StartWirtschaft & PolitikUN-Generalsekretär Guterres warnt vor Destabilisierung der Weltordnung

UN-Generalsekretär Guterres warnt vor Destabilisierung der Weltordnung

UN-Generalsekretär António Guterres hat beim Besuch in Italien zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele 2026 vor einer wachsenden Bedrohung der globalen Stabilität gewarnt. In einem Interview mit der römischen Tageszeitung La Repubblica appellierte er an die Mitgliedsstaaten, sich auf die Grundwerte der UN-Charta zurückzubesinnen. Zugleich warnte er: „In einem Moment, in dem wir die internationale Zusammenarbeit am dringendsten benötigen, scheinen wir am wenigsten geneigt zu sein, in sie zu investieren.“

Internationale Ordnung durch Machtpolitik bedroht

Guterres warnt, dass die Grundlage globaler Zusammenarbeit durch Straflosigkeit, wachsende Ungleichheit und rücksichtslose Machtpolitik ins Wanken geraten ist. Besonders besorgt äußert er sich über die Praxis einiger mächtiger Staaten, das Völkerrecht zugunsten eigener Interessen zu missachten. „Wenn Staaten glauben, ohne Konsequenzen handeln zu können, verliert das gesamte regelbasierte internationale System an Glaubwürdigkeit“, betont der Generalsekretär. Dies sende ein gefährliches Signal, erhöhe das Risiko von Konflikten und bringe menschliches Leid mit sich.

Insbesondere mit Blick auf den Nahostkonflikt unterstreicht Guterres die zentrale Bedeutung der Resolution 2803 des UN-Sicherheitsrates für den Gazastreifen. Er fordert den vollständigen Abzug der israelischen Streitkräfte und die Schaffung eines politischen Rahmens, der langfristig zu einer Zwei-Staaten-Lösung führen könne. Gleichzeitig stellt er klar, dass Initiativen wie das sogenannte „Board of Peace“ die Rolle der Vereinten Nationen bei der Sicherung von Weltfrieden und internationaler Sicherheit nicht ersetzen können.

Auch zum Ukraine-Krieg bezieht Guterres klare Stellung. Angesichts des bevorstehenden vierten Jahrestags der russischen Invasion betont der UN-Generalsekretär, dass jede Friedenslösung die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine respektieren müsse. „Es war Russland, das die Ukraine überfallen hat, nicht umgekehrt“, erinnert er. Besonders besorgt zeigt er sich über Angriffe auf zivile Infrastruktur, die Millionen Menschen in der Kälte ohne Wasser und Strom zurücklassen. Solche Angriffe seien „unentschuldbar und müssen sofort aufhören“, so Guterres.

UNO am finanziellen Abgrund

Ein besonders besorgniserregender Teil des Interviews betrifft die finanzielle Lage der Vereinten Nationen. Guterres warnt vor einem „drohenden finanziellen Zusammenbruch“ der multilateralen Organisation. Grund dafür seien ausstehende oder verspätete Pflichtbeiträge einzelner Mitgliedstaaten sowie eine Haushaltsregel, die nicht verwendete Gelder zurückführen muss. Dies führe zu Einstellungsstopps, Ausgabenkürzungen und gefährde die Umsetzung wichtiger Programme. „Die Krise vertieft sich und bedroht die gesamte Funktionsfähigkeit der UN. Die Mitgliedsstaaten müssen sich entweder auf eine Reform der Finanzregeln einigen oder die reale Aussicht auf den finanziellen Zusammenbruch der UN akzeptieren“, mahnt der UN-Chef.

Die Warnung fällt vor dem Hintergrund, dass die US-Regierung unter Präsident Donald Trump in den vergangenen Monaten die Mittel für einzelne UN-Organisationen gekürzt und einige Pflichtbeiträge verschoben oder ganz ausgesetzt hat.

Guterres schließt mit einem Appell an die internationale Gemeinschaft: Echter Frieden sei nur in einer multipolaren Welt erreichbar, die auf Kooperation statt auf Konfrontation setzt.

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