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Abtreibung bis zur Geburt möglich? – Massachusetts lockert Regeln für Spätabtreibungen

Freiheit als Begründung für Abtreibung bis zur Geburt? Massachusetts hebt die bisherige Grenze für Spätabtreibungen nach der 24. Schwangerschaftswoche auf. Gouverneurin Maura Healey spricht von „reproduktiver Selbstbestimmung“.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Abtreibung bis zur Geburt möglich? – Massachusetts lockert Regeln für Spätabtreibungen
(c) OsloMetX - pixabay user_id:7322944

Der US-Bundesstaat Massachusetts hat den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen deutlich ausgeweitet. Gouverneurin Maura Healey unterzeichnete ein Gesetz, das die bisherige Begrenzung von Abbrüchen nach der 24. Schwangerschaftswoche aufhebt. Künftig soll ein Arzt auf Grundlage seines professionellen Urteils entscheiden können, ob ein später Schwangerschaftsabbruch medizinisch vertretbar ist. Die Neuregelung stößt auf scharfe Kritik von Lebensschutzorganisationen und der katholischen Erzdiözese Boston, die vor Abtreibungen bis unmittelbar vor der Geburt warnen.

Spätabtreibung als Freiheit?

Der US-Bundesstaat Massachusetts hat die Regelungen für Schwangerschaftsabbrüche nach der 24. Schwangerschaftswoche deutlich gelockert. Bislang waren solche Eingriffe nur unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen erlaubt – etwa wenn das Leben oder die körperliche beziehungsweise psychische Gesundheit der Mutter gefährdet war oder beim ungeborenen Kind eine tödliche oder besonders schwere Diagnose vorlag.

Diese Vorgaben entfallen nun. Künftig kann ein Arzt auf Grundlage seines „professionellen Urteils“ über einen Schwangerschaftsabbruch nach der 24. Woche entscheiden. Eine feste zeitliche Obergrenze sieht die Neuregelung nicht mehr vor.

Gouverneurin Maura Healey verteidigte das Gesetz als Stärkung der reproduktiven Selbstbestimmung. „Echte Freiheit“ bedeute, dass Entscheidungen über die eigene Gesundheit bei Frauen und ihren Ärzten liegen müssten und „nicht bei der Regierung“, schrieb die Demokratin auf X.

Healey betonte zugleich, Frauen und ihre Familien sollten in Massachusetts nicht gezwungen sein, für einen Schwangerschaftsabbruch in einen anderen Bundesstaat zu reisen, wenn die entsprechende medizinische Versorgung auch im eigenen Bundesstaat möglich sei. Die Neuregelung erfolge vor dem Hintergrund „beispielloser Angriffe auf reproduktive Rechte im ganzen Land“, erklärte die Gouverneurin.

Massachusetts ist damit der zehnte US-Bundesstaat, der die gesetzlichen Vorgaben für Schwangerschaftsabbrüche in der späten Schwangerschaft lockert. Die Entscheidung fällt in eine weiterhin stark polarisierte Debatte über das Abtreibungsrecht in den USA.

Abtreibungsdebatte auch auf Bundesebene

Seit der Aufhebung des Grundsatzurteils „Roe v. Wade“ durch den Obersten Gerichtshof im Juni 2022 regeln die US-Bundesstaaten den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen zunehmend unterschiedlich. Während einige Staaten ihre Gesetze lockern, haben insbesondere republikanisch regierte Bundesstaaten im Süden den Zugang stark eingeschränkt oder Abtreibungen weitgehend verboten.

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Auch auf Bundesebene verschärft sich die Auseinandersetzung. Lebensschutzorganisationen drängen den neuen US-Justizminister Todd Blanche, die angekündigte Prüfung des Versands des Abtreibungsmedikaments Mifepriston voranzutreiben. Blanche hatte erklärt, die Regierung arbeite daran, den Versand entsprechender Medikamente per Post zu unterbinden.

Im Zentrum des Streits steht der sogenannte Comstock Act aus dem Jahr 1873. Ein Gutachten des Justizministeriums aus dem Jahr 2022 kam zu dem Schluss, dass das Gesetz den Postversand von Medikamenten, die für Schwangerschaftsabbrüche eingesetzt werden können, nicht grundsätzlich untersagt. Abtreibungsgegner vertreten dagegen die Auffassung, dass der weiterhin geltende Comstock Act einen solchen Versand verbiete. Blanche war am 8. August vom US-Senat mit 50 zu 49 Stimmen bestätigt worden und trat zwei Tage später sein Amt als Justizminister an.

Scharfe Kritik an neuer Regelung

Die Lockerung der Abtreibungsregeln in Massachusetts stößt auf heftigen Widerstand von Lebensschutzorganisationen, Republikanern und der katholischen Kirche. Kritiker sprechen von einer faktischen Freigabe von Schwangerschaftsabbrüchen bis zur Geburt.

Myrna Maloney Flynn, Präsidentin von „Massachusetts Citizens for Life“, warnte, künftig könne ein einzelner Arzt über einen Abbruch entscheiden, selbst wenn das ungeborene Kind bereits lebensfähig sei. Die republikanische Abgeordnete Alyson Sullivan-Almeida bezeichnete die Neuregelung als einen „sehr traurigen Tag“ für Massachusetts.

Auch die Erzdiözese Boston reagierte scharf. Das Gesetz sei ein „schwerwiegender Eingriff in die Unantastbarkeit und Würde jedes Menschen“, erklärte Erzbischof Richard Henning in den sozialen Medien. Die Regelung weite den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen aus Sicht der Erzdiözese in erheblichem Maße aus.

Henning räumte ein, dass sich Menschen, die sich für den Schutz der menschlichen Würde einsetzen, angesichts der Entscheidung „entmutigt fühlen“ könnten. Zugleich rief er dazu auf, weiterhin „die Schönheit und das Wunder des Lebens“ zu verkünden.


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Über Andreas Nachbar

Redakteur / Autor bei GodMag.

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