Bischof Glettler mahnt zum Auftakt der „Woche für das Leben“: Abtreibungen keine Gesundheitsleistung
Zum Auftakt der „Woche für das Leben“ hat der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler die Ausweitung des Angebots an Schwangerschaftsabbrüchen in Tirol kritisiert. Abtreibung sei keine Gesundheitsleistung, sondern die Beendigung menschlichen Lebens.

Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler hat zum Auftakt der „Woche für das Leben“ die jüngste Ausweitung des Angebots an Schwangerschaftsabbrüchen in Tirol scharf kritisiert. Abtreibung sei keine Gesundheitsleistung, sondern die Beendigung menschlichen Lebens, betonte der Bischof. Zugleich sprach er sich für eine stärkere Begleitung von Frauen in Konfliktschwangerschaften, den Ausbau von Beratungs- und Unterstützungsangeboten sowie für einen respektvollen Umgang mit allen Betroffenen aus.
Ausbau von Beratung und Hilfsangeboten
Die „Woche für das Leben“ der Diözese Innsbruck feiert heuer ihr 20-jähriges Bestehen. Die Initiative, die auf den verstorbenen Erzbischof Alois Kothgasser zurückgeht, versteht sich als gesellschaftlicher Impuls für den Schutz des Lebens in allen Phasen und setzt sich mit dem Umgang mit schutzbedürftigen und verletzbaren Menschen auseinander.
Kritische Worte fand Bischof Hermann Glettler für die jüngste Entwicklung in Tirol. Seit Anfang Mai werden Schwangerschaftsabbrüche auch an einem Standort der Tirol Kliniken durchgeführt. Der Innsbrucker Bischof zeigte sich über diese Entscheidung enttäuscht. Eingriffe im Rahmen der gesetzlichen Fristenregelung seien aus seiner Sicht „keine Aufgabe von Krankenhäusern“, sondern sollten weiterhin im niedergelassenen Bereich erfolgen.
Frauen in Konfliktschwangerschaften bräuchten vor allem „ein menschliches und nicht nur ein medizinisches Angebot“, betonte Glettler. Neben einer ehrlichen Begleitung seien emotionale Unterstützung und soziale Absicherung entscheidend. Der Bischof sprach sich zudem für den Ausbau jener flankierenden Maßnahmen aus, die bereits bei der Einführung der Fristenregelung politisch angekündigt worden seien. Besonders wichtig sei eine qualitätsvolle und ergebnisoffene Beratung, die Betroffenen mögliche Alternativen zu einem Schwangerschaftsabbruch aufzeige. Die bestehenden Hinweise auf Beratungsangebote, etwa auf der Website der Tirol Kliniken, seien dafür aus seiner Sicht nicht ausreichend.
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Darüber hinaus sieht Glettler Handlungsbedarf in der Prävention. Um wirksame Unterstützungsangebote entwickeln zu können, brauche es eine bessere Datengrundlage über die Gründe für Schwangerschaftsabbrüche. Gleichzeitig müssten bestehende Hilfssysteme wie Adoption, Pflegeangebote und soziale Unterstützungsmaßnahmen stärker bekannt gemacht werden. „Viele Möglichkeiten der Hilfe sind in der Öffentlichkeit zu wenig präsent“, gab der Bischof zu bedenken.
Spätabtreibungen bei Verdacht auf Behinderung „fundamentale Menschenrechtsverletzung“
Besonders deutlich positionierte sich Glettler bei sogenannten Spätabtreibungen aufgrund einer vermuteten Behinderung des ungeborenen Kindes. Die Möglichkeit, Schwangerschaften in solchen Fällen bis kurz vor der Geburt zu beenden, bezeichnete der Bischof als „fundamentale Menschenrechtsverletzung“. Zugleich warnte er vor einer gesellschaftlichen Entwicklung, in der Menschen mit Behinderung zunehmend nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen bewertet würden. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass sie als „Kostenfaktor“ betrachtet werden, mahnte Glettler.
Die Eröffnung der „Woche für das Leben“ erfolgte im Rahmen eines Gottesdienstes zum Dreifaltigkeitssonntag in Innsbruck, an dem auch zahlreiche Menschen mit Behinderung sowie deren Angehörige teilnahmen. Mit Verweis auf die päpstliche Enzyklika „Magnifica humanitas“ unterstrich der Bischof die Bedeutung des Rechts auf Leben als grundlegendes Menschenrecht. Der Wert eines Menschen, so Glettler, bemesse sich nicht an Leistung, Gesundheit oder gesellschaftlicher Nützlichkeit, sondern komme jedem Menschen gleichermaßen zu.
Zum Abschluss seiner Ausführungen warb der Innsbrucker Bischof für einen respektvollen und sachlichen Umgang mit der Debatte um Schwangerschaftsabbrüche. Respekt gelte sowohl dem ungeborenen Leben als auch den Frauen und Familien, die sich häufig in schwierigen und belastenden Entscheidungssituationen befänden. „Die Würde jedes Menschen muss im Mittelpunkt stehen“, betonte Glettler.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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