Heute, am 30. November, feiert die Kirche den Gedenktag des Apostels Andreas, des Bruders des Petrus und des ersten Jüngers, den Jesus berief. Seine Geschichte ist besonders ergreifend, weil sie so menschlich ist. Als einfacher Fischer geboren – zum Apostel und Märtyrer geworden. Ein Vorbild tiefer Hingabe und des Vertrauens, der sein Leben dem Lamm Gottes weihte. In seinem Wirken verkörperte Andreas die pure Freude der Nachfolge – eine Freude, die so stark war, dass sie auch in Zeiten des Leids und kurz vor seinem Tod noch hell erstrahlte. Eine Freude, die inspiriert.
Vom Fischer zum Menschenfischer: Die Wurzeln am See Genezareth
Andreas stammte aus Bethsaida, einem kleinen Dorf am See von Genezareth, und wuchs mit seinem Bruder Simon in einfachen Verhältnissen auf. Mit der Fischerei verdienten sie sich ihren Lebensunterhalt. Andreas lebte in der frommen Erwartung der jüdischen Propheten: Der Messias würde kommen, um das Volk zu erlösen. Er war bei weitem kein Gelehrter, sondern ein einfacher Mann des Glaubens, der als Anhänger von Johannes dem Täufer galt. „Siehe, das Lamm Gottes!“, rief Johannes bei der ersten Begegnung mit Jesus, und Andreas folgte diesem Ruf ohne Zögern.
Ab diesem Moment wurde Andreas der Protokletos – der Erste Berufene. Er verbrachte Stunden mit Jesus, erkannte in ihm den verheißenen Messias und eilte zu seinem Bruder: „Wir haben den Messias gefunden!“ (Joh 1,41). Gemeinsam mit Simon Petrus verließ er seine Heimat und folgte Jesus in stiller Hingabe.
Nach der Auferstehung Jesu und Pfingsten wurde Andreas zum Menschenfischer, wie Jesus es versprochen hatte (Mt 4,19). Auch wenn Andreas in den Evangelien nur selten erwähnt wird, ist jede Erwähnung von tiefer Menschlichkeit geprägt. So war er es, der bei der Speisung der 5000 den Jungen mit den fünf Broten und zwei Fischen bemerkte und Jesus darauf hinwies: „Was ist das für so viele?“ (Joh 6,9). In seiner Bescheidenheit und seinem Realismus erkannte er die Knappheit der Mittel, doch er vertraute auf die Wunder Jesu.
Das Martyrium des Apostels Andreas in Patras
Andreas, ein unermüdlicher Missionar, predigte in Kappadokien, Galatien, Bithynien, Thrakien, Makedonien und Achaia – Regionen, die von Heidentum und Verfolgung geprägt waren. Er heilte Kranke und bekehrte Tausende und säte den Samen des Evangeliums. Ein besonderes Ereignis ereignete sich in Griechenland, wo er der Legende nach in Patras die Frau des Statthalters Ägeas, Maximilla, heilte und bekehrte. Ihre Bekehrung weckte den Zorn des Ägeas, der Andreas geißeln und an ein X-förmiges Kreuz binden ließ. Doch selbst an das Kreuz gebunden predigte Andreas zwei Tage. „Freue dich, du Kreuz, du bist geheiligt durch den Leib Christi und geschmückt wie mit Blumen von seinen Gliedern!“, rief er aus. Ägeas, verhöhnt und von Wahnsinn geschlagen, starb kurz darauf, während Maximilla Andreas ehrenvoll bestattete. Dieses Martyrium am 30. November 60 n. Chr. ist ein Triumph der Liebe über den Hass.
Das Andreaskreuz: Symbol der Hoffnung und Einheit
Das X-förmige Kreuz, an das Ägeas Andreas binden ließ, wird Andreaskreuz genannt. Als Patron von Schottland findet sich das Kreuz im schottischen Wappen wieder. Doch auch in der Union Jack und als Verkehrsschild ist das Andreaskreuz heute weltweit an Bahnübergängen in Gebrauch. Andreas, dessen Reliquien 357 nach Konstantinopel überführt wurden, gilt als Gründer des Bischofssitzes in Konstantinopel. Der Patriarch von Konstantinopel sieht sich als seinen Nachfolger, so wie der Papst als Nachfolger Petri. Einige Reliquien ruhen heute in Amalfi, wo sie das sogenannte „Manna des heiligen Andreas“ – eine bernsteinfarbene Substanz – absondern sollen.
Als Patron von Russland, Schottland, Griechenland, Spanien und Städten wie Mailand, Neapel und Brügge schützt Andreas Fischer, Seilmacher und all jene, die in den stürmischen Gewässern des Lebens navigieren. Päpste wie Johannes Paul II. und Benedikt XVI. betonten seine Rolle als Brückenbauer zwischen Ost und West, als Symbol der Einheit der Kirchen. In Zeiten der Spaltung, wie im Ukraine-Krieg, ruft seine Fürsprache uns zur Hoffnung auf.
