StartVaticanVatikan warnt vor intellektuellem Hochmut: Kardinal Fernández ruft zu Demut auf

Vatikan warnt vor intellektuellem Hochmut: Kardinal Fernández ruft zu Demut auf

Zum Auftakt der Plenarsitzung des Dikasteriums für die Glaubenslehre hat Präfekt Kardinal Victor Manuel Fernández vor den Gefahren von Hochmut in Religion und Denken gewarnt. In einer eindringlichen Eröffnungsmeditation mahnte der argentinische Kardinal, dass das Bewusstsein für die eigenen Grenzen und die Bereitschaft, Gott und anderen zuzuhören, essenziell seien, um historische Fehler wie die Exzesse der Inquisition, die Weltkriege oder aktuelle Konflikte nicht zu wiederholen. Besonders kritisierte er die heutige Internetkultur, in der Menschen oft ohne theologische Ausbildung Urteile mit dem Anspruch auf Unfehlbarkeit äußerten.

Kardinal Fernández warnt vor Selbstüberschätzung

Bei der Plenarsitzung des Dikasteriums für die Glaubenslehre hat Kardinal Victor Manuel Fernández die Teilnehmer zu einem „gesunden Realismus“ aufgerufen. Scharf kritisierte der argentinische Kardinal die heutige Internetkultur: „Auf unzähligen Blogs äußern Menschen, oft ohne theologische Vorbildung, Meinungen und fällen Urteile, als sprächen sie ‚ex cathedra‘ – mit dem Anspruch auf unfehlbare Wahrheit.“

Fernández warnte, dass dieses Selbstvertrauen in die eigene Sichtweise in die Irre führen könne. Wer seine eigenen Grenzen vergesse, laufe Gefahr, in einen „furchtbaren Trugschluss“ zu geraten. Dieser Trugschluss, so der Kardinal, habe in der Geschichte immer wieder zu Katastrophen geführt, darunter die „Exzesse der Inquisition, die Weltkriege, die Shoah und die Massaker im Gazastreifen“. Diese Verbrechen seien oft mit „trügerischen Argumenten“ gerechtfertigt worden, weil man sich der eigenen Sichtweise zu sicher war.

„Das Problem ist, dass dasselbe in unser aller Leben passieren kann“, warnte Fernández. „Wir wiederholen diesen Betrug, wenn wir zu sicher in dem leben, was wir zu wissen glauben.“ In diesem Zusammenhang betonte der Präfekt, dass es die Arbeit der Kirche erfordere, die Realität stets mit einer Haltung des Zuhörens zu reflektieren und zu analysieren.

„Wir müssen nachdenken, überlegen, die Realität analysieren, aber dabei anderen zuhören und ihre Perspektiven annehmen, die es uns ermöglichen, dank anderer Sichtweisen andere Aspekte der Realität selbst wahrzunehmen“, so Kardinal Fernández wörtlich.

Technologie kann Grenzen des Verstandes nicht überwinden

Kardinal Fernández erinnerte an die Worte von Papst Leo XIV., dass „niemand die ganze Wahrheit besitzt“. Alle Gläubigen seien aufgerufen, die Wahrheit demütig und gemeinsam zu suchen. Eine Kirche, die sich nicht in sich selbst verschließe, müsse Gott zuhören, um auf dieselbe Weise auch allen Menschen zuhören zu können. Zugleich betonte der Präfekt, dass heutige Theologen meist nur begrenzte Kenntnisse in einer bestimmten theologischen Disziplin oder einem isolierten Thema hätten. Die Geheimnisse des Glaubens seien jedoch in einer „kostbaren Hierarchie“ miteinander verbunden, in der die zentralen Wahrheiten das Herzstück des Evangeliums erleuchteten. Zwar habe Gott dem Menschen die Fähigkeit zum universellen Denken geschenkt, doch dies bedeute nicht, dass der Mensch die Realität in ihrer Gesamtheit oder in allen Aspekten erfassen könne.

„An dieser Stelle richtete der Kardinal den Blick auch auf die Technologie: Selbst die leistungsfähigste Technik könne den menschlichen Verstand nicht befähigen, die Realität in ihrer Gesamtheit zu erfassen“, warnte der Präfekt. „Das ist nur Gott möglich“, mahnte Fernández.

Gerade in einer Zeit rasanten wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts sei es besonders wichtig, sich der eigenen Grenzen bewusst zu bleiben. Andernfalls laufe die Menschheit Gefahr, „denselben Irrtum zu begehen, der zu den Exzessen der Inquisition, den Weltkriegen, zum Judenmord im Dritten Reich und jüngst zu den Massakern in Gaza geführt hat.“

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1 Kommentar

  1. Man muss sich einfach selbstreflektieren und sich auch mal seine Fehler eingestehen. Keiner ist Perfekt aber man kann an allem arbeiten.

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