Nach dem außerordentlichen Konsistorium der vergangenen Woche reißt die Kritik der Kardinäle am synodalen Kurs nicht ab. Während zunächst Kardinal Joseph Zen deutliche Vorbehalte gegen Ablauf und Steuerung der Weltsynode zur Synodalität äußerte, melden sich nun weitere Mitglieder des Kardinalskollegiums zu Wort. In Gesprächen mit dem Catholic Herald äußern sie Zweifel am Grundverständnis von Synodalität. Dabei verweisen sie ausdrücklich auf den deutschen Synodalen Weg als problematischen Hintergrundfaktor.
Grundsätzliche Zweifel am synodalen Verständnis
Kardinal Joseph Zen übte Kritik am synodalen Kurs der Kirche und stellte den lehramtlichen Status des Abschlussdokuments der Synodalitätssynode grundsätzlich infrage. Zwar werde das Dokument offiziell dem Lehramt zugerechnet, entfalte jedoch keine verbindliche normative Kraft. Dadurch werde nach Zens Auffassung die Einheit von Lehre und Praxis relativiert, da deren Umsetzung je nach „unterschiedlichen Kontexten“ variieren könne.
Ähnlich kritisch äußerten sich Mitglieder des Kardinalskollegiums zum synodalen Grundverständnis, wie der Catholic Herald später unter Berufung auf Gespräche mit mehreren Kardinälen berichtete. Ein hochrangiger afrikanischer Kardinal sprach demnach von erheblicher Unsicherheit darüber, was im kanonischen Sinn überhaupt unter einer Synode zu verstehen sei. Die derzeitige Praxis stelle einen Bruch mit der herkömmlichen Auffassung dar, wonach Synoden Versammlungen von Bischöfen zur Beratung des Papstes seien. Die unter Papst Franziskus erfolgte Einbeziehung von Laien, Ordensleuten und Priestern sei „eine andere Ebene als das, was traditionell unter Synode verstanden wird“.
Deutscher Synodaler Weg als Belastungsprobe
Besonders zugespitzt richtet sich die Kritik auf den deutschen Synodalen Weg. Ein hochrangiger afrikanischer Kardinal machte deutlich, dass es erhebliche Unsicherheiten darüber gebe, was im kirchenrechtlichen Sinn als Synode gelten könne. In der kirchlichen Debatte schwinge stets der deutsche Sonderweg mit, der aus Sicht mehrerer Kardinäle weiterhin erhebliche Probleme verursache. Zugleich warnte der Kardinal davor, dass ein nicht klar definierter synodaler Prozess zur Bildung einflussreicher Interessengruppen führen könne, in denen Laien, Priester, aber auch Bischöfe und Kardinäle maßgeblichen Einfluss ausübten.
Unterstützung erhielt diese Einschätzung von Kardinal Gerhard Müller, dem ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation. Er betonte, das neue synodale Modell habe keinen normativen Charakter, sondern stelle lediglich eine methodische Vorgehensweise dar. In dieser Form leiste es dem Papst nicht in erster Linie als Bischof von Rom, sondern höchstens in seiner Funktion als Diözesanbischof Unterstützung.
Wie tief die Vorbehalte reichen, machte schließlich ein nicht namentlich genannter Kardinal deutlich: „Dieser ganze synodale Stil macht für mich einfach keinen Sinn.“
