„Bande von Sexualstraftätern“? Minister kontert Kritik der spanischen Bischöfe
Mit klaren Worten kritisiert Spaniens katholische Bischofskonferenz die Korruptionsaffären im Umfeld von Ministerpräsident Pedro Sánchez. Die Regierung reagiert mit einem ungewöhnlich harten Vergleich. Der Konflikt zwischen Kirche und Staat eskaliert erneut.
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Der Konflikt zwischen der spanischen Regierung und der katholischen Kirche spitzt sich erneut zu. Nach scharfer Kritik der Bischofskonferenz an Korruptionsaffären im Umfeld von Ministerpräsident Pedro Sánchez reagierten mehrere Regierungsmitglieder mit verbalen Gegenangriffen. Damit verschärfen sich die Spannungen zwischen Staat und Kirche trotz jüngster Bemühungen um Annäherung.
Argüello fordert ethische Erneuerung der Politik
Auslöser der jüngsten Auseinandersetzung sind Äußerungen des Vorsitzenden der Spanischen Bischofskonferenz, Luis Argüello. Der Erzbischof von Valladolid nahm bei einem öffentlichen Auftritt am Donnerstagabend die Korruptionsaffären im Umfeld der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez zum Anlass für grundsätzliche Kritik. „Wenn ein Staat die Ethik vergisst, wird er zu einer Diebesbande“, sagte Argüello mit Blick auf die anhaltenden Skandale.
Zugleich betonte der Bischof, seine Worte seien nicht ausschließlich auf die Politik gemünzt. Jeder Bürger trage Verantwortung für das gesellschaftliche Klima. Wer etwa „bei der Steuererklärung getrickst oder eine Rechnung ohne Mehrwertsteuer verlangt“ habe, könne von seinen Volksvertretern nur schwer höhere moralische Maßstäbe einfordern. „Ethische Grundsätze gelten für alle“, erklärte Argüello.
Darüber hinaus warb der Vorsitzende der Bischofskonferenz für eine „Erneuerung“ der demokratischen Ordnung auf der Grundlage einer gemeinsamen „ethischen Referenz“. Er kritisierte zugleich eine Entwicklung hin zu „Fürsorgedemokratien“, die nach seiner Auffassung „passive Bürger anstreben, die durch Subventionen gekauft werden“. Der Staat dürfe sich nicht „in eine laizistische Caritas verwandeln, die Almosen verteilt“.
Auch die gesellschaftspolitische Entwicklung der vergangenen Jahre nahm Argüello ins Visier. Die spanische Gesetzgebung zu Fragen von Sexualität und Geschlecht bezeichnete er als „Projekt anthropologischer Dekonstruktion“. Zudem stellte er infrage, dass sogenannte Konversionstherapien verboten würden, während affirmative Therapien staatlich gefördert oder rechtlich abgesichert seien.
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Regierung weist Bischofskritik scharf zurück
Die Reaktion aus Madrid ließ nicht lange auf sich warten. Mehrere Regierungsmitglieder wiesen die Äußerungen des Vorsitzenden der Bischofskonferenz entschieden zurück. Besonders deutlich wurde Justizminister Félix Bolaños, der die Aussagen Argüellos in einer schriftlichen Stellungnahme als „ungerecht“ und „zutiefst kontraproduktiv“ bezeichnete. Zudem zeigte er sich „sowohl aus persönlicher als auch aus institutioneller Sicht“ über die Wortwahl des Erzbischofs „überrascht“ und sprach von einer Beleidigung.
Mit einem provokanten Vergleich ging der Minister zum Gegenangriff über: „Was würden Sie denken, wenn ein Regierungsmitglied die gesamte Kirche als eine Bande von Sexualstraftätern bezeichnen würde?“, fragte Bolaños. Gleichzeitig appellierte er an Argüello, die Beziehungen zwischen Staat und Kirche von „Mäßigung, Respekt und Gerechtigkeit“ prägen zu lassen.
Als Beispiel für ein konstruktives Miteinander verwies Bolaños auf den jüngsten Besuch von Papst Leo XIV. in Spanien, den er als „eindeutigen pastoralen und gesellschaftlichen Erfolg“ würdigte. Abschließend zitierte er den Papst mit den Worten: „Wer eine öffentliche Verantwortung trägt, hat die besondere Pflicht, das Wort zu hüten, um die Sprache zu entwaffnen.“ Diese Mahnung könne den Vorsitzenden der Bischofskonferenz dazu „inspirieren“, seine öffentlichen Äußerungen zu überdenken, erklärte der Minister.
Unterdessen wächst der innenpolitische Druck auf Ministerpräsident Pedro Sánchez. Ein ehemaliger Minister seiner Regierung wurde kürzlich wegen Korruption zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Ein weiterer früherer Spitzenfunktionär der Sozialistischen Partei sitzt in Untersuchungshaft. Darüber hinaus laufen Ermittlungsverfahren gegen Sánchez' Ehefrau sowie gegen seinen Bruder wegen ähnlicher Vorwürfe.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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