Außenminister Wadephul im Vatikan: Warum die Stimme des Papstes im Ukraine-Krieg für Berlin so wichtig ist
Beim Vatikan-Besuch würdigt Außenminister Wadephul den Einsatz von Papst Leo XIV. für Frieden und spricht über Ukraine-Krieg, KI und kirchliche Hilfswerke.

Außenminister Johann Wadephul setzt bei einem Besuch im Vatikan auf eine ungewöhnliche Mischung aus Diplomatie, moralischer Autorität und Dialog: Im Gespräch mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und Erzbischof Paul Richard Gallagher würdigte er den Einsatz von Papst Leo XIV. für Frieden und Menschlichkeit. Im Mittelpunkt standen neben den Chancen und Gefahren künstlicher Intelligenz vor allem der Ukraine-Krieg, ein möglicher Waffenstillstand im Schwarzen Meer und die Rolle des Heiligen Stuhls.
Wadephul: „Gemeinsame Normen“ für KI
Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat bei seinem Besuch im Vatikan die Rolle von Papst Leo XIV. und des Heiligen Stuhls bei zentralen ethischen und gesellschaftlichen Fragen hervorgehoben. Besonders verwies er auf die jüngste Enzyklika des Papstes zum Umgang mit künstlicher Intelligenz, „Magnifica humanitas“.
KI biete große Chancen, berge zugleich aber „riesige Gefahren“, sagte Wadephul. Umso wichtiger seien aus seiner Sicht verbindliche Leitlinien für den Umgang mit der Technologie. Wadephul verwies dabei auf die Forderung des Papstes nach „gemeinsamen Normen“. Entscheidend sei letztlich, dass der Mensch die Kontrolle behalte und über den Einsatz künstlicher Intelligenz entscheide.
Die Haltung des Heiligen Stuhls bezeichnete der Außenminister als besonders bedeutsam. „Es ist ein weiteres Beispiel, wo wir die geistliche und die geistige und die moralische Führung des Heiligen Stuhls in dieser Welt mehr denn je benötigen“, sagte Wadephul. Zugleich dankte er Papst Leo XIV., Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und Erzbischof Paul Richard Gallagher für ihren Einsatz: „Ich bin dem Heiligen Stuhl [...] sehr dankbar für den unermüdlichen Einsatz für Menschlichkeit und Frieden.“
Dialog trotz Krieg
Auch der Krieg in der Ukraine war Thema der Gespräche im Vatikan. Wadephul verwies dabei auf die jüngsten Kontakte sowohl des Heiligen Stuhls als auch der Bundesregierung mit Moskau. „Erzbischof Gallagher war gerade erst in Moskau, und ich habe auch vor einigen Tagen in New York mit dem russischen Außenminister gesprochen“, sagte der Minister.
Trotz der scharfen Kritik am russischen Vorgehen müsse der Gesprächsfaden offengehalten werden. Es gelte, „immer weiter auf Dialog zu setzen“, betonte Wadephul. Zugleich verwies er auf die Folgen des Krieges weit über die Ukraine hinaus. Insbesondere die Lebensmittelversorgung in Entwicklungsländern sei betroffen.
„Wir dürfen eben nicht immer noch mehr Hunger, Not und Konflikt in der Welt riskieren“, sagte der Außenminister. Deshalb sprach er sich erneut für einen Waffenstillstand im Schwarzen Meer aus, zumindest mit Blick auf zivile Schiffstransporte.
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Dabei misst Wadephul dem Vatikan eine besondere diplomatische Bedeutung bei. Er sei dankbar, dass der Heilige Stuhl den russischen Angriffskrieg von Beginn an verurteilt habe. „Die Stimme des Vatikans zählt“, sagte der Minister. Gerade im globalen Süden könne sie Menschen erreichen und dazu beitragen, den Druck auf Russland für ernsthafte Verhandlungen zu erhöhen.
Auch Staaten außerhalb Europas müssten ihre Interessen gegenüber Moskau deutlich machen – etwa angesichts ausbleibender Getreidelieferungen aus der Ukraine. Für Wadephul ist dabei klar: „Es liegt allein an Russland, ob es einen echten Dialog will.“
Christliche Werte in den Mittelpunkt der Politik stellen
Bei seinem Vatikan-Besuch traf Außenminister Johann Wadephul auch mit Vertretern der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio in Rom zusammen. Trotz angespannter Haushaltslage will er die Zusammenarbeit mit kirchlichen Hilfsorganisationen fortsetzen.
Wadephul betonte die Bedeutung ihrer Arbeit in humanitären Krisen und bei der Vermittlung in Konflikten. „Es ist wichtig, dass wir diese wohltätige Arbeit der Kirchen im Rahmen unserer humanitären Bemühungen und bei Konfliktmediation weiter unterstützen“, sagte der Minister. Ziel müsse es sein, Konflikte einzudämmen und „auch durch Dialog zu lösen“.
Eine besondere Rolle sieht Wadephul dabei im globalen Süden. In Teilen Afrikas und Lateinamerikas verfüge die katholische Kirche über großen Einfluss und setze sich dort gegen Armut und für Frieden ein. Diese Strukturen wolle die Bundesregierung weiterhin nutzen und unterstützen.
„Dieses Engagement der Bundesregierung werden wir fortsetzen“, kündigte Wadephul an. Menschenwürde und die im christlichen Glauben verankerte Nächstenliebe müssten weltweit stärker in den Mittelpunkt der Politik rücken.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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