Papst Leo XIV. fordert gerechtere Sozialsysteme und warnt vor wachsender Ungleichheit
Bei einer Audienz für die italienische Rentenversicherungsanstalt hat Papst Leo XIV. zu einer grundlegenden Stärkung des Sozialstaates aufgerufen. Angesichts zunehmender Armut trotz globalen Reichtums mahnte er eine gerechtere Verteilung von

Bei einer Audienz für die italienische Rentenversicherungsanstalt hat Papst Leo XIV. zu einer grundlegenden Stärkung des Sozialstaates aufgerufen. Angesichts zunehmender Armut trotz globalen Reichtums mahnte er eine gerechtere Verteilung von Ressourcen sowie Reformen der sozialen Sicherungssysteme an und stellte das Gemeinwohl als zentralen Maßstab politischen Handelns heraus. Er appellierte, wirtschaftlichen Fortschritt und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärker zu verzahnen und das Gemeinwohl konsequent zum Leitprinzip staatlichen Handelns zu machen.
Papst warnt vor wachsender Ungleichheit
In seiner Rede vor den Teilnehmenden der italienischen Rentenversicherungsanstalt (INPS) spannte Papst Leo XIV. einen Bogen von der Sozialenzyklika Rerum novarum (1891) seines Vorgängers Leo XIII. bis in die Gegenwart. Dabei erinnerte er daran, dass bereits Johannes XXIII. und Paul VI. das Recht auf soziale Sicherheit als Menschenrecht hervorgehoben hätten. Im weiteren Verlauf seiner Ansprache knüpfte er zunächst an die Enzyklika Fratelli tutti von Papst Franziskus an, in der die Achtung der Menschenrechte weiter bekräftigt wurde.
Vor diesem Hintergrund machte er auf ein globales Paradoxon aufmerksam: Trotz wachsender Wohlstandsressourcen nehme die extreme Armut weltweit zu. Die Konzentration von Reichtum in den Händen weniger bezeichnete er als ungerechte Entwicklung, die nicht schicksalhaft gegeben sei, sondern durch verantwortungsvolles Handeln und eine gerechtere Verteilung überwunden werden könne. Leo XIV. unterstrich, dass soziale Sicherung darauf ausgerichtet sein müsse, allen Menschen durch Erwerbsarbeit ein Leben in Würde zu ermöglichen. Leitend seien dabei insbesondere die Prinzipien der Subsidiarität und der geschwisterlichen Solidarität.
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Arbeitswelt im Wandel
Ein weiterer Schwerpunkt der Ansprache lag auf dem tiefgreifenden Wandel der Arbeitswelt im 21. Jahrhundert. Als treibende Kräfte nannte der Papst die zunehmende Kommerzialisierung von Unternehmen, die globale Verlagerung von Produktionsprozessen sowie den rasanten technologischen Fortschritt, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz.
Als konkretes Beispiel für die Folgen des technologischen Wandels verwies der Papst auf veränderte Erwerbsbiografien: Klassische, lineare Berufsverläufe würden zunehmend von prekären und flexiblen Beschäftigungsformen wie Teilzeit-, Leih- oder Abrufarbeit verdrängt. Daraus entstünden neue soziale Bedarfe, auf die staatliche Institutionen und Sozialversicherungsträger mit erweiterten Verantwortlichkeiten reagieren müssten.
Zum Abschluss seiner Ansprache griff Leo XIV. eine Mahnung seines Vorgängers Franziskus aus dem Jahr 2015 auf und rief die Mitarbeitenden dazu auf, den Menschen in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen. Der Auftrag bestehe darin, sowohl diejenigen zu unterstützen, die im Erwerbsleben stehen, als auch jene im Blick zu behalten, die arbeiten möchten, dazu jedoch nicht in der Lage sind.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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