StartGlaubenWarum Gott loben? Johannes Hartl über die Kraft des Lobpreises

Warum Gott loben? Johannes Hartl über die Kraft des Lobpreises

Warum lobt man Gott eigentlich? Braucht Gott das? Hat der Allmächtige es nötig, von Menschen besungen und gepriesen zu werden? Mit diesen provozierenden Fragen eröffnete der Theologe Johannes Hartl einen Vortrag über den Lobpreis. Schritt für Schritt führte er sein Publikum an das Thema heran und erklärte dessen Dimensionen. Er zeigte, warum Lobpreis nicht von Gott benötigt wird, sondern vielmehr ein Weg ist, die eigene Wahrnehmung zu verändern und eine oft verborgene geistliche Wirklichkeit neu in den Blick zu bekommen.

Hartl illustrierte seine Gedanken zunächst mit einer humorvollen Geschichte: Ein Mann geht zum Psychiater, weil er panische Angst hat, in eine Mausefalle zu geraten. In der Therapie erkennt er schließlich, dass seine Angst unbegründet ist – er ist ja keine Maus. Er verlässt erleichtert die Praxis, doch kaum ist er draußen, läuft ihm eine Katze über den Weg. In Panik rennt er zurück zum Arzt. Dieser erinnert ihn erneut daran, dass er keine Maus sei. Darauf der Patient verzweifelt: „Ja, aber weiß das auch die Katze?“

Durch diese Geschichte zeigte Hartl auf, dass rationales Wissen allein die erlebte Realität noch nicht verändert. Das gelte auch im Glauben, wo es einen Unterschied zwischen dem gebe, was wir wissen, und dem, was wir tatsächlich innerlich wahrnehmen.

Eine höhere Realität in den Blick nehmen

Lobpreis, so Hartl, gehe davon aus, dass es mehr gibt als das Sichtbare. Neben der greifbaren Welt existiere eine geistliche Realität, die spürbar oder sichtbar sei. Lobpreis bedeute, den inneren Blick bewusst auf diese höhere Wirklichkeit zu richten. Es sei ein Akt des Glaubens, eine bewusste Übereinstimmung mit dem, was Gott verheißen hat, betonte Hartl.

Dabei verändere Lobpreis vor allem die Perspektive, erklärte der Theologe, und verwies auf den Hirnforscher Iain McGilchrist. Dieser sage, dass Aufmerksamkeit die Welt verändert. Das bedeute, dass das, worauf wir unseren Fokus richten, unsere Wahrnehmung prägt. Übertragen auf den Glauben heiße das: Wenn der Blick auf Gott gerichtet werde, verändere sich nicht nur die innere Haltung, sondern auch die gesamte geistliche Atmosphäre.

Um diesen Gedanken zu veranschaulichen, zeigte Hartl mit einem Augenzwinkern „erschreckende“ Bilder, die wohl jeder kennt: ein Smartphone mit nur einem Balken Empfang, gefolgt von der Anzeige, dass kein Netz verfügbar ist. Hierzu stellte Hartl klar, dass die Angst, die Verbindung zu verlieren, vielen vertraut sei – und genau diese Erfahrung gebe es auch im geistlichen Leben. Die Verbindung zu Gott sei da, aber nicht immer automatisch erfahrbar. Lobpreis helfe, diese Verbindung bewusst zu „aktivieren“.

Lobpreis verändert die geistliche Atmosphäre

Hartl verwies in diesem Zusammenhang auf Psalm 50: „Wer Dank opfert, verherrlicht mich und bahnt einen Weg.“ Gott brauche den Lobpreis nicht, betonte er. Doch durch Dank und Lob werde dem Menschen ein Weg gebahnt – ein Weg, auf dem die geistliche Wirklichkeit wieder erfahrbar werde.

