In einer Heiligen Messe im Rahmen der Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz rief der Wiener Weihbischof Franz Scharl zu einer großzügigen Haltung der Vergebung auf. In seiner Predigt betonte er, dass die christliche Pflicht zu vergeben – wie im Gleichnis Jesu vom unbarmherzigen Gläubiger – neues Leben eröffne und eine „Vorform von Auferstehung“ sei. Die Bischöfe tagen noch bis Donnerstag und nahmen bereits die weltweite Christenverfolgung in den Blick.
Vergebung als Weg zu neuem Leben
Christen sind nach den Worten des Wiener Weihbischofs Franz Scharl zu einer großzügigen Haltung der Vergebung aufgerufen. Gott begegne den Menschen selbst mit großer Barmherzigkeit; daher sei auch das Vergeben gegenüber anderen ein zentraler Auftrag des Evangeliums, betonte Scharl. Die Bereitschaft zur Versöhnung, wie sie Jesus im Gleichnis vom unbarmherzigen Gläubiger aufzeige, eröffne neues Leben und könne als eine „Vorform von Auferstehung“ verstanden werden. Wer in dieser Haltung auf dem Weg des Evangeliums bleibe, dessen Leben werde gesegnet sein.
Als eindrucksvolles Beispiel für eine solche Haltung nannte der Weihbischof die 2013 verstorbene Künstlerin und Schriftstellerin Ceija Stojka. Die Angehörige der Lovara-Roma überlebte als Kind drei nationalsozialistische Konzentrationslager. In ihren später verfassten Gebeten komme zum Ausdruck, dass sie sogar ihren Peinigern vergeben habe, sagte Scharl. In der Österreichischen Bischofskonferenz ist er für die Anliegen von Roma, Sinti und Jenischen zuständig.
Die Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz hat am Montag im oststeirischen „Haus der Frauen“, einem kirchlichen Bildungs- und Seminarzentrum, begonnen und dauert noch bis Donnerstag. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem der von Papst Franziskus angestoßene weltweite Synodalprozess sowie innerkirchliche Fragen. Diskutiert werden dabei auch die Rolle der Frau in der Kirche und die Neuverteilung inhaltlicher Zuständigkeiten innerhalb der Bischofskonferenz. Darüber hinaus befassen sich die Bischöfe mit gesellschaftspolitischen Themen wie Armut im Zusammenhang mit der Budgetkonsolidierung, Bildungsfragen und dem Engagement von Laien in der Kirche.
Christen als „meistverfolgte Religionsgesellschaft“
Bereits zum Auftakt der Vollversammlung am Montag stand die weltweite Verfolgung von Christen im Mittelpunkt. In dem von Weihbischof Franz Scharl vorbereiteten Studienteil wies der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl, Gastgeber des Treffens, darauf hin, dass Christen derzeit die „meistverfolgte Religionsgesellschaft“ seien. Das Thema finde vielfach zu wenig Beachtung, weshalb die Bischöfe bewusst den Blick auf Menschen richteten, die unter Intoleranz, Diskriminierung und Verfolgung leiden. Aufgabe der Kirche sei es in dieser Situation, „das zu tun, was wir immer tun können: beten, aufmerksam machen, gemeinsam unterwegs sein und den Menschen helfen, die oft unschuldig betroffen sind“, so Krautwaschl.
Liturgischer Höhepunkt der Vollversammlung ist eine Festmesse am Mittwochabend in der Pfarrkirche von Pischelsdorf, zu der alle Gläubigen eingeladen sind. Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner steht der Eucharistiefeier vor, die Predigt hält der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl. Für den neuen Wiener Erzbischof ist es die erste Vollversammlung der Bischofskonferenz seit seiner Bischofsweihe und Amtsübernahme im Januar.

Vergebung ist ein großes Wort. Ich bin selbst in einer Situation gewesen wo ich mich entscheiden musste einer Person zu vergeben. Leider merke ich aber auch heute noch wie ich manchmal Gedanken bekomme, ob es das richtige war. Ist es in Ordnung gewesen dieser Person zu vergeben.
Gewiss ist das Verhältnis nicht mehr das gleiche wie vorher, aber darauf kommt es meiner Meinung nach nicht an. Vergeben ist das eine. Vertrauen allerdings das andere. Vertrauen kommt nicht einfach wieder zurück und man kann das nicht mehr genau so weiterführen wie es vor dem Verrat war.
Allgemein schätze ich gibt es viele Situationen in denen wir vergeben müssen. Egal ob es sich um kleine Dinge oder um große Dinge handelt, wir müssen das lernen und soetwas geschieht nicht von jetzt auf gleich.