Pünktlich zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo hat Papst Leo XIV. die internationale Gemeinschaft eindringlich zu einem „olympischen Frieden“ aufgerufen. Unter dem Titel „Das Leben in Fülle: Über die Bedeutung des Sports“ erneuerte das katholische Kirchenoberhaupt seine Forderung nach einer weltweiten Waffenruhe während der Spiele und betonte die verbindende Kraft eines fairen Sports, der die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Zugleich warnte er vor Doping, Korruption und der Überhöhung des Sports zu einer „Ersatzreligion“.
Olympischer Frieden als Leitbild
Noch vor der feierlichen Eröffnung der Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 mit Wettkämpfen in Mailand, Livigno, Cortina d’Ampezzo und Predazzo hatte Papst Leo XIV. das Grundsatzpapier zur Bedeutung des Sports veröffentlicht. Bei den Spielen werden rund 2800 Athletinnen und Athleten aus mehr als 90 Nationen erwartet. In seinem Schreiben ruft das Kirchenoberhaupt die internationale Gemeinschaft eindringlich dazu auf, die olympische Waffenruhe als Zeichen der Hoffnung neu zu beleben und zu respektieren.
Der sportbegeisterte Papst unterstreicht zugleich die Werte eines fairen Wettbewerbs, der Menschen verbindet und nicht allein den Sieg in den Mittelpunkt stellt, sondern die Würde aller Beteiligten achtet. In dem 20-seitigen Dokument hebt Leo den Beitrag des Sports zur Erziehung, Persönlichkeitsentwicklung und zum Frieden hervor und bezeichnet ihn als „Lebensschule und Areopag der Gegenwart“. Deutliche Kritik übt er jedoch an Starkult, „Gamifizierung“, Doping und Korruption. Sport brauche finanzielle Unterstützung, so der Papst, doch „Probleme entstehen dann, wenn das Geschäft zur primären oder ausschließlichen Motivation wird“.
Papst Leo XIV. plädiert zudem erneut für eine Wiederbelebung der antiken Tradition der „olympischen Waffenruhe“. Nach christlichem Verständnis müsse der Mensch in allen Formen des Sports im Mittelpunkt stehen, betont er. Zugleich fordert der Papst einen offenen Zugang zum Sport für alle, die ihn ausüben möchten. Dies, so mahnt er ausdrücklich, gelte auch für die Ausbildung von Ordensleuten, „insbesondere der weiblichen“.
Warnung vor Fanatismus und „Sakralisierung“ des Sports
Wettkämpfe könnten darüber hinaus wichtige Lernfelder sein, so Leo: Das Einhalten von Regeln und das Akzeptieren eigener Grenzen vermittelten Werte, von denen die gesamte Gesellschaft profitiere. An die Fans richtet der Papst ebenfalls klare Worte. Humorvolle Sticheleien seien legitim, warnt er, doch Polarisierung und Gewalt dürften keinen Platz haben. Wo Anfeuern in Fanatismus umschlage, werde das Stadion vom Ort der Begegnung zum Schauplatz der Konfrontation.
Vor diesem Hintergrund warnt Papst Leo XIV. auch vor einer problematischen Überhöhung des Sports. Mit Skepsis stellt das vatikanische Dokument fest, dass sportlichen Großereignissen zunehmend eine „fast religiöse Funktion“ zugeschrieben werde, wenn Stadien als „weltliche Kathedralen“ verklärt würden. Eine solche „Sakralisierung“ schade nicht nur dem Sport selbst, sondern verhöhne zugleich die geistliche Dimension des Lebens. Erhebe der Sport den Anspruch, Religion zu ersetzen, verliere er seinen Charakter als Spiel und als Dienst am Menschen: Er werde absolut gesetzt, alles vereinnahmend und unfähig, sich selbst kritisch zu relativieren.