Besonders eindrücklich sprach Hartl über die Wirkung des Lobpreises auf die Atmosphäre. Eine Haltung der Dankbarkeit und Wertschätzung verändere Beziehungen. Das gelte in Familien ebenso wie in Gemeinschaften. Liebe, so Hartl, beginne dort zu fließen, wo Anerkennung ausgesprochen werde. Gleichzeitig werde die Verantwortung für die geistliche Atmosphäre oft unterschätzt. Frühere Kulturen hätten um diese Zusammenhänge gewusst, hob Hartl hervor, während heute Fürbitte und Lobpreis häufig marginalisiert würden. Stattdessen beklage man sich, ohne die geistlichen Werkzeuge zu ergreifen, die zur Verfügung stünden.

Der geistliche Kampf, so Hartl, beginne im Kopf: Woran richte ich meine Perspektive aus? Lobpreis bedeute, den Blick so lange auf Gott gerichtet zu halten, bis sich die Atmosphäre verändere.

„Stumme Liebe bringt nichts“

Zum Abschluss erzählte Hartl eine weitere Anekdote. Er war gemeinsam mit seinen Eltern zu einer Weinprobe im Burgund eingeladen. Er selbst, so Hartl, habe damals zwischen Rot- und Weißwein unterscheiden können, sei aber kein Weinkenner gewesen, erklärte er schmunzelnd. Beim Weingut verkostete er mit seinen Eltern drei Weine. Der erste war gut, der zweite war auch gut. Beim dritten Wein fragte der Sommelier, was er denn schmecke. Hartl blickte beim Vortrag in die Runde und meinte: „Na ja, nach Wein.“ Erst als der Sommelier begann, den Wein detailliert zu beschreiben, er nannte es eine Frühstücksszene mit Noten von Himbeere, Erdbeere und geröstetem Kaffee, veränderte sich Hartls Wahrnehmung. Plötzlich konnte er genau diese Nuancen schmecken.

Mit dieser Erfahrung schlug Hartl den Bogen zum Lobpreis. Durch Worte wachse die Wahrnehmung. Ein reicher Wortschatz vertiefe die Wertschätzung, betonte er. Das gelte in zwischenmenschlichen Beziehungen ebenso wie im Verhältnis zu Gott. „Von Liebe haben wir nichts, wenn wir sie nicht ausdrücken“, sagte Hartl pointiert. „Stumme Liebe bringt nichts.“ Für ihn steht fest: „Ein Mangel an Worten ist ein Mangel an Liebe.“ Wie viele Autofreunde könnten stundenlang über ihr Auto sprechen, oder wie oft sagten sich Partner, dass sie sich lieben, reflektierte Hartl. Lobpreis bedeute, auch den eigenen Wortschatz für Gott zu erweitern – nicht nur darüber nachzudenken, wie Gott ist, sondern ihm in voller Dankbarkeit laut zu sagen, dass man ihn liebt. Hartl schloss mit einem eindringlichen Appell: „Bleib nicht stehen beim Denken – sag es ihm. Das hat die Kraft, dein Leben zu verändern.“

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1 Kommentar

  1. Das Symbol mit dem Handy und dem Balken kann ich vollends nachvollziehen.
    Wie oft erschrecken wir wenn der Handyakku leer geht. Dabei denke ich mir auch…was soll passieren?
    Das wir mal nicht erreichbar sind ? Das wir mal ein Leben wie früher Leben können?
    In der Regel schadet es sowieso niemanden mal den Fokus auf das Wesentliche zu Legen. Auf das Leben außerhalb von Medien. – Den Fokus auf das Echte Leben!

    Wir sollten nie den Glauben verlieren auch nicht an dunklen Tagen. Auch ich habe obwohl ich bekennender Christ bin Tage wo ich wirklich darüber nachdenke mal nicht zu beten. Dann kommt natürlich sofort der Gedanke zurück das nur Gott mir im Leben helfen kann.

    Meine Familie und ich konnten leider dieses Jahr kein Teil der MEHR sein. Freuen uns aber auf die nächsten Jahre wo wir wieder dabei sein können.

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