Erneut sieht sich das Christentum in öffentlich-rechtlichen Medien einer einseitigen und problematischen Darstellung ausgesetzt. Nach Debatten um die „hippen Missionare“ und die fragwürdige Inszenierung der Weihnachtskrippe in der Fernseh-Christmette hat nun eine „logo!“-Sendung des ZDF für Empörung gesorgt: Während der Beitrag zum Ende des Ramadan fröhlich und lebensnah gestaltet war, präsentierte das folgende Video über die Geschichte des Christentums in Deutschland ausschließlich negative Bilder. Die Reaktion der Redaktion gegenüber CNA Deutsch: eine Ankündigung einer internen Prüfung und die Bezeichnung der Darstellung als „unglückliche Programmkombination“.
„Logo!“-Sendung mit unausgewogener Gegenüberstellung von Religionen
„Rückblickend erkennen wir, dass diese Programmierung unglücklich war“, reagiert ZDF-Kommunikationsmitarbeiterin Mailin Erlinger auf die problematische Abfolge der beiden Beiträge in der „logo!“-Sendung, die unweigerlich einen Vergleich zwischen Islam und Christentum zieht. Zwar sei eine „solche Wirkung keinesfalls intendiert“ gewesen und eine interne Prüfung angekündigt, doch bleibt unklar, wie Konsequenzen für die wiederholt einseitige Darstellung des Christentums gezogen werden sollen. Die direkte Gegenüberstellung ließ bei jungen Zuschauern jedoch den Eindruck entstehen, der Islam werde positiv, das Christentum hingegen negativ dargestellt.
In dem Kindernachrichtenformat „logo!“ folgte auf den Bericht über das Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan ein Erklärvideo über die Geschichte des Christentums in Deutschland. Dabei wurde der Ramadan-Beitrag überwiegend familienfreundlich gestaltet und wirkte beinahe wie eine Werbung. Es wurden reale Familien mit glücklichen Kindern gezeigt, die Süßigkeiten erhielten.
Düstere Darstellung des Christentums im ZDF
Der anschließende Beitrag über das Christentum hingegen hätten einen düsteren Unterton, schrieb der ehemalige ZDF-Hauptstadtkorrespondet Thorsten Alsleben in einem förmlichen Beschwerdebrief. So wurden keine echten Menschen gezeigt, sondern historische Malereien, die zum Teil bedrohlich wirkten. Auch ein diabolisch klingendes Lachen sei im Hintergrund zu hören und der Beitrag mit einem „furchteinflösenden historischen Höllenbild“ untermalt. Den Höhepunkt der fragwürdigen Inszenierung bildete allerdings die Einblendung von drei klar als Geistliche erkennbaren Figuren, versehen mit den Schlagworten „Fehler“, „Verbrechen“ und „nicht modern“. Abgeschlossen wurde der Beitrag mit dem Hinweis, dass man auf der Internetseite der Sendung weitere Informationen „zu diesen Verbrechen“ nachlesen könne – eine Formulierung, die bei den jungen Zuschauern eine negative Haltung gegenüber dem Christentum fördert.
Auch wenn es, womöglich wirklich nicht die Absicht der Redaktion war, entstand der Eindruck, dass der Islam fröhlich und freundlich sei, das Christentum, insbesondere die Kirche, hingegen strafend und furchterregend. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) übt deutliche Kritik an der Sendung, denn der Beitrag über Kirchenaustritte begründete diese mit historischen Drohungen wie der Hölle, Verbrechen an Kindern und mangelnder Modernität. DBK-Pressesprecher Matthias Kopp erklärte gegenüber der Agentur IDEA, dass der Beitrag dem komplexen Thema in keiner Weise gerecht werde. Die herangezogenen historischen Zusammenhänge seien inhaltlich nicht belastbar und ließen die Fakten verkehrt erscheinen.
