von Rom. Der Ritus, der an die Demutsgeste Jesu beim letzten Abendmahl erinnert, gilt als einer der emotionalen Höhepunkte der Karwoche.
Tradition der Fußwaschung: Demutsgeste mit sozialer Dimension
Der Gründonnerstag ist der einzige Tag im Kirchenjahr, an dem ausdrücklich zwei heilige Messen vorgesehen sind. Papst Leo XIV. wird am 2. April zunächst um 9.30 Uhr im Petersdom die Chrisammesse feiern, bei der traditionell die Öle für Sakramente wie Taufe, Firmung oder Priesterweihe geweiht werden.
Am Abend des Gründonnerstags findet dann auch die traditionelle Fußwaschung statt. Zwar ist noch nicht bekannt, wem Papst Leo XIV. dabei die Füße waschen wird, allerdings steht fest, dass er zu einer alten Tradition zurückkehren wird. Denn wie aus dem aktuellen Liturgieplan der Präfektur des päpstlichen Hauses ersichtlich ist, wird Papst Leo XIV. die Fußwaschung am Gründonnerstag wieder bei der Messe um 17:30 Uhr in der Lateranbasilika, der Kathedrale des Bischofs von Rom, vollziehen. Der Ritus, der seit Pius XII. 1955 fester Bestandteil der Messe am Gründonnerstag ist, erinnert an die Fußwaschung Jesu beim letzten Abendmahl, wie sie das Johannesevangelium für die zwölf Apostel überliefert (Joh 13,1–20).
Papst Franziskus hatte die Fußwaschung am Gründonnerstag während seines Pontifikats bewusst in Gefängnissen und sozialen Einrichtungen an Migranten, Häftlinge und Angehörige anderer Religionen vollzogen. Bei seinen Gefängnisbesuchen wählte er jeweils zwölf Inhaftierte aus, um die Demutsgeste Jesu beim letzten Abendmahl nachzuempfinden. Am letzten Gründonnerstag 2025 besuchte der schwerkranke Papst das römische Gefängnis „Regina Coeli“; vier Tage später verstarb er. Während seines Pontifikats betonte Papst Franziskus die soziale Dimension des Ritus.
Soziale Nähe leben: Papst Leo unterstützt Obdachloseninitiative
Auch wenn Papst Leo XIV. die Fußwaschung am Gründonnerstag wieder in der Lateranbasilika und nicht in Gefängnissen oder sozialen Einrichtungen vollzieht, lebt er die soziale Nähe Jesu auf andere Weise. Das zeigt sich darin, dass er die geplante nationale Erhebung über die Situation wohnungsloser Menschen in Italiens Großstädten unterstützt und die Freiwilligen der Kampagne „Tutti contano“ dazu auffordert, „mit Enthusiasmus weiter diejenigen willkommen zu heißen und ihnen zuzuhören, die am Rande der Gesellschaft leben und keinen festen Wohnsitz haben“.
In einem Brief von Anthony Onyemuche Ekpo, Assessor für Allgemeine Angelegenheiten im vatikanischen Staatssekretariat, heißt es, die Freiwilligen sollen Gottes Wesen durch Nähe, Mitgefühl und Zärtlichkeit bezeugen. Angesichts der steigenden Zahl von Obdachlosen in Italien ist das Ziel der nationalen Initiative, die Situation wohnungsloser Menschen besser zu verstehen, verlässliche Daten zu erheben und die Unterstützungsangebote zu verbessern. Die Aktion wird vom Statistikamt Istat gefördert und vom italienischen Dachverband der Obdachlosenorganisationen gemeinsam mit lokalen Behörden, Universitäten und Sozialdiensten wie der Caritas umgesetzt.
