In dieser Fastenzeit richtet Papst Leo XIV. seinen Blick auf die sozialen Probleme in den Randvierteln Roms. Am Sonntag besuchte er die Pfarrei „Santa Maria della Presentazione“ in Torrevecchia, einem Stadtviertel im Nordwesten Roms, das oft nur durch negative Schlagzeilen bekannt ist. Mit Begegnungen von Kindern, Familien, alten und kranken Menschen sowie Caritas-Vertretern unterstrich er die Rolle der Kirche als Ort der Fürsorge, des Zusammenhalts und der Hoffnung in einer Gegend, die mit materieller Not und sozialer Ausgrenzung zu kämpfen hat.
Torrevecchia: Die Pfarrei als Herz des Viertels
Bei seiner vierten Station im Bistum Rom besuchte Papst Leo XIV. das sozial herausgeforderte Peripherieviertel Torrevecchia. In der Pfarrei „Santa Maria della Presentazione“ traf er Kinder, Jugendliche, Familien, alte und kranke Menschen sowie Vertreter der Caritas und feierte eine heilige Messe. Das Viertel ist durch eine Mischung aus Sozial- und freifinanzierten Wohnhäusern geprägt, wobei die Pfarrei als zentraler Ort gegenseitiger Unterstützung dient.
Die Gemeinde existierte bereits lange, bevor ein festes Kirchengebäude errichtet wurde. So feierte Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch im Jahr 1982 die Gottesdienste noch in einer Garage. Zwischen 1999 und 2001 wurde die heutige Kirche mit ihrem markanten Metall-Glockenturm errichtet – ein sichtbares Zeichen für eine lebendige und präsente Kirche in einem Viertel, das in den Medien oft mit Kriminalität und sozialen Problemen in Verbindung gebracht wird. Die Pfarrei „Santa Maria della Presentazione“ ist nach wie vor eng mit der Geschichte des Viertels verbunden. Heute gilt sie als wichtiger sozialer und religiöser Mittelpunkt der lokalen Gemeinschaft. Ein Zeichen der Hoffnung sind auch die Gemeindemitglieder, die sich besonders für Menschen in schwierigen Lebenssituationen engagieren und versuchen, den Zusammenhalt im Viertel zu stärken.
Parallelen der sozialen Ausgrenzung
In seiner Predigt bei seinem Gottesdienst in dem Randviertel zog der Papst einen Vergleich zwischen dem Sonntagsevangelium von der Begegnung Jesu mit der Samariterin und dem Viertel. „Indem der Herr in jedem von uns die Taufgnade erneuert, ruft er zur Umkehr und läutert zugleich unser Herz durch seine Liebe und durch die Werke der Nächstenliebe, zu denen wir von ihm gerufen sind“, so der Pontifex.
Anhand des Evangeliums von der Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen machte er deutlich, dass Gott jeden Menschen kennt, liebt und ihm unabhängig von seiner Vergangenheit eine neue Zukunft schenkt. Obwohl die Frau durch gescheiterte Ehen und eine nichteheliche Beziehung ausgestoßen war, zeigte Jesus ihr Zuwendung. „Alles verwandelt sich in der Begegnung mit dem Herrn: Die durstige Frau wird zur Quelle, die Ausgestoßene zur Vertrauten. Die Frau voller Scham ist nun erfüllt von Freude; die zuvor stumme Dorfbewohnerin wird zur Missionarin für ihre Gemeinde“, erklärte der Papst.
Gemeinde als Ausdruck einer mütterlichen Kirche
Diese Situation der Ausgrenzung sei auch heute Teil der Realität in Torrevecchia. Mit Blick auf die sozial herausgeforderte Pfarrgemeinde wies er auf materielle Not, moralische Armut und soziale Ausgrenzung hin. Besonders Jugendliche seien gefährdet, von „Händlern des Todes“ verführt zu werden oder die Hoffnung zu verlieren. Viele Bewohner warteten zudem auf bezahlbaren Wohnraum, Arbeit und sichere Orte für Gemeinschaft und Freizeit.
In diesem Zusammenhang ermutigte Papst Leo XIV. die Gemeindemitglieder dazu, Jesu Nähe sichtbar zu machen. Ihre Aufgabe sei es, das Leben der Menschen von Not und Bedrohungen zu befreien und Wege zu einem gerechten und erfüllten Leben aufzuzeigen. „Die Aktivitäten der Pfarrei sollen ein Zeichen dafür sein, dass die Kirche – wie eine Mutter – ihre Kinder nicht verurteilt, sondern aufnimmt, ihnen zuhört und sie in schwierigen Situationen begleitet und stärkt“, so der Papst.
