Vatikan

Kreuzweg am Kolosseum: 20.000 Menschen beten mit Fackeln und Kerzen

Papst Franziskus konnte zum dritten Mal in Folge nicht persönlich an der traditionsreichen Via Crucis, dem „Weg des Kreuzes“, teilnehmen – und doch war er präsent. Wie schon im Vorjahr

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Kreuzweg am Kolosseum: 20.000 Menschen beten mit Fackeln und Kerzen
(c) Bildnachweis: Screenshot | YouTube | K-TV Katholisches Fernsehen

Papst Franziskus konnte zum dritten Mal in Folge nicht persönlich an der traditionsreichen Via Crucis, dem „Weg des Kreuzes“, teilnehmen – und doch war er präsent. Wie schon im Vorjahr verfasste Franziskus die Meditationstexte zu den 14 Stationen. Etwa 20.000 Gläubige fanden sich mit Fackeln und Kerzen ein, um den Kreuzweg am Kolosseum, begleitet von Sängern des päpstlichen Kirchenchores, der Sixtinischen Kapelle, mitzubeten.

Große Teilnahme sorgt für stimmungsvolle Andacht

Anstelle von Papst Franziskus übernahm Kardinal Baldassare Reina, Generalvikar des Bistums Rom, die Leitung der liturgischen Feier. Der Kreuzweg führte durch fünf Stationen im Inneren des Kolosseums und neun Stationen im Außenbereich. Kardinal Reina trug das Kreuz zu Beginn und am Ende des Kreuzweges. Auch Freiwillige des Heiligen Jahres trugen das Kreuz. Vor der Kulisse des antiken Amphitheaters zählt der Kreuzweg zu den stimmungsvollsten Andachten des römischen Kirchenjahres. Die rund 20.000 Menschen, die mit Fackeln sowie Kerzen ausgestattet waren und den Kreuzweg mitbeteten, rundeten das Bild ab. Zudem verfolgten Millionen Zuschauer die „Via Crucis“ über verschiedene Medien.

Papst Franziskus nahm aufgrund einer erst kürzlich überstandenen Atemwegsinfektion nicht an der Feier teil und setzte seine Schonung fort. Bereits am Gründonnerstag verzichtete er auf die Teilnahme an den beiden Gottesdiensten. Jedoch besuchte er das römische Gefängnis Regina Coeli und traf dort 70 Inhaftierte. In einem Interview äußerte sich der leitende Chirurg der Gemelli-Klinik, Sergio Alfieri, der den Pontifex während des Klinikaufenthaltes behandelte, über den Genesungsprozess. Demnach mache sein Patient Fortschritte, „die unser aller Erwartungen übertreffen“. Papst Franziskus ziehe es stattdessen immer mehr aus seiner Wohnstätte hinaus.

Am Nachmittag des Karfreitags fand im Petersdom die Liturgie vom Leiden und Sterben Christi statt. Daran nahmen 4.500 Menschen teil, darunter der US-Vizepräsident JD Vance samt Familie. Das Weiße Haus gab bekannt, dass der Vizepräsident über Ostern nach Italien reisen werde, um Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zu treffen. Zunächst wurde das Treffen vom Vatikan nicht bestätigt, doch am heutigen Samstag findet es statt. Eine Begegnung mit Papst Franziskus ist nicht geplant.

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Kreuzweg am Kolosseum seit 1964

Papst Paul VI. führte den Kreuzweg am Kolosseum im Jahr 1964 wieder ein. Nicht immer wurde der Meditationstext vom Papst selbst verfasst. Im Laufe der Jahrzehnte lud der jeweilige Papst verschiedene Persönlichkeiten ein, die Meditationen zu den Stationen zu verfassen. Der Kreuzweg gehört zu den eindrücklichsten Zeichen des katholischen Glaubens. Die Andacht erinnert an das Leiden und Sterben Christi. Auch wenn die „Via Crucis“ mit der Grablege endet, bedeutet der Karfreitag für Christen nicht das Ende, sondern ist der Beginn der Hoffnung auf Auferstehung.

Für Papst Franziskus ist der Kreuzweg ein Gebet in Bewegung. Wie er wörtlich sagte: ein Weg, der „unsere gewohnten Pfade unterbricht“, um von Müdigkeit zur Freude zu gelangen. Dabei sei die Hingabe Jesu das zentrale Motiv. In einer berechnenden Welt habe die Freigebigkeit einen hohen Preis. Aber genau hier blühe das Leben neu auf, so Franziskus. Städte, die von Konflikten und Parteien gespalten seien, könnten sich der Versöhnung nähern. Eine „verdorrte Religiosität“ finde neue Fruchtbarkeit. So könne selbst ein „Herz aus Stein“ zu einem „Herz aus Fleisch“ verwandelt werden, betonte der Pontifex, dessen Worte auf die aktuelle Weltlage gerichtet sind. In einer Zeit, in der globale Konflikte, soziale Ungerechtigkeit und geistliche Erschöpfung das Leben vieler Menschen prägen, bekommt sein Aufruf eine noch größere Bedeutung:

„Wir brauchen bloß auf die Einladung zu hören: ‚Komm und folge mir nach!‘ – und jenem liebevollen Blick vertrauen.“

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Redakteur / Autor bei GodMag.

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