Wer in den vergangenen Jahren aufmerksam den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verfolgt hat, erkennt ein wiederkehrendes Muster: Christliche Überzeugungen – insbesondere dann, wenn sie selbstbewusst, missionarisch oder öffentlich vertreten werden – geraten zunehmend unter Generalverdacht. Dokumentationen über angeblich „gefährliche“, „sektenhafte“ oder gar „rechtsradikale“ Christen nehmen spürbar zu. Aufklärung gegen den Glauben scheint dabei mitunter wichtiger zu sein als Aufklärung über den Glauben.
Aufgezwungenes Denken statt jahrtausendealter Tradition
Blickt man allein auf die vergangenen Wochen zurück, drängt sich der Eindruck auf, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk zunehmend davor warnt, christlichen Glauben ernst zu nehmen. Die ARD-Dokumentation „Die hippen Missionare – Mit Jesus gegen die Freiheit?“ steht exemplarisch für diese Entwicklung. Bereits Titel und Ankündigung lassen kaum Zweifel an der eingeschlagenen Richtung: Christlicher Glaube wird als potenzielle Bedrohung für Freiheit inszeniert.
Dass es sich bei den porträtierten Gruppen – dem Gebetshaus Augsburg, der Loretto-Gemeinschaft oder der FOCUS-Bewegung – um kirchlich verortete und wachsende Initiativen handelt, überrascht dabei wenig. Nicht selten werden Positionen, die zum Kern christlicher Lehre gehören, subtil oder offen problematisiert: Lebensschutz, das Ideal von Ehe und Familie, die Ehe zwischen Mann und Frau, die Pro-Life-Haltung sowie die Ablehnung von Abtreibung oder assistiertem Suizid. Diese Überzeugungen werden dabei häufig als „erzkonservativ“ oder gar „rechts“ etikettiert.
Doch stellt sich die grundlegende Frage: Ist diese Haltung tatsächlich ein Eingriff in die Freiheit? Was in nahezu allen christlichen Konfessionen über Jahrhunderte hinweg als selbstverständlich galt, sieht sich heute massivem gesellschaftlichem Druck ausgesetzt. In einem Klima, in dem liberale Auffassungen zu Identität, Geschlecht und Sprache als moralischer Maßstab gelten, wird konservatives Denken schnell als Gefahr wahrgenommen. Seit wann aber ist das Christentum ein politischer Extremismus?
Vorurteile statt Recherche
Besonders deutlich wird diese Schieflage in der Kritik von Bischof Stefan Oster. In einer Stellungnahme weist er darauf hin, dass die Dokumentation von einem Freiheitsbegriff ausgeht, der stark individualistisch geprägt ist und Gott allenfalls als private Option duldet. Christliche Freiheit hingegen – verstanden als Bindung an Wahrheit, Verantwortung und Liebe – kommt kaum zur Sprache.
Dass Bischof Oster selbst ausführlich Rede und Antwort stand, seine Aussagen jedoch nur marginal Eingang in den Film fanden, nährt den Verdacht, den er offen ausspricht: Die zentrale Erzählung schien bereits vorab festzustehen. Journalismus jedoch, der Antworten nicht hören will, sondern lediglich Belege für eine vorgefasste These sucht, verfehlt seinen eigenen Anspruch.
Auch das Phänomen der sogenannten „Christfluencer“ wird regelmäßig in ein rechtes oder manipulierendes Licht gerückt. Doch ist es verwerflich, dass Christen soziale Medien nutzen, um ihren Glauben zu erklären oder zu verteidigen? Für manche mag ein digital vermittelter Glaube ungewohnt erscheinen, neu oder verboten ist er keineswegs. Der seliggesprochene Carlo Acutis, oft als „Internet-Apostel“ bezeichnet, zeigt exemplarisch, dass Kirche mit der Zeit gehen kann, ohne ihre Werte preiszugeben. In einer digitalen Gesellschaft ist dieses Recht kein Sonderprivileg, sondern Ausdruck gelebter Religionsfreiheit.
Auffällig bleibt jedoch: Während politische Aktivisten oder Influencer mit liberalen Positionen häufig gefeiert werden, gelten „hippe Missionare“ als potenzielle Gefahr.
Kunst, Provokation und die Entfremdung vom Glauben
Ein weiteres Schlaglicht wirft die Übertragung der Christmette aus St. Maria in Stuttgart. Statt des Jesuskindes wurde eine verstörende Kunstinszenierung präsentiert, die viele Gläubige als respektlos empfanden. Dass Kritik daran reflexhaft als rückständig oder verständnislos abgetan wurde, offenbart eine tieferliegende Problematik.
Der Eindruck entsteht, dass es nicht mehr um Einordnung oder neutrale Berichterstattung geht, sondern um eine unterschwellige Warnung – eine Warnung vor einem Christentum, das in seiner jahrtausendealten Tradition nicht bereit ist, sich dem Mainstream widerspruchslos anzupassen oder sich ins Private zurückzuziehen.
Dass viele Christen darauf, wie es Bischof Oster formulierte, mit einer „Jetzt-erst-recht-Mentalität“ reagieren, ist keine Überraschung, sondern eine logische Konsequenz. Vielleicht liegt hierin eine für manche liberale Milieus unbequeme Wahrheit: Dass wachsende christliche Bewegungen, klare Glaubensüberzeugungen und junge Menschen, sich von der aufgedrängten Denkweise abkehren und die Freiheit wählen. Die Freiheit mit Jesus Christus.
