Bei einem Treffen mit dem Klerus des Bistums Rom hat Papst Leo XIV. zu mehr missionarischem Eifer, Kreativität und Zusammenarbeit in der Seelsorge aufgerufen. Angesichts einer „zunehmenden Erosion der religiösen Praxis“ mahnte der Bischof von Rom eine „klare Kurskorrektur“ an. Nicht die bloße Sakramentenspendung dürfe im Mittelpunkt stehen, sondern eine erneuerte Verkündigung des Evangeliums. Zugleich warb er für eine engere Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien und forderte die Seelsorger auf, die Nähe zu jungen Menschen gezielt zu suchen und zu vertiefen.
Papst mahnt pastorale Neuausrichtung an
Bei der Begegnung in der Paulus-VI.-Halle im Vatikan rief der Papst die römischen Priester dazu auf, die Verkündigung des Evangeliums neu zu beleben, enger zusammenzuarbeiten und besonders die Nähe zu jungen Menschen zu suchen. Er ermutigte die Geistlichen daher, das „Feuer“ ihres Dienstes neu zu entfachen, gerade in Zeiten von Müdigkeit, Entmutigung oder geistlicher und moralischer Krise.
Angesichts gesellschaftlicher Veränderungen forderte er eine „klare Kurskorrektur“. Die klassische Pfarrpastoral sei vielfach darauf ausgerichtet, vor allem die Spendung der Sakramente zu gewährleisten. Dieses Modell setze jedoch voraus, dass der Glaube im familiären und sozialen Umfeld weitergegeben werde – eine Selbstverständlichkeit, die heute vielerorts nicht mehr gegeben sei.
In Anlehnung an das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium warnte der Papst vor einer „Sakramentalisierung“ ohne eine umfassendere Evangelisierung. Es genüge nicht, die Spendung der Sakramente im Sinne der herkömmlichen Seelsorgestruktur sicherzustellen. Vielmehr müsse die Verkündigung wieder ins Zentrum rücken, um neue Wege zu finden, die Menschen mit der Verheißung Jesu neu in Berührung zu bringen. Daher sei es dringend notwendig, wieder zur Verkündigung des Evangeliums zurückzukehren. Das sei die Priorität, betonte Leo XIV.
Zuhören und begleiten – Papst fordert stärkere Aufmerksamkeit für Jugend
Auch mit Blick auf Kinder, Jugendliche und Familien sprach sich der Papst dafür aus, neue Formen der Glaubensweitergabe zu überdenken, um sie zeitgemäß zu erreichen. Gerade bei Kindern zeichnete der Pontifex ein ernüchterndes Bild: Viele wüchsen heute ohne Bezug zu Gott und Kirche auf. Orientierungslosigkeit, existenzielle Unsicherheit, das Aufwachsen in virtuellen Lebenswelten und zunehmende Aggressivität seien große Risiken. Einfache Lösungen, die sofortigen Erfolg garantieren, gebe es nicht, räumte der Papst ein. Entscheidend sei jedoch, Jugendlichen zuzuhören, ihnen nahe zu sein und ein Stück ihres Lebens zu teilen.
In Anbetracht dessen ermutigte er die Priester, das tiefe existenzielle Unbehagen vieler junger Menschen ernst zu nehmen und zu deuten. Für einen besseren Dialog sollten die Pfarreien verstärkt die Zusammenarbeit mit Schulen sowie mit Fachleuten aus Pädagogik und Humanwissenschaften suchen.
Zum Abschluss wandte sich Leo XIV. besonders an die jüngsten Priester. Vor dem Hintergrund eines sozialen und kirchlichen Umfelds, das er als „schwieriger und weniger lohnend“ beschrieb, warnte er vor der Gefahr, rasch auszubrennen, Frustration anzusammeln und in Isolation zu geraten.
