Die Verfolgung von Christen erreicht neue Höchststände: Laut dem Weltverfolgungsindex 2026 sind derzeit rund 388 Millionen Christen weltweit einem hohen bis extremen Maß an Gewalt, Diskriminierung und Unterdrückung ausgesetzt. Das sind knapp acht Millionen mehr Christen als noch im Vorjahr. Besonders dramatisch ist die Lage in Syrien, Subsahara-Afrika, Nordkorea und China, wo sowohl körperliche Gewalt als auch subtile staatliche Restriktionen das Ausleben des Glaubens zunehmend unmöglich machen.
Weltverfolgunsindex: Christen in Syrien zunehmend unter Druck
Besonders dramatisch verschärfte sich die Lage in Syrien. Nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 hatten viele Beobachter noch auf eine Atempause für die christliche Minderheit gehofft. Doch stattdessen berichten Hilfsorganisationen wie Open Doors von einer verheerenden Kehrtwende. Während im Vorjahr keine Christen wegen ihres Glaubens getötet wurden, waren es im aktuellen Berichtszeitraum mindestens 27 Christen. Verheerend war unter anderem der Selbstmordanschlag auf die griechisch-orthodoxe Mar-Elias-Kirche in Damaskus im Juni 2025, bei dem 22 Gläubige ums Leben kamen.
Zudem wurden in mehreren Regionen des Landes Kirchen und kirchliche Einrichtungen attackiert und christliche Schulen geschlossen. Der Druck versetzte viele Gläubige derart in Angst, dass sie sich nicht mehr trauten, Gottesdienste zu besuchen. „Wenn der Schutz durch den Staat zusammenbricht und extremistische Ideologien die Lücke füllen, zahlen religiöse Minderheiten den Preis dafür. Die Welt darf nicht wieder wegsehen“, warnt Kurt Igler, Geschäftsführer von Open Doors Österreich.
Subsahara-Afrika: Gewalt und Vertreibung auf Rekordniveau
Neben Syrien bleibt auch Subsahara-Afrika eine der Regionen mit der stärksten Verfolgung von Christen. Auf dem Weltverfolgungsindex 2026 sind gleich 14 Länder der Region aufgeführt. Besonders hoch ist laut Open Doors die Gewaltbelastung aktuell im Sudan, in Mali und Nigeria. Dort sind Christen sowohl im Fadenkreuz staatlicher Truppen als auch militanter Gruppen. Im Norden Nigerias sind vorwiegend islamistische Radikale für wiederholt schwere Anschläge und Massaker verantwortlich.
Open Doors beobachtet ein wiederkehrendes Muster: Schwache Regierungen hinterlassen Machtvakuums, die von militanten Islamisten ausgefüllt werden. Ungehindert operieren diese Gruppen unter anderem in Burkina Faso, Mali, der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, Somalia, Niger und Mosambik. In dieser Region sind derzeit mehr als 16 Millionen Christen auf der Flucht.
Weltweit wurden laut Index mindestens 4.849 Christen im Zusammenhang mit ihrem Glauben ermordet. Das ist ein enormer Anstieg gegenüber 4.476 im Vorjahr. Allein in Nigeria seien innerhalb eines Jahres 3.490 Christen getötet worden.
Unterdrückung und Kontrolle treiben Christen in den Untergrund
An der Spitze der Verfolgung steht Nordkorea, wo Christen als „Staatsfeinde Nummer eins“ gelten. Dort wird der christliche Glaube vom Regime als existenzielle Bedrohung betrachtet und brutal unterdrückt. Zehntausende sollen in Arbeitslagern gefangen sein, wo systematische Folter und Hinrichtungen an der Tagesordnung stehen.
Doch die Unterdrückung beschränkt sich nicht nur auf Gewalt: Subtile Formen der Repression nehmen ebenfalls zu. Schon Kinder werden in der Schule zu Außenseitern oder Sündenböcken, weil sie gläubig sind. Im vergangenen Jahr schloss die Regierung eine christliche Facebook-Gruppe mit mehr als 50.000 Mitgliedern. Experten schätzen, dass rund 75 Prozent der Christen in Nordkorea keine Verbindung mehr zu einer Gemeinde haben. Auch in China verstärkt sich der Druck auf Gläubige, die zunehmend kontrolliert und überwacht werden.
Christen werden durch wachsende staatliche Restriktionen immer stärker in den Untergrund gedrängt. Wer sich den Vorgaben nicht beugt, riskiert Kriminalisierung und Repression. Besonders problematisch ist dabei die Rolle des Internets: Immer mehr digitale Angebote für den Glauben, wie Bibel-Apps oder Online-Gruppen, werden verboten und überwacht.
