StartVaticanPapst Leo XIV.: Kirche soll Menschen mit der Aufmerksamkeit Jesu begegnen

Papst Leo XIV.: Kirche soll Menschen mit der Aufmerksamkeit Jesu begegnen

Vor tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz hat Papst Leo XIV. die Fastenzeit als Zeit innerer Befreiung und geistlicher Erneuerung beschrieben. In seiner Ansprache zum Angelus forderte Leo die Kirche dazu auf, das Evangelium neu zu entdecken und Menschen mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu begegnen. Dabei betrachtete er das Tagesevangelium von der Begegnung Jesu mit der Frau aus Samarien.

Die geistliche Quelle im Menschen freilegen

Unter leicht bewölktem Himmel fanden sich am Sonntag rund 15.000 Gläubige auf dem Petersplatz ein, um dem Angelusgebet beizuwohnen. Darin warf Papst Leo einen Blick nach vorne auf die großen Evangelien der kommenden Sonntage – die Samariterin, die Heilung des Blindgeborenen und die Auferweckung des Lazarus. Diese sollen dazu dienen, den Glauben „authentischer und freudiger“ zu leben, so Leo XIV.

In diesem Zusammenhang bezeichnete der Pontifex Jesus als Antwort auf den Durst der Menschheit nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Die Begegnung mit Christus werde – wie im Evangelium im Gespräch mit der Samariterin beschrieben – im Menschen selbst zu einer Quelle, „deren Wasser ins ewige Leben fließt“, erklärte der Pontifex. Zugleich erinnerte er daran, dass auch heute viele Menschen weltweit auf der Suche nach einer solchen geistlichen Quelle seien.

Zur Vertiefung seiner Gedanken verwies der Papst auf die jüdische Schriftstellerin Etty Hillesum, die während des Holocaust in ihrem Tagebuch schrieb, die geistliche Quelle im Inneren des Menschen sei oft von „Steinen und Sand“ bedeckt. Dann sei Gott gleichsam verschüttet und müsse wieder freigelegt werden, zitierte der Pontifex. Unsere Energie könne nicht besser eingesetzt werden als zur Befreiung des eigenen Herzens, betonte Leo XIV. „Aus diesem Grund ist die Fastenzeit ein Geschenk: Wir beginnen die dritte Woche und können unseren Weg nunmehr entschlossener fortsetzen.“

Mit der Aufmerksamkeit Jesu dem Menschen begegnen

Mit Blick auf die biblische Szene, in der sich die Jünger darüber wundern, dass Jesus mit einer Frau spricht, nahm Papst Leo XIV. auch aktuelle Haltungen innerhalb der Katholischen Kirche in den Blick. Jesus habe die samaritanische Frau ohne Hintergedanken und ohne Geringschätzung ernst genommen, obwohl die gesellschaftlichen Gepflogenheiten seiner Zeit dies eigentlich verboten hätten. Gerade eine solche Haltung der Sensibilität und Offenheit suchten viele Menschen heute in der Kirche, betonte der Pontifex. Wahres christliches Leben zeige sich darin, sich dem Gegenüber mit ungeteilter Aufmerksamkeit zuzuwenden – selbst wenn dies bedeute, die eigene Zeitplanung zurückzustellen.

Zugleich rief der Papst dazu auf, die „Überraschungen Gottes“ wahrzunehmen. Gottes Gnade wirke oft schon dort, wo menschliche Augen noch keine sichtbaren Früchte erkennen könnten. Unter Anspielung auf ein weiteres biblisches Bild erinnerte Leo XIV. daran, dass die Ernte groß sei, es aber mitunter an Arbeitern fehle, weil sie von anderen Aufgaben abgelenkt seien. Als Beispiel hob er die samaritanische Frau hervor, die nach ihrer Begegnung mit Jesus selbst zur ersten Verkünderin des Evangeliums geworden sei und viele Menschen aus ihrem Dorf – einem Ort der gesellschaftlich Verachteten und Ausgegrenzten – zu ihm geführt habe.

Zum Abschluss seiner Ansprache wandte sich Papst Leo XIV. gegen ideologische Auseinandersetzungen und Polarisierungen. Für „Tempelstreitigkeiten“ zwischen einem „Wir“ und den „Anderen“ sei nicht die Zeit, betonte der Pontifex. Entscheidend sei vielmehr, dass Menschen zu Friedensstiftern würden und Gott im Geist und in der Wahrheit anbeteten.

VERWANDTE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

- Advertisment -

Beliebteste

GodMag

Kostenfrei
Ansehen