Familie

Bischof Kohlgraf: Kein Mensch sollte sich im Alter vergessen fühlen

Der Welttag der Großeltern und Senioren am 26. Juli erinnert daran, dass ältere Menschen mehr benötigen als Hilfe und bloße Betreuung. Bischof Peter Kohlgraf ruft zu mehr Nähe und Aufmerksamkeit auf, während Papst Leo XIV. die geistliche Bedeutung des Alters und die bleibende Würde jedes Menschen hervorhebt.

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Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
Bischof Kohlgraf: Kein Mensch sollte sich im Alter vergessen fühlen
(c) Bildnachweis: Beitragsbild @ Peggychoucair - pixabay user_id:1130890

Zum Welttag der Großeltern und Senioren hat der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf zu mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung für ältere Menschen aufgerufen. Sie bräuchten nicht nur eine gute Versorgung, sondern vor allem menschliche Nähe, Zuwendung und das Gefühl, gehört zu werden. Auch Papst Leo XIV. würdigt in seiner Botschaft die Bedeutung älterer Menschen und ermutigt sie, ihre Lebenserfahrung und ihren Glauben weiterhin in Kirche und Gesellschaft einzubringen.

Welttag der Großeltern und Senioren: „Ich vergesse dich niemals“

Viele Menschen kennen ältere Nachbarn oder Verwandte, deren Kinder aus beruflichen oder familiären Gründen weit entfernt leben. Der Alltag ist geprägt von Termindruck, Hektik und ständiger Erreichbarkeit – da geraten gerade jene leicht aus dem Blick, die sich nach einem Besuch, einem Gespräch oder einem Zeichen der Aufmerksamkeit sehnen.

Das hob auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hervor, der als Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz für die Seniorenpastoral zuständig ist. „Vor allem ältere Menschen brauchen mehr als eine gute Versorgung“, betonte der Mainzer Bischof. „Sie brauchen menschliche Nähe, Aufmerksamkeit und die Erfahrung, dass ihre Stimme gehört wird. Selbst ein kurzer Besuch oder ein Gespräch kann sichtbar machen, was Gott jedem Menschen zusagt: Ich vergesse dich nicht!“

Der von Papst Franziskus eingeführte Welttag der Großeltern und Senioren, der jedes Jahr rund um den Gedenktag der heiligen Joachim und Anna begangen wird, lade dazu ein, ältere Menschen nicht nur als Empfänger von Fürsorge wahrzunehmen. Vielmehr gelte es, ihre Lebenserfahrung, ihren Glauben und ihre Fähigkeiten als wertvollen Beitrag für Kirche und Gesellschaft zu erkennen. „Auch wenn die Kräfte mit den Jahren nachlassen, bleiben ältere Frauen und Männer ein wichtiger Anker unserer Gemeinschaft“, sagte Kohlgraf.

Das diesjährige Motto „Ich aber vergesse dich niemals“ (Jes 49,15) verweist auf Gottes bleibende Treue und lädt dazu ein, diese Zusage auch im eigenen Handeln gegenüber älteren Menschen erfahrbar werden zu lassen.

Nähe Gottes im Alter erfahren

Auch Papst Leo XIV. rückt in seiner Botschaft zum Welttag der Großeltern und Senioren die Würde und den bleibenden Wert älterer Menschen in den Mittelpunkt. Er erinnert daran, dass die Kirche die Sorgen und Nöte vieler älterer Menschen kennt und wahrnimmt. „Die Kirche kennt das Leid ihrer älteren Söhne und Töchter“, schreibt der Papst.

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Viele von ihnen würden noch immer mit Vorurteilen betrachtet oder gar als Belastung für die Gesellschaft empfunden. Weiter weist Leo XIV. darauf hin, dass gesellschaftliche Entwicklungen wie eine zunehmend wirtschaftlich ausgerichtete Lebensweise oder die Entfernung von Familienmitgliedern durch Migration und andere Lebensumstände familiäre Beziehungen erschweren können.

Der Papst betont jedoch, dass das Alter nicht das Ende eines erfüllten Lebensweges bedeutet, sondern eine Zeit sein kann, in der sich neue Fragen und neue Zugänge zum Glauben eröffnen. „Auch wenn uns dieser Gedanke ungewohnt erscheinen mag, so ist es doch wahr, dass wir auch im Alter nicht aufhören, Söhne und Töchter zu sein“, schreibt Leo XIV. Die Einladung, sich der Liebe Gottes anzuvertrauen, bleibe deshalb in jeder Lebensphase bestehen.

Gerade im höheren Alter könnten Menschen die Nähe Gottes auf besondere Weise erfahren. „Viele entdecken erst im Laufe ihres Lebens die Zärtlichkeit Gottes, manchmal gerade auf dem letzten Lebensabschnitt“, so der Papst. Für manche könne diese Lebensphase eine Gelegenheit sein, den Glauben neu zu entdecken oder wieder aufzunehmen.

Dabei verweist Leo XIV. auf ein Bild des heiligen Augustinus, der Gott als mütterlich beschreibt: „Mutter ist, weil er wärmt, weil er nährt, weil er stillt, weil er behütet.“ Diese Erfahrung göttlicher Nähe könne helfen, die eigene Gebrechlichkeit anzunehmen und zu erkennen, dass jeder Mensch auf andere angewiesen bleibt.

„Es ist nie zu spät, sich an ihn zu wenden“, betont der Papst. Darin liege ein Geschenk – nicht nur für den Einzelnen, sondern für die gesamte Gemeinschaft.

Zum Abschluss seiner Botschaft bittet Leo XIV. um Gebete für den Frieden. Angesichts von Kriegen und gesellschaftlichen Spannungen machten sich viele Sorgen um die Zukunft ihrer Enkelkinder. „Ich fordere euch, liebe Brüder und Schwestern, dazu auf, mit mir beständig um einen baldigen Frieden in der ganzen Welt zu beten“, schreibt der Papst.

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