Der maronitische Pfarrer Pierre El Raii ist im Süden des Libanon bei einem israelischen Luftangriff ums Leben gekommen. Der Geistliche aus dem Dorf Qlayaa wurde tödlich verletzt, als er einem bei einem ersten Einschlag verletzten Gemeindemitglied zu Hilfe eilte und ein zweiter Angriff das Gebäude traf. Sein Tod versetzt die christlichen Gemeinden der Region unter Schock und steigert die Angst vor weiterer Eskalation. Papst Leo XIV. äußerte unterdessen seine tiefe Trauer über die Opfer der jüngsten Bombenangriffe im Nahen Osten und würdigte besonders den Einsatz des Priesters für andere.
Pfarrer El Raii stirbt beim Versuch zu helfen
Die christliche Gemeinschaft im Libanon steht unter Schock: Der maronitische Pfarrer Pierre El Raii, Seelsorger der Gemeinde im südlibanesischen Qlayaa, ist am Montagnachmittag bei einem israelischen Luftangriff ums Leben gekommen. Der Geistliche wurde getroffen, als er einem verletzten Gemeindemitglied zu Hilfe kommen wollte. Sein Tod gilt für viele als Einschnitt für die christlichen Dörfer im Süden des Landes, deren Bewohner trotz wiederholter Evakuierungsaufrufe bislang in ihrer Heimat ausgeharrt hatten.
Die Nachricht über den Tod des Priesters übermittelte der Franziskaner Toufic Bou Merhi von der Kustodie des Heiligen Landes. Nach seinen Angaben hatte zunächst ein Luftschlag ein Haus nahe der Pfarrei von Qlayaa getroffen und einen Bewohner verletzt. Pfarrer El Raii eilte daraufhin gemeinsam mit mehreren jungen Männern zum Unglücksort, um dem Verletzten zu helfen. Während des Einsatzes traf ein weiterer Luftangriff dasselbe Gebäude, wodurch der Pfarrer schwer verletzt wurde.
Trotz der schnellen Reaktion und dem Transport in ein nahegelegenes Krankenhaus verstarb der Pfarrer „noch fast an der Schwelle des Krankenhauses“, so Pater Toufic. Der erst 50-jährige Geistliche galt als wichtige Stütze der Christen in der Krisenregion und bestärkte sie darin, in ihrer Heimat zu bleiben.
Christliche Gemeinden zwischen Angst, Flucht und Hoffnung
Doch nach seinem Tod verändert sich die Situation dramatisch. Viele Bewohner der christlichen Dörfer im Süden des Libanon hatten ihre Heimat bislang nicht verlassen wollen – trotz wiederholter Evakuierungsaufrufe der israelischen Armee. Nach den jüngsten Einschlägen in zivile Gebiete hat sich die Lage jedoch spürbar verändert. „Die Menschen weinen und haben große Angst“, berichtet Pater Toufic. Viele hatten zuvor entschlossen an ihren Dörfern festgehalten, nun kippt jedoch die Stimmung. Eine Flucht stellt zahlreiche Familien vor enorme Schwierigkeiten: Wegen der schweren Wirtschaftskrise im Land ist es für viele kaum möglich, eine Unterkunft zu finden. Manche Vertriebene haben daher keine andere Wahl, als auf der Straße oder in ihren Autos zu übernachten.
Nach Angaben des Paters sollen allein in Beirut inzwischen rund 500.000 Vertriebene Zuflucht gesucht haben. Weitere etwa 300.000 Menschen haben den Süden des Libanon verlassen, Zehntausende flohen aus der Bekaa-Ebene. Der Franziskaner, der rund 200 Geflüchtete in seinem Konvent betreut, räumt ein, dass sie auf diese Entwicklung kaum vorbereitet gewesen seien. Man habe nicht damit gerechnet, innerhalb kurzer Zeit fast ein Viertel der Bevölkerung aufnehmen zu müssen. Zugleich betont er, dass trotz aller Verzweiflung die Hoffnung nicht verloren gehen dürfe: Das Letzte, was in dieser Situation sterben dürfe, sei die Hoffnung auf den Herrn.
Papst gedenkt der Opfer
Papst Leo XIV. brachte unterdessen seine „tiefe Trauer“ über die Opfer der jüngsten Bombenangriffe im Nahen Osten zum Ausdruck. Die Botschaft des Papstes verbreitete die Pressestelle des Heiliger Stuhl über den Telegram-Kanal. Darin erinnert der Papst an alle Menschen, die in den vergangenen Tagen bei den Angriffen ihr Leben verloren haben, besonders an die Kinder. Nach Angaben von Hilfsorganisationen wie UNICEF und Save the Children wurden seit Beginn der aktuellen Eskalation rund 300 Minderjährige getötet. Sein besonderes Gedenken gilt den vielen Unschuldigen sowie jenen, die anderen zu Hilfe geeilt sind, wie dem getöteten Priester Pierre El Raii.
